Die Romantische Straße wird 60!
Wie ansonsten wohl nur das Münchner Oktoberfest prägen sie im Ausland das Bild von Deutschland: Die vielen kleinen Orte an der Romantischen Straße zwischen Main und Alpenrand verkörpern mit ihren mittelalterlichen Stadtkernen den Stein gewordenen Traum der heimeligen deutschen Stadt voller Fachwerkhäuser und gemütlicher Wirtschaften, in denen zu Wurst und Sauerkraut reichlich Bier fließt. 2010 feiert die Romantische Straße ihr 60-jähriges Bestehen.
Museen, Blasmusik und Fachwerkhäuser
Warum sollte ein Brasilianer seinen Urlaub in Deutschland verbringen? Ganz sicher nicht wegen des guten Wetters oder der traumhaften Strände. Genauso wenig wegen der ursprünglichen Natur oder der exotischen Tierwelt unserer Heimat. Nein, die Gründe für einen Brasilianer, in seinem Urlaub nach Deutschland zu reisen, sind vor allem kultureller Natur. Er möchte moderne Museen und Monumente der jüngeren Weltgeschichte besuchen. Dafür fährt er nach Berlin, wo er vielleicht auch die im Ausland berühmte Clubbing-Szene der deutschen Hauptstadt ausprobieren wird. Er möchte Bier, Wurst und bayerische Blasmusik. Dafür fährt er nach München, wo er nebenbei auch noch einen Abstecher in einige schicke Modegeschäfte machen kann. Und er möchte natürlich auch die typische deutsche Kleinstadt sehen: Gemütlich und voller mittelalterlicher Gassen und Fachwerkhäuser. Dafür fährt er auf der Romantischen Straße von Würzburg bis nach Füssen und besichtigt unterwegs Städte wie Rothenburg ob der Tauber, Dinkelsbühl oder Schongau. Den krönenden Abschluss seiner Reise bildet der Besuch des Märchenschlosses Neuschwanstein vor herrlicher Alpenkulisse am südlichen Ende der Ferienstraße.
Exportschlager Romantische Straße
Bei der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) in São Paulo ist die Broschüre über die Romantische Straße das mit Abstand beliebteste Informationsmaterial bei potentiellen Deutschlandurlaubern. Wie populär die Straße ist, lässt sich auch daran erkennen, dass Brasilien seit einigen Jahren eine eigene Romantische Straße hat. Vorbild für die „Rota Romântica“, die im Bundesstaat Rio Grande do Sul durch von deutschen Einwanderern gegründete Städte wie Novo Hamburgo oder Gramado führt, war das deutsche Original, mit dem auch eine Partnerschaft besteht. Auch nach Japan und Südkorea konnte das Konzept der Romantischen Straße bereits „exportiert“ werden. Während die südkoreanische Straße erst 2009 gegründet wurde, besteht das japanische Pendant bereits seit 1982. Im Unterschied zu Brasilien geht es in den beiden asiatischen Ländern jedoch weniger um die deutsche Kultur, als vielmehr um die romantische und ursprüngliche Kulturlandschaft, durch die die Straßen hindurchführen. Nichtsdestotrotz prägt das deutsche Original das Deutschlandbild in Japan bis heute maßgeblich. Eine Umfrage ergab Mitte der 1990er Jahre, dass 93 Prozent der „reisefähigen“ Japaner die Ferienstraße durch Franken und Schwaben ein Begriff war. So ist es kein Wunder, dass die Straßenschilder, die den Verlauf der Romantischen Straße markieren, mittlerweile zweisprachig sind – deutsch und japanisch.
Wander- und Radelgenuss zwischen Main und Alpen
War die Straße bis in die 1980er Jahre vor allem für den individuellen Pkw-Tourismus konzipiert, so hat sie sich seit den frühen 1990ern längst auch zu einer beliebten Rad- und Fernwanderroute gewandelt. Auf ausgeschilderten Rad- und Wanderwegen kann man sich seither abseits des Kfz-Verkehrs durch idyllische Landschaften von einem romantischen Ort zum anderen bewegen. Wer in Würzburg startet, durchquert auf der Route im Folgenden die reizvollen Regionen Fränkisches Weinland, Taubertal, Frankenhöhe, Bayerisch-Schwaben, Starnberger Fünf-Seen-Land und Pfaffenwinkel bis er in Füssen im Allgäu das Ende der Straße erreicht hat. Anlässlich ihres 60. Geburtstages gibt es in diesem Jahr in vielen Orten zwischen Main und Alpenrand besondere Festivitäten und Veranstaltungen. Wanderer und Radfahrer, die beschließen im Wonnemonat Mai auf der Romantischen Straße zu reisen, erleben so vielleicht auch die offizielle Geburtstagsfeier der Straße am 8. Mai in Rothenburg ob der Tauber.
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