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Die Breitachklamm: Überirdisches am Rande des Unterirdischen

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Die obere Breitachklamm im Winter. Foto: Patrick KüpperSie gilt als eine der spektakulärsten Schluchten des ganzen Alpenraums. Fast 100 m ragen die steilen Felswände links und rechts der Breitach senkrecht nach oben und sorgen dafür, dass an viele Stellen des nur wenige Meter breiten Felskorridors niemals direktes Sonnnenlicht dringt. Ein Besuch der Breitachklamm bei Oberstdorf im Allgäu ist zu jeder Jahreszeit ein einzigartiges Erlebnis.

Blick ins Erdinnere

Blick von oben in die Breitachklamm. Foto: Patrick KüpperWer sich der Klamm von oben nähert, steht ganz plötzlich an einer Stelle, wo sich der Boden aufgetan zu haben scheint. Unglaublich tief ist der Spalt und es kommt einem vor, als könne man geradewegs ins Erdinnere schauen. Ganz weit unten sieht man ein schwaches Schimmern: Die Breitach. Sie ist der westlichste der drei Iller-Quellflüsse und entspringt im Kleinwalsertal. Die Klamm ist das Nadelöhr, durch das der Fluss das österreichische Hochtal verlässt und in die Allgäuer Illerebene gelangt. Gäbe es die Schlucht nicht, würde er wahrscheinlich südlich von Weidach/Tiefenbach in einem beachtlichen Wasserfall die Felsen hinabstürzen. So aber bahnt sich die Breitach wild brodelnd und gluckernd ihren Weg durch die engen Felswände.

Erosion durch Gletscherschmelze

Die Ursprünge der Klamm gehen auf die letzte Eiszeit zurück. Vor 20.000 Jahren wurde das heutige Kleinwalsertal von einem 700 m dicken Gletscher ausgefüllt. Schon damals floss das Schmelzwasser über die Ur-Breitach ins Illertal ab. Als die Mengen des abfließenden Wassers durch das wärmer werdende Klima größer wurden, schnitt sich die Breitach an der Talstufe zwischen Iller- und Kleinwalsertal tief ins weiche Gestein ein. Erleichtert wurde und wird der Erosionsprozess durch tektonische Bewegungen im Bereich der Stufe, die das Gestein bereits geschwächt hatten. Auch heute noch gräbt sich die Breitach immer tiefer ins Gestein hinein, aber natürlich bei weitem nicht mehr so schnell wie am Ende des Pleistozän.

Begehbar seit 1904

Nicht weit vom unteren Eingang der Breitachklamm gilt es einen Felstunnel zu passieren. Foto: Patrick KüpperBis Anfang des 20. Jahrhunderts war die Breitachklamm unter dem Namen Zwingschlucht bekannt und für Menschen nahezu unzugänglich. Erst 1904 wurde die 2,5 km lange Felsspalte auf Initiative des Tiefenbacher Pfarrers Johannes Schiebel begehbar gemacht. Über in den Fels gehauene Gänge und regelmäßig erneuerte Holzstege können Besucher seitdem an den tosenden Wassermassen entlang wandern. Dabei sollten insbesondere größere Menschen nicht allzu unbekümmert durch die Schlucht spazieren, wenn ihnen die Unversehrtheit ihres Schädels am Herzen liegt: Häufig sind die Felsgänge und Tunnel so niedrig und eng, dass ein aufrechter Gang nur kleineren Zeitgenossen möglich ist. Die ganzjährig geöffneten Eingänge zur Schlucht befinden sich an ihren beiden Enden. Den oberen Eingang erreicht man über die Walserschanze direkt an der deutsch-österreichischen Grenze, den unteren über den großen Besucherparkplatz südlich von Tiefenbach. Die Eintrittspreise betragen 3,- € für Erwachsene und 1,50 € für Kinder.

Winterliche Kristallpracht

Im Winter bilden sich über dem Weg Vorhänge aus Eis. Foto: Mareike GerzEin Spektakel der ganz besonderen Art wird dem Besucher der Breitachklamm im Winter geboten. Wenn die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen, entstehen in der schattigen Schlucht surreale Eisgebilde. Was im Sommer nicht so auffällt, wird dann offensichtlich: Das Gestein links und rechts der Breitach trieft vor Wasser, wie ein nasser Schwamm. Im Winter gefriert das tropfende Nass und kristallisiert an den Felswänden zu bizarren Eiszapfen in allen Größen und Formen. Teilweise bilden sich ganze Vorhänge aus Eiskristall und dort, wo sonst Bäche von oben in die Schlucht stürzen, ist nun die komplette Wand mit einer weißen Glasur überzogen. Noch märchenhafter und unwirklicher ist die Atmosphäre in der Breitachklamm nur, wenn die Eiskristalle nach Einbruch der Dunkelheit gelb im Schein eines Feuers erleuchten. Erleben kann man dies auf einer Fackelwanderung, die im Winter jeden Dienstag und Freitag ab 19 Uhr stattfinden.

Links zum Thema:

Breitachklamm

Geopark Allgäu

Geotope in Bayern

Weitere schöne Bilder der Breitachklamm gibt es hier:

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