Der Natur auf der Spur – Die „Route Industrienatur“ im Ruhrgebiet

Im Landschaftspark Duisburg-Nord wird das Areal rund um die beiden früheren Hochöfen von der Natur zurückerobert. Foto: © Raimond Spekking / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0 & GDFL
Der Begriff „Industrienatur“ scheint im ersten Augenblick ein Widerspruch in sich selbst zu sein. Wo soll in einem Gebiet, in dem die Industrie lange Zeit das Landschaftsbild drastisch verändert und geprägt hat, Natur zu entdecken sein? Diese Frage wird man sich nicht zu Unrecht stellen. Doch es gibt sie wirklich! Mit rasanter Geschwindigkeit erobert die Natur heute Industriebrachen im Ruhrgebiet zurück. Dort, wo vor nicht allzu langer Zeit noch Zechen, Berghalden, Stahlwerke und Deponien die ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen völlig überformten und der Natur kaum Platz ließen, siedeln sich heute immer mehr Tiere und Pflanzen neu an. Unter ihnen sind auch viele seltene Arten, die gut an die schwierigen, teilweise lebensfeindlichen Bedingungen auf den stillgelegten Industrieflächen angepasst sind. Die schönsten dieser Flächen wurden in der „Route Industrienatur“ zusammengefasst. Auf ihr gibt es Geschichten und Ökosysteme der besonderen Art zu entdecken. Die „Route Industrienatur“ – ein Teil der „Route Industriekultur“

An den Stationen der Route Industrienatur erläutern Infotafeln Wissenswertes zu Natur und Geschichte des Standortes. Foto: Frank Vincentz/ GNU Lizenz V.1.2
Die „Route der Industriekultur“ entstand zwischen 1989 und 1999. Zielsetzung des Regionalverbandes Ruhrgebiet war es, die in der gesamten Region verteilten Relikte der Industrialisierung für die Tourismusförderung zu nutzen. Der ohnehin existierende „Maschinenfriedhof“ sollte in eine Art riesiges Freilichtmuseum verwandelt werden, das den Besuchern die Geschichte des Ruhrgebietes vor Augen führt. Bereits innerhalb kurzer Zeit stellte sich ein großer Erfolg des Projektes ein. In Anlehnung und als Teil der „Route Industriekultur“ entstand die „Route Industrienatur“, die den Besucher zu Plätzen führt, auf denen die Natur nach fast zweihundertjähriger Unterdrückung und Ausbeutung wieder das Kommando übernommen hat. Die grüne Seite des Ruhrgebietes entdecken

Auch die ehemalige Bergehalde Großes Holz in Bergkamen hat die Natur in den letzten Jahrzehnten zurückerobert. Foto: Reinhard Hunscher/ CC.Lizenz V.2.0
Auf insgesamt 21 Stationen lassen sich auf der „Route Industrienatur“ die grünen Inseln der Region entdecken. Vor Ort weisen Informationstafeln auf die jeweiligen Standorte und deren besondere Tier- und Pflanzenvorkommen hin. An einigen Stationen, an denen Industrieprozesse den Boden besonders nachhaltig verändert haben, machen spezielle Installationen auf dieses Thema aufmerksam. Neben bekannten Haltepunkten, wie dem Landschaftspark Duisburg-Nord oder der Zeche Zollverein, stehen auch eher unbekannte Orte, wie der Skulpturenpark Rheinelbe oder das Naturschutzgebiet Hallerey, auf dem Programm. Die Seen in Hallerey sind, wie die meisten anderen vom Menschen unfreiwillig angelegten Biotope, nicht natürlich, sondern durch Bergsenkungen entstanden. Zahlreiche Wasservögel haben sich hier niedergelassen. Eine weitere Station ist der Gleispark Frintrop, in dem es viele seltene Tierarten sowie Pflanzen mit farbenprächtiger Blütenfülle und skurrilen Wuchsformen zu bestaunen gibt.

Das Naturschutzgebiet Hallerey ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich Industrie und Natur verbinden können. Foto: leguan 001/ CC.Lizenz V.2.0
Entsprechend der Dynamik der Natur, die immer mehr Flächen in Besitz nimmt, baut der Regionalverband Ruhr die „Route Industrienatur“ stetig weiter aus. Viele der Standorte werden mittlerweile auch besonders gepflegt, um die dortige Industrienatur in ihrer Einzigartigkeit und Vielseitigkeit langfristig zu erhalten. Zudem dienen viele der neuartigen Parklandschaften heute als Naherholungsorte. Die „Route Industrienatur“ ist somit in jedem Fall einen Besuch wert und vermittelt wesentlich mehr besondere Naturerlebnisse, als ihr Name zunächst vermuten lässt.
Wir haben für Euch einige lohnende Wandervorschläge zusammengestellt, die zu sehenswerten Stationen der „Tour Industrienatur“ führen.
1. Zwischen Halde Rheinelbe und Mechtenberg
2. Industrienatur im Duisburger Norden
3. Beversee und Halde Großes Holz
4. Schloss Bodelschwingh, Zeche Westhausen und Kokerei Hansa
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