Der Eistobel – Grand Canyon des westlichen Allgäu
Nicht weit von Oberstaufen im Oberallgäu entsteht aus drei Bächen die Obere Argen. In nördlicher Richtung durchfließt sie das Alpenvorland des westlichen Allgäu und bahnt sich ihren Weg zur Unteren Argen, mit der sie gemeinsam als Argen in den Bodensee mündet. Bis kurz vor die bayerisch-württembergische Grenze ist sie nichts weiter als ein kleines vor sich hin plätscherndes Flüsschen, doch südlich von Isny zeigt sie im Eistobel mit einem Mal die gewaltige schöpferische Kraft ihrer Wasser.
Wenn die Natur Regie führt
Schüttentobel heißt der Weiler, in dem das Spektakel seinen Ausgang nimmt. Ist man der Oberen Argen von ihrem Ursprung her bislang durch sanftes Hügelland gefolgt, beschreibt sie jetzt einen Knick nach Nordwesten und bricht dabei eine tiefe Schlucht in den weichen Untergrund. Bis zur Brücke zwischen Grünenbach und Maierhöfen, wo sie sich langsam wieder beruhigt, stürzt die Obere Argen im Eistobel über mehrere Geländestufen etwa 70 Höhenmeter hinunter. Dabei inszeniert sie ein Naturschauspiel von atemberaubender Schönheit. Ungezähmte Wasserfälle und wilde Strudellöcher wechseln sich ab mit ruhigeren Flussabschnitten, an denen breite Kiesstreifen im Sommer geradezu prädestiniert sind für ein romantisches Picknick inmitten der perfekten Naturidylle. Die Kulisse aus Steinblöcken von enormem Ausmaß und bis zu 130 m hohen Felswänden trägt ihr Übriges zur Atmosphäre bei.
Einschneidendes Schmelzwasser
Selbstverständlich steht diese einzigartige Landschaft unter Naturschutz. An beiden Hängen der Schlucht können sich so auf rund 70 Hektar Fläche seltene Tier- und Pflanzenarten ungestört entfalten. Entstanden ist der Eistobel gegen Ende der letzten Eiszeit, als sich südlich der Schlucht ein großer See aus alpinem Gletscherschmelzwasser bildete. Der Abfluss nach Norden befand sich dort, wo heute der Eistobel die Landschaft einschneidet. Der weiche Molasseuntergrund aus Sandstein und Ton konnte der Kraft des Wassers über die Jahrtausende hinweg nicht standhalten und erodierte stetig. So grub sich die Obere Argen im Laufe der Zeit immer tiefer in die Landschaft hinein – ein Prozess, der auch heute noch andauert.
Bildendes Wandern
Wie schön es im Eistobel ist, hat sich längst herumgesprochen. So ist die Schlucht mittlerweile eines der beliebtesten Ausflugsziele des westlichen Allgäu. Wer die Kunstwerke der Natur bewundern möchte, kann die gut gepflegten Wanderwege für 1,50 € (Erwachsene) bzw. 0,50 € (Kinder) nutzen. Für geologisch interessierte Wanderer wurden am Wegesrand viele Informationstafeln zur Entstehungsgeschichte der Klamm, zu den verschiedenen Gesteinsschichten, die hier zu Tage treten und vielen anderen Themen aufgestellt.
Eisige Fabelwelt
Seinen Namen trägt der Eistobel übrigens aufgrund der surrealen Eisgebilde, die sich im Winter an den Felsen links und rechts der Oberen Argen bilden. Riesige Eiszapfen hängen dann wie dicke weiße Vorhänge von Felsvorsprüngen herunter und geben der Schlucht das Aussehen einer bizarren Fabelwelt. Gerade deshalb ist auch im Winter eine Wanderung durch den Eistobel sehr spannend. Allerdings werden die Wege weder bestreut noch geräumt. Da sich auf dem spiegelglatten Untergrund immer wieder Unfälle ereignen, ist der Eistobel von November bis Mai offiziell sogar geschlossen. Wer sich die Pracht trotzdem nicht entgehen lassen möchte, sollte deshalb sehr trittsicher sein. Außerdem wird empfohlen neben warmer Kleidung auch unbedingt Steigeisen mitzunehmen.
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