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24 Stunden von Bayern – ist der Weg das Ziel?

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Zum vierten Mal fiel am 16. Juni 2012 der Startschuss zu den 24 Stunden von Bayern. Austragungsorte der 444 Teilnehmer starken Langstreckenwanderung waren mit Chiemgau und Berchtesgadener Land erstmals alpine Regionen. Outdooractive.com war dabei und plaudert nun, bequem vom Bürostuhl, aus der Pflasterbox.

Rund um die Max Aicher Arena geht es los zur ersten Tour des Tages. (Foto: Marie Winter)Der Weg ist das Ziel sagt man ja gerne, aber 24 Stunden wandern? Bei Dunkelheit? Ohne Pausen? Ohne Schlaf?! Die Vorstellung regt zu den abenteuerlichsten Gedanken an. Noch dazu wenn frühere Besuche in den Austragungsregionen gewisse Erfahrungswerte hinterlassen haben: Ein Stamperl Enzian an jeder Station, stimmt das wirklich? Vor dem inneren Auge ziehen schwankend erschöpfte Hochleistungswanderer vorbei.

Der Weg

Jetzt mal ernsthaft. Wer nimmt denn an so einer Wanderung teil? Sportfreaks vom Typ Marathonläufer? Um 8:11 Uhr, kurz nach dem Startschuss umrundet das Startfeld die Max Aicher Arena in Inzell und startet zur Tagesetappe Berge-Almen-Schlucht-Himmelsleiter. Zeit den Blick schweifen zu lassen. Den Wanderern ist die Vorfreude ins Gesicht geschrieben, viele tragen stolz das leuchtend rote 24-Stunden-T-Shirt. Sie ziehen aus zu einem Abenteuer, einer Herausforderung. Zwischen 17 und 75 Jahren sind die Teilnehmer alt und ebenso breit gefächert das weitere Erscheinungsbild. Studenten, Rentner, Familien, Einzelkämpfer – die Masse geht es gemütlich an. Voraus schreiten die Sportlichen, die Erfahrenen. Sie ahnen, dass der Stau beim anspruchsvollen Aufstieg zur Kohleralm auf 1450 m ü. NN sie wichtige Zeit kosten könnte.

Strecke vs. Naturgenuss?

Anstieg zur Kohleralm. (Foto: Lisa Kügel)Mit den zunehmend gesammelten Höhenmetern zerstreut sich die breite Masse. Nach einer Stärkung inmitten der Almidylle auf der Kohleralm geht es mit sanft verklingenden Alphorn-Klängen auf wurzeligen, leicht ausgesetzten Pfaden weiter. Die Berchtesgadener Bergkulisse zeigt auf diesem Streckenabschnitt ihre prächtigsten Seiten, lässt aber gönnerhaft auch mal einen Blick auf den Chiemsee frei. Der Naturgenuss und das Erleben der Landschaft wird also keineswegs von der bevorstehenden Strecke verdrängt – auch so eine FAQ. Nur die Füße machen langsam auf sich aufmerksam, es zwickt und zwackt an so mancher Stelle und Blicke auf die Karte werden häufiger. Der ein oder andere kürzt die erste Tour nach dem schweißtreibenden Aufstieg aus der Weißbachschlucht mit einer Busfahrt zurück nach Inzell ab. Die Unermüdlichen bezwingen noch die – wer hätte es gedacht – 444 Stufen der Himmelsleiter. Mag sein, dass bei Stufe 222 der Genuss kurzzeitig in den Hintergrund rückt.

Speckkrapfen gegen die Wehwehchen

Auf dem Weg in die Dämmerung. (Foto: Lisa Kügel)Die Dämmerungsrunde führt durch die Moorlandschaft bei Inzell. Echter Höhepunkt ist der Schlemmer-Markt. Speckkrapfen, zartes Ruperti-Rind, gebackene Holunderblüten und der, wohlgemerkt, erste Schnaps lenken das Gefühl von den Beinen auf die Zunge. Nach all der Schlemmerei wird es Zeit für die Frage: Wird man nicht irgendwann irre müde? Wie ist das mit dem Durchhalten?

Die Nachtrunde macht noch einmal 24 Kilometer. Von Holzen heißt es nach einem zünftigen Schuhplattler gegen 23:00 Uhr die 500 Höhenmeter zum Aussichtspunkt Teisenberg zu meistern. Von der Umgebung ist nicht viel zu erkennen. Gut, der monoton aufsteigende Forstweg verschwindet so im tiefen Schwarz der Nacht. Die Sterne funkeln und Füße, die seit einiger Zeit mehr Fremdkörper als Körperteil zu sein scheinen, tragen weiter aufwärts. Oben angekommen meint man, das Gröbste sei geschafft und beginnt den Abstieg – der Punkt an dem nun auch die (eindeutig zum Körper gehörigen) Füße streiken. Nun bestätigt sich das Bild vom Anfang: Wackeligen Schrittes geht es über Wiesen zum ruhigen Frillensee. Mit dem Verfall des körperlichen Zustandes steigt seltsamerweise die zwischenzeitlich doch etwas abgesackte Laune. Leises, kaum albernes Kichern klingt durch den dunklen Wald.

Das Ziel

Ruhelager in der Max Aicher Arena. (Foto: Lisa Kügel)Letztlich ist der Geist aber schon ziemlich schwach; und das Fleisch sowieso – der Shuttlebus erscheint im Lichtkegel der Stirnlampe und nicht jeder kann ihm jetzt noch wiederstehen. Beim Sonnenaufgang weilen die einen dann schon in traumlosem Schlaf, andere aber kehren erschöpft, stolz und planmäßig zur Max Aicher Arena zurück. Der Weg ist das Ziel sagt man gerne und meint damit, dass die Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen während einer Wanderung das Erreichen des Ziels an Stellenwert weit übertreffen. Und das gilt eindeutig auch für eine Wanderung über 24 Stunden. Nach den lobenden Worten der Organisatoren und einer heißen Tasse Kaffee macht sich dann aber jeder auf einen Weg, der gegen das sehnsüchtig ersehnte Ziel einfach nicht ankommen mag – nach Hause, ins Bett.

Herzlichen Glückwunsch noch an alle, die durchgehalten haben! Die ein oder andere outdooractive.com-Karte hab ich im Lauf des Tages ja auch entdeckt. Wer war denn noch dabei und wie war euer Eindruck?

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Kommentare

  1. Inge Wolf-Kügel
    20.06.2012 12:31

    gefällt mir

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