Das Schweizer Rhonetal – zwischen Weinbergen und Gletschern

An den Südhängen oberhalb der Rhone wird auf steilen Hangterrassen Wein angebaut. (Foto: www.flickr.com/ gali367/ CC Lizenz V.2.0)
Die Rhone ist die Lebensader des Schweizer Kantons Wallis. Auf ihrer Fließstrecke vom Rhonegletscher hinab zum Genfer See legt sie 119 km auf Schweizer Gebiet zurück und verleiht zusammen mit ihren Nebenflüssen dem Schweizer Kanton sein einzigartiges Aussehen. Besonders die landschaftlichen Gegensätze machen das Rhonetal so reizvoll – hier findet man Spitzbergen und Spanien auf engstem Raum.
Über dem weiten Trogtal der Rhone, in dem dank des milden Klimas Obst, Wein und Gemüse gedeihen, ragen die höchsten Gipfel der Schweiz in den Himmel – südlich des Tals die eisgepanzerten Viertausender der Walliser und nördlich davon die mächtigen Eisriesen der Berner Alpen. Unzählige bezaubernde Seitentäler, deren Bäche in die Rhone münden, haben sich im Laufe von Jahrmillionen tief in diese Gebirgsgruppen eingeschnitten und eine Landschaft von beeindruckender Schönheit geschaffen.
Steppenklima mitten in den Alpen

Der Lac de Moiry im Val d`Anniviers, einer der zahlreichen Stauseen in den Seitentälern des Rhonetals. (Foto: Silke Hertel)
Die geographische Lage des Rhonetals entlang des Alpenhauptkammes bedingt ein in der Schweiz einmaliges, mediterranes Steppenklima, das von heißen und trockenen Sommern geprägt ist. Die Walliser Kantonshauptstadt Sion übertrifft Zürich um mehr als 350 Sonnenstunden im Jahr. Mit nur 550 mm Jahresniederschlagsmenge ist das Wallis der trockenste Schweizer Kanton und Wasser im Sommer Mangelware. Grund dafür sind die über 4000 m hohen Berge im Norden und Süden, die das Tal fest umschließen und Niederschläge abhalten. Die Bewässerung der trockenen Talregionen erfolgt zu einem erheblichen Teil aus zahlreichen Stauseen in den Seitentälern. Einige der größten sind der Lac de Dix, der Lac d`Emosson oberhalb der Trientschlucht sowie der Lac de Mauvoisin im Val des Bagnes. Bis zu 287 m hohe Mauern stauen hier gewaltige Wassermassen und produzieren Strom.
Suonen durchziehen steilste Talflanken

Entlang senkrechter Felswände wurden in gefährlicher Handarbeit hölzerne Wasserleitungen zur Bewässerung der trockenen Talhänge gebaut. (Foto: Silke Hertel)
Die Bewässerungssysteme im Rhonetal reichen bis ins 12. Jh. zurück. Bereits damals wurden hölzerne Bewässerungskanäle durch Schwindel erregend steile, teilweise sogar überhängende Felswände gebaut, um Gletscherwasser auf die trockenen Talhänge zu leiten und so eine landwirtschaftliche Nutzung erst möglich zu machen. Während die Kanäle im deutschsprachigen Wallis Suonen heißen, werden sie im französischsprachigen Teil Bisse genannt. Die meisten Suonen haben eine Länge zwischen 500 m und zwei km, die längste ist die 32 km lange Bisse de Saxon bei Haute-Nendaz. Der Bau und Unterhalt der Kanäle war nicht nur technisch schwierig, sondern auf Grund der oftmals exponierten Lage auch sehr gefährlich. Viele Männer verloren dabei ihr Leben. Ein dementsprechend hohes Ansehen genossen die Suonen-Arbeiter in der Dorfgemeinschaft. Seit den 50er Jahren des 20. Jh. wurden viele Suonen aufgegeben oder in Tunnel durch den Berg verlegt. Viele ehemalige Unterhaltspfade entlang der Wasserleitungen können heute als reizvolle Wanderwege genutzt werden.
Pfyn- und Aletschwald – zwei einzigartige Naturschutzgebiete

An den Hängen rechts oberhalb des mächtigen Aletschgletschers befindet sich das einzigartige Naturreservat Aletschwald. (Foto: Silke Hertel)
Gewaltige Höhenunterschiede zwischen dem Rhonetal und den Gipfelregionen von bis zu 4000 m ermöglichen eine äußerst artenreiche Flora und Fauna auf engstem Raum. Neben Obst, Gemüse und Wein wachsen im mittleren und unteren Rhonetal Steppengräser, Mandeln, Zypressen und Feigen. Eine Besonderheit, die wegen ihrer Vegetation auch die „Provence der Schweiz“ genannt wird, ist das Naturschutzgebiet Pfynwald zwischen Leuk und Sierre. Es handelt sich dabei um den größten Föhrenwald Europas. Die Felsmassen eines nacheiszeitlichen Bergsturzes bilden hier zusammen mit dem Föhrenwald, einigen Seen und der frei dahinfließenden Rhone eine ausgedehnte, reizvolle Naturlandschaft. Ein weiteres Highlight im Rhonetal ist das Pro Natura Reservat „Aletschwald“. Der Lärchen- und Arvenwald oberhalb des Aletschgletschers mit seinem Meer aus Alpenrosen im Unterwuchs zählt zu den schönsten Bergwäldern der Schweiz. Bedingt durch die extremen Bedingungen wachsen die Arven hier äußerst langsam. Ein 3 bis 4 m hoher Baum kann durchaus bereits ein Alter von 60 bis 80 Jahren aufweisen. Durch den Rückgang des Gletschers vergrößert sich das Schutzgebiet stetig. Auf Flächen, die vor wenigen Jahren noch mit Eis bedeckt waren, siedeln nun schon erste Pionierpflanzen.
Walliser Ringkuhkämpfe

Die muskelbepackten, gehörnten Eringer Rinder zählen zu den kleinsten Rinderrassen in Europa. (Foto: Silke Hertel)
Noch heute haben im Wallis Jahrhunderte alte Traditionen im Alltag einen sehr hohen Stellenwert. Religiöse Feste und Prozessionen werden seit jeher feierlich begangen und alte Bräuche christlichen und heidnischen Ursprungs ins moderne Leben integriert. Eine der vielen typischen Walliser Traditionen sind die Ringkuhkämpfe. Hauptakteure dabei sind die Eringer Kühe, eine weltweit einzigartige Rinderrasse aus dem Wallis. Die robusten Tiere zeichnen sich dadurch aus, dass sie um die hierarchische Stellung innerhalb der Herde kämpfen. Die Bauern haben versucht, die latente Aggressivität der Rinder in Bahnen zu lenken und machten daraus ein Volksfest, bei dem sich jeweils zwei Tiere mit Startnummern gegenüber stehen.
Wer die einzigartige Landschaft des Rhonetals zu Fuß entdecken will, für den gibt es hier einige Tourenvorschläge:
1. Pfynwald und Bhutan-Hängebrücke
2. Europaweg von Grächen nach Zermatt
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- Bewertungen: 8
11.05.2010 10:08
[...] Meinung nach) schönsten Alpentäler vor. Den Anfang macht Silke mit einem Porträt des Schweizer Rhonetals. Am Dienstag und am Mittwoch folgen die Artikel von Thomas und Viki über das italienische Aostatal [...]