Das Siebengebirge – Wo Humboldt ins Schwärmen geriet
Vor über 200 Jahren bezeichnete Alexander von Humboldt es als das achte Weltwunder. Kein Wunder, dass das Siebengebirge auch heute noch viele Menschen in seinen Bann zieht. Südöstlich von Bonn markieren seine kegelförmigen Gipfel das Ende des Mittelrheintals und den Eintritt des Rheins in die Niederrheinebene.
Erkaltete Lavablasen
Humboldt, der unter anderem als erster Europäer den Orinoco erkundete und als erster Mensch überhaupt den knapp 6300 m hohen Chimborazo in Ecuador bestieg, war fasziniert vom Siebengebirge. Für ihn waren die rund 30 Gipfel ein „Hochgebirge im Kleinen“. In Bezug auf die kleine Stadt Bad Honnef, idyllisch eingebettet zwischen den Rhein und die Berge, ließ er sich gar zu einem Vergleich mit dem südfranzösischen Nizza hinreißen. Dabei wirkt das Siebengebirge bei Betrachtung der nackten Zahlen eher unspektakulär: Seine größte Ausdehnung beträgt nicht einmal 15 km und mit 460 m über NN ist sein höchster Gipfel alles andere als ein Superlativ. Besonders wird das Siebengebirge erst durch sein Profil und seine Lage. Eindrucksvoll demonstrieren die kegelförmigen Gipfel die vulkanisch-aktive Vergangenheit der Region. Wie große, erkaltete Lavablasen, die nie gänzlich zum Ausbruch gekommen sind, stehen sie auf engstem Raum nebeneinander. Unmittelbar am Rande der Niederrheinebene gelegen, ist das Gebirge zudem schon aus großer Distanz zu sehen. Von den Gipfeln wiederum hat man bei gutem Wetter eine Aussicht bis weit über Köln hinaus.
Heimat von Märchen und Mythen
Hinzu kommt, dass das Siebengebirge schon immer Projektionsfläche für Sagen und Mythen war. So soll Siegfried, tragischer Held des Nibelungenliedes, den berühmten Drachen nirgendwo anders als am Drachenfels getötet haben. Diesem Ereignis zum Andenken steht seit 1913 auf halbem Wege zum Gipfel die Nibelungenhalle, in der Kunstwerke zum Thema „Nibelungen“ gezeigt werden, sowie ein Reptilienzoo mit Krokodilen. Selbst wenn die Einrichtung für manch einen nichts anderes als romantischer Kitsch sein mag, hat nicht zuletzt der Kult um Siegfried und den Drachen dazu beigetragen, dass der Drachenfels bis heute der meistbestiegene Berg Europas ist. Eine andere – allerdings irrtümliche – Assoziation mit der Märchen- und Sagenwelt bezieht sich auf den Namen des Siebengebirges. Auch wenn es naheliegend klingt, sind die „großen Sieben“ des Siebengebirges – der Ölberg, die Löwenburg, der Lohrberg, der Nonnenstromberg, der Petersberg, die Wolkenburg und der Drachenfels – nicht die sieben Berge, in denen Schneewittchen die sieben Zwerge betüteln durfte. Tatsächlich geht der Name „Siebengebirge“ auf das rheinische Wort „Siefe“ zurück, das soviel wie „Kerbtal“ bedeutet und bezieht sich auf die tief eingeschnittenen Mulden zwischen den Bergen.
Steinbruch für den Kölner Dom
Nicht immer wussten die Menschen die Schönheit des Siebengebirges zu schätzen. Höher im Kurs standen dagegen lange Zeit greifbarere Werte, wie das vulkanische Trachytgestein. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert wurden zahlreiche Steinbrüche angelegt. Vor allem der Drachenfels musste als Rohstoffquelle für Bauwerke wie den Kölner Dom herhalten – bis die verantwortliche Steinhauer-Gewerkschaft 1836 schließlich zwangsenteignet und der Berg von der preußischen Regierung unter Naturschutz gestellt wurde. Mit diesem Ereignis begann die Geschichte des Siebengebirges als Naturschutz- und Erholungsgebiet. Sukzessive wurden seither weitere Gebiete unter Schutz gestellt, so dass der „Naturpark Siebengebirge“ heute das komplette Gebirge einschließlich einiger Nachbarregionen umfasst. Bis vor Kurzem gab es auch Pläne, den Naturpark in einen Nationalpark umzuwandeln. Auch wenn dieses Vorhaben letztlich scheiterte, ist das Siebengebirge eine der beliebtesten Freizeitregionen des Rheinlands. Wanderer schätzen die dichten Wälder und grandiosen Aussichten über die Ebene und das Rheintal und Radfahrer suchen die sportliche Herausforderung der steilen „Passstraßen“.
Wo genau die klassischen “Sieben” des Siebengebirges liegen, zeigt diese Karte:
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- Bewertungen: 6
30.04.2010 09:41
[...] This post was mentioned on Twitter by outdooractive. outdooractive said: Was es mit Alexander von #Humboldt und dem #Siebengebirge bei #Bonn auf sich hat, erfahrt Ihr unserem neuen Artikel: http://bit.ly/9P1z2C [...]