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Bilderbuchtal im Zentrum der Alpen: Das Val Müstair

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Das Val Müstair im Herbst. Foto: Turissem Val MüstairIm äußersten Osten der Schweiz liegt das urige Münstertal. Eingekesselt von bis zu 3.000 m hohen Bergriesen hat sich das Tal bis heute seinen ganz eigenen Charme bewahren können. Besucher treffen hier auf eine alpine Bilderbuchlandschaft, die durch ihre räumliche Abgeschiedenheit im Herzen der Zentralalpen ein Paradies für Wanderer und Mountainbiker ist.

Die Restschweiz ist ganz weit weg

Vom Ofenpass geht es hinunter ins Münstertal. Foto: Patrick KüpperEigentlich könnte das zu den Bündner Südtälern zählende Münstertal auch ein eigener Staat sein. Immerhin sprechen seine Einwohner eine eigene Sprache, die nirgendwo sonst auf der Welt gesprochen wird: Jauer. Der offizielle Name des Tals lautet deshalb konsequenterweise auch Val Müstair. Hinzu kommt, dass wohl kaum eine andere Region so weit weg vom Rest der Schweiz ist wie das kleine Tal zwischen Engadin und Vinschgau. Wer über Schweizer Boden in das Tal gelangen möchte, muss nicht nur mehr als 20 km durch die unberührte Wildnis des Schweizer Nationalparks fahren, sondern auch den 2.149 m hohen Ofenpass überwinden. Fast 27 Straßenkilometer trennen Tschierv, den höchstgelegenen und westlichsten Ort des Münstertals von Zernez, das die nächste Siedlung jenseits des Ofenpasses darstellt. Eine Alternative zu dieser Route gibt es nicht – zumindest nicht, wenn man die Schweiz nicht verlassen möchte. Im Osten freilich geht das Val Müstair in den Südtiroler Vinschgau über. Taufers, die tiefstgelegene Gemeinde des Tals liegt sogar schon in Südtirol, von wo es natürlich auch eine Straßenanbindung gibt. Im Süden ist das Münstertal über die spektakuläre Umbrailpassstraße (2.503 m) auch mit der Lombardei verbunden.

Benediktinerinnen und Milchkühe

Das Kloster St. Johan in Münster vor dem Piz Lad (2.882 m). Foto: Turissem Val MüstairBenannt ist das Val Müstair nach dem Dorf Müstair (zu deutsch Münster), das oberhalb von Taufers direkt an der Grenze zu Italien liegt und mit ca. 800 Einwohnern der größte Ort des Tals ist. Seine Anfänge reichen bis ins frühe Mittelalter zurück. Bedeutendstes Baudenkmal der Gemeinde ist die Claustra Son Jon (Kloster St. Johann), ein Benediktinerinnenkloster, das im Jahr 775 auf Geheiß Karl des Großen errichtet wurde. Es ist seit 1983 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und lockt jedes Jahr über 100.000 Besucher an. Oberhalb von Müstair liegen die Orte Santa Maria, Valchava, Fuldera und das bereits erwähnte Tschierv. Lü, das ebenfalls zum Münstertal gezählt wird, liegt nicht im Tal, sondern nördlich von Fuldera am Hang des Muntet auf 1.920 m über NN. Die alten Bauernhäuser der Dörfer sind oft mit kunstvoll gemalten Fresken verziert. Obwohl viele Bauern heute Zimmer an Touristen vermieten, hat sich die traditionelle Milchwirtschaft halten können – zur Freude vieler Wanderer, die in den Sommermonaten auf den Bergwiesen des Münstertals von weidenden Rindern begrüßt werden.

Paradies für Wanderer, Bergsteiger und Mountainbiker

Blick über Lü zum Ofenpass. Foto: Turissem Val MüstairDank seiner abgeschotteten Lage ist das Val Müstair vom Klima begünstigt. Von Westen kommende feuchte Atlantikluft wird von den Bergen rund um den 2.149 m hohen Ofenpass fern gehalten, so dass das Klima im Tal angenehm mild und häufig sonnig ist. Perfekte Bedingungen also für ausgedehnte Wanderungen oder Mountainbiketouren. Eine der beliebtesten Mountainbikestrecken führt von Lü über den Pass da Costainas ins Unterengadin. Auch bei Wanderern ist die für motorisierte Fahrzeuge gesperrte Strecke sehr beliebt. Andere Touren führen auf der Südseite des Tals über die Höhen ins versteckte Val Mora. Während das Münstertal über die Etsch zum Mittelmeer entwässert, fließen die Bäche dieses kleinen Seitentals in den Inn und somit ins Schwarze Meer. Wer noch höher hinaus will, für den ist das Val Müstair auch ein idealer Ausgangspunkt für eine Hochtour in die Ortlergruppe im benachbarten Südtirol, die mit über 3.900 m Höhe eines der höchsten Massive der Ostalpen ist. Natur pur erwartet den Besucher jenseits des Ofenpasses im Schweizer Nationalpark. Der dicht bewaldete Park, der sich auf 170 km² zwischen 1.400 und 3.200 m über NN ausbreitet, ist der älteste Nationalpark der Alpen und Heimat für viele bedrohte Tierarten. Unter anderem leben hier Steinadler, Steinböcke, Luchse, Wölfe und Braunbären.

Mit Google Earth könnt Ihr vom Taleingang östlich von Taufers per Mausklick eine 3D-Reise durchs Münstertal machen:

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