Bouldern in Südafrika
Warum im Hochsommer nach Südafrika? Ganz klar! Weil dann in Südafrika Winter ist und beste Bedingungen herrschen. Und außerdem warten mit den Rocklands wohl eines der absolut besten Bouldergebiete der Welt. Bouldern ist Klettern auf Absprunghöhe und ohne Seil und wird meist an kleinen Blöcken, sogenannten„Boulder“, betrieben, wobei die Absprunghöhe auch mal 5-6 Meter sein kann. Als Dämpfung verwendet man Crashpads, das sind kleine Weichbodenmatten, die mit Trägern wie Rucksäcke transportiert werden können.
Also rein ins Flugezeug und ab in die Traumstadt Kapstadt. Vorausgesetzt man hat Glück und die Crashpads sind trotz Sperrgut auch am richtigen Zielflughafen angekommen, kann man gleich mit einem Bouldertrip am 45 Minuten entfernten Muizenberg anfangen: perfekte Aussicht über Kapstadt, das Meer und den Tafelberg garantiert. Zufälligerweise wurde hier erst vor Kurzem, 20 km von Cape Town entfernt, ein gigantisches Gebiet entdeckt. Aber Achtung, der Sandstein ist unglaublich rau, also Haut und Kletterschuhe schonen, denn die Rocklands kommen ja erst noch. Es empfiehlt sich daher, auf robuste Kletterschuhe zu achten.
Am besten man nimmt sich einen Mietwagen, denn die Rocklands liegen ziemlich im Outback, 250 km in Richtung Norden und Namibia in der Nähe des kleinen Städtchens Clanwilliam. Dort sollte man auf jeden Fall nochmals tanken und Vorräte einkaufen, denn dies ist der letzte Ort vor den Rocklands.
Unterkunft, schon fast ein Muss, ist der Pakhuis Campground auf der anderen Seite des gleichnamigen Passes. Beim Pakhuis Campground kann man entweder zelten oder sich einen Bungalow nehmen, auf jeden Fall ist immer was los, denn hier wohnen so gut wie alle Boulderer und Kletterer. Aber auch die Unterkünfte Alpha Excelsior Guest Farm oder Travellers Rest sind zu empfehlen. Der vor einiger Zeit geschlossene Campingplatz Kliphuis des Nationalparks vor dem Pass soll auch in Kürze wieder geöffnet werden. Wer nur auf der Durchreise ist und keine Crashpads dabei hat, kann sich diese auch beim Pakhuis ausleihen, allerdings sind dies meist Matten, die aus sehr guten Gründen von Boulderern zurückgelassen wurden. Also damit lieber die Highballs (richtig hohe Boulder, die 5 m schon auch mal überschreiten können) weglassen.
Nun aber zu den richtig wichtigen Dingen. Wer das erste Mal hier ist, sollte eigentlich erstmal am Pass parken und in das Gebiet „The Pass“ laufen. Alle, die sich nicht den Guide von Scott Noy zugelegt haben, werden spätestens hier wieder umdrehen, denn man läuft mitten in Tausende von Blöcken jeder Größe. Unfassbar, was hier rumliegt. Nach 15 Minuten sieht man auf der linken Seite gleich einen der großen Klassiker der Rocklands: „The Rhino“ – und tatsächlich sieht er von der Seite aus wie ein Nashorn mit offenen Maul. Weiter geht’s, fast direkt am Weg warten mit „Power of Balance“ und „Sunset Traverse“ weitere Megaklassiker. Boulder haben meist Namen, die von der Person, die den Boulder zuerst bezwingt, bestimmt werden dürfen.
Alle Sektoren im Detail zu beschreiben, würde hier den Rahmen sprengen, ich möchte sie dennoch kurz ansprechen. Am Kliphuis Campground wartet mit dem “Teapot” wohl einer der meistfotografierten Boulder auf euch, landschaftlich unglaublich schön. Der de Pakhuys Sektor ist sehr bequem von der Unterkunft zu erreichen und wurde maßgeblich von dem Österreicher Klem Loskot erschlossen. Ebenfalls ziemlich neu ist “8 days rain”, welches 2007 nach acht Tagen Sauwetter gefunden wurde. Wer’s draufhat, sollte unbedingt „The Arc“ versuchen. Der Sektor Traveller’s Rest ist etwas schwierig zu erreichen, aber eigentlich ein Muss, denn Shosholoza sollte man schon probieren, an diesem Block im Sonnenuntergang zu bouldern…
Zu erwähnen gilt noch, dass alle Blöcke auf Privatgrund sind und Permits für die jeweiligen Sektoren gekauft werden müssen. Wenn man bei Pakhuys wohnt, sind die Permits für diese Gebiete mit dabei.
Unglaublich, wie viele Rottöne die Natur hergibt, in den Rocklands scheinen sie sich alle zu versammeln, und das auch noch mit diesem perfekten Sandstein. Die Kletterei ist meist athletisch mit Leisten aber auch mit Slopern. Alle, die jetzt glauben, die Ausstiege der Boulder wären plattig und glatt, den muss ich leider enttäuschen, unglaubliche Henkel in den Ausstiegen schonen die Nerven von Kletterer und Spotter. Überhaupt kann man einen guten Spotter (die Person, die unten steht und einen im Zweifelsfall auffängt) gut gebrauchen, das Absprunggelände ist durchaus felsig. Für alle, die ihre Kletterausrüstung nicht guten Gewissens zu Hause lassen konnten, gibt es auch einige Sportkletterouten. Aber auch alle Alpinisten kommen hier voll auf ihre Kosten, vorausgesetzt ihr habt eure Keile und Friends dabei. Mittels diesen mobilen Sicherungsmitteln kann man Risse im Fels auch ohne gebohrten Haken ganz gut absichern. Vor Kurzem erst hat eine europäische Gruppe mit 24 neuen Touren die Salewa Wall erschlossen. Roger Schäli nannte die Tour „Wave Up“ – seine schönste jemals erschlossene Einseillängen-Tour.
Zum Autor: Martin Stolzenberger ist Chefeinkäufer bei Bergzeit.de, einem Online Shop für Kletterausrüstung, Outdoor- und Camping Ausrüstung. Neben dem Online Shop betreibt Bergzeit zwei Filialgeschäfte im süddeutschen Raum.
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