Schluchten und Wasserfälle im Allgäu
Felsige Berge + niederschlagsreiches Klima = tief eingeschnittene Schluchten und tosende Wasserfälle. Dass diese Formel stimmt, stellt sich im Allgäu unter Beweis. Der südlichste Zipfel Deutschlands ist nicht nur für seine hohen Berge bekannt, sondern auch für seine ergiebigen und andauernden Regen- und Schneefälle. Und tatsächlich gibt es hier eine große Fülle an Wasserfällen und Schluchten.
Ludwigs Märchenschlucht
Eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des Allgäu ist das Schloss Neuschwanstein. In seiner unmittelbaren Nähe bahnt sich der kleine Gebirgsfluss Pöllat seinen Weg aus dem Gebirge hinaus in die Ebene südlich des Forggensees bei Füssen. Kurz bevor die Pöllat das Flachland erreicht, durchschneidet sie den nördlichen Alpenrand und bildet so die Pöllatschlucht. Auf knapp 900 m Länge fällt der Fluss um 150 m. Am eindrucksvollsten ist der südliche Anfang der Schlucht. Unterhalb der Marienbrücke, die das Tal in 90 m Höhe überspannt, stürzt das Wasser zwischen zwei fast senkrecht emporragenden Wänden eine 45 m tiefe Stufe hinunter. Den Wasserfall zu Füßen, bietet sich einem von der Brücke ein herrlicher Blick auf das weltberühmte Märchenschloss Ludwig II., das auf einem Felsen hoch über der Schlucht thront.
Türkisblaues Wasser
Nur wenige Kilometer von der Pöllatschlucht entfernt bahnt sich mit dem Lech ein deutlich größerer Fluss den Weg durch den Fels. Südlich der Füssener Altstadt stürzt der Fluss, kurz nachdem er die deutsch-österreichische Grenze überquert hat, den 12 m hohen Lechfall hinunter und durchschneidet anschließend mit der Lechschlucht den nördlichen Alpenrand. Auch wenn der Wasserfall Menschenwerk ist (er entstand im 18. Jahrhundert, als der Lech zur Nutzung der Wasserkraft aufgestaut wurde), beeindruckt er durch die großen Mengen Wasser, die hier hinunterstürzen. Die Klamm dagegen ist komplett natürlich und damit die einzige Schlucht in den bayerischen Alpen, durch die ein größerer Fluss vom Menschen ungehindert hindurchströmen kann. Dank der großen Tiefe, die das Flussbett hier erreicht, bekommt das ohnehin schon malerische türkisblaue Wasser des Lech an dieser Stelle einen fast unwirklich stechenden Farbton.
Als Wächter des Allgäu bekannt ist der Grünten bei Burgberg im Oberallgäu. An seiner Südflanke bahnt sich die Starzlach ihren Weg ins Illertal und durchfließt dabei die Starzlachklamm. Die tief eingeschnittene Schlucht ist nicht nur das Resultat von Erosion, sondern vor allem von tektonischen Bewegungen der Erdkruste. Im Gestein der meterhohen Schluchtwände finden sich unter anderem die Kalkschalen von Tieren, die vor 30 Millionen Jahren, als die Alpen begannen sich aufzufalten, im Meeresschlamm lebten. Während die Klamm, deren höchster Wasserfall 9 m misst, früher nur schwer zugänglich war, ist sie seit 1932 durch Holzstege, Felstreppen und kürzere Felstunnel auch für den Publikumsverkehr begehbar.
Felsspalt ohne Sonnenlicht
Nur wenige Meter groß ist der Abstand zwischen den Wänden der Breitachklamm. Vom Boden der Schlucht bis zu ihrer oberen Kante sind es dagegen an manchen Stellen fast 100 m. Senkrecht! Durchflossen von der Breitach, einem der drei Iller-Quellflüsse, ist sie eine der tiefsten Schluchten im ganzen Alpenraum und war bis Anfang des 20. Jahrhunderts nahezu unzugänglich. 1904 wurde die 2,5 km lange Felsspalte über in den Fels gehauene Gänge begehbar gemacht, auf denen man auch heute noch an den tosenden Wassermassen entlang wandern kann. Die Eingänge in die Schlucht, die sich an ihrem oberen Ende im Kleinwalsertal und an ihrem unteren Ende in Tiefenbach bei Oberstdorf befinden, sind im Normalfall das ganze Jahr lang geöffnet. Wer die extreme Kälte, die dann mangels Sonnenlicht in der Klamm herrscht, nicht fürchtet, dem sei ein Besuch im Winter empfohlen: Wenn der Frost das Wasser zu Eis erstarren lässt, entstehen an vielen Stellen unglaublich schöne, fast surreal anmutende Zapfengebilde am Fels.
Tobendes Wasser in weicher Molasse
Ebenfalls bekannt für die bizarren Eisformationen, die man hier im Winter bewundern kann, ist der Eistobel bei Isny im Westallgäu. Tobel klingt nach toben, und das beschreibt ziemlich genau, was die Obere Argen hier in der 3 km langen Schlucht tut. Über zahlreiche kleine und größere Wasserfälle und Strudel bahnt der Fluss sich seinen Weg nach unten. Während er an bis zu 130 m hohen Felshängen vorbeirauscht, verliert er knapp 70 Höhenmeter. Durch die Kraft des Wassers sind im Flussbett im Laufe der Zeit viele Becken und Strudellöcher entstanden. Anders als die Starzlachklamm und genauso wie die Breitachklamm ist der Eistobel das Resultat von Erosion. Im Laufe der Jahrtausende schliff die Obere Argen sich ihr Tal in das weiche Molassegestein der Allgäuer Voralpen und hinterließ die spektakulären Wände, die wir heute bestaunen können.
Wenn Nagelfluh auf Sandstein liegt
Über zwei Stufen ergießt sich der Rickenbach unweit von Scheidegg im Westallgäu und bildet so die Scheidegger Wasserfälle. Durch die geologische Beschaffenheit des Untergrunds in der Landschaft zwischen Bodensee und Alpenrand haben sich unterhalb der beiden 18 bzw. 22 m hohen Fälle zwei beeindruckende Becken gebildet. Die Stufen aus hartem Nagelfluhgestein liegen auf weichem Sandstein, der von der Kraft des Wassers ausgehöhlt wurde. Aufgrund dieser Konstellation befinden sich in der Umgebung noch einige andere eindrucksvolle Wasserfälle. Seit 2007 gibt es rund um die Scheidegger Wasserfälle den sehr schön gestalteten Park „Scheidegger Wasserwelt“.
Mehr über Schluchten und Wasserfälle im Allgäu findet Ihr hier:
Wo sich die Schluchten und Fälle befinden, könnt Ihr auf dieser Satellitenkarte von Google sehen:
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