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Auf dem Portugiesischen Jakobsweg nach Santiago de Compostela

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In der weiten, hügeligen Landschaft nördlich von Porto durchquert man viele kleine Dörfer. Foto: Patrick KüpperWährend in unseren Breiten die kalte Jahreszeit das Land fest im eisigen Griff hat und die meisten Menschen sich im Zweifel gegen eine Wanderung an der frischen Luft und stattdessen für die kuschelig-warme Stube entscheiden, herrschen im Südwesten Europas deutlich mildere Temperaturen. In Portugal erwarten einen derzeit Bedingungen, wie sie in den meisten Regionen Deutschlands erst im April wieder Einzug halten. So kann man auf dem Portugiesischen Jakobsweg auch im Winter die einzigartige Natur und Kultur Nordportugals und Galiciens entdecken, ohne dazu Daunenjacke und Handschuhe mitnehmen zu müssen.

Viele Wege führen nach Santiago

Vom Jakobsweg hat mittlerweile sicher so ziemlich jeder schon einmal gehört. Klar, das ist doch dieser Pilgerweg in Spanien, wo der Kerkeling unterwegs war, oder nicht? Das stimmt zwar, ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Denn der Jakobsweg, auf dem Hape Kerkeling unterwegs war, ist nur einer von vielen Jakobswegen. Dieser als Französischer Jakobsweg oder Camino Francés bekannte Weg ist zwar die berühmteste, aber deshalb noch lange nicht die schönste Route der Jakobswege. Auch andere Wege wie der Portugiesische Jakobsweg (Caminho Português) brauchen sich in dieser Hinsicht nicht zu verstecken. Und tatsächlich hat die Popularität anderer Strecken in den vergangenen Jahren zugenommen. Nicht zuletzt die spürbare „Überpilgerung“ des Camino Francés hat dazu geführt, dass immer mehr Pilger nach Alternativen Ausschau halten.

Lissabon oder Porto?

Die Altstadt Portos ist sehr sehenswert. Foto: Patrick KüpperJe nachdem, wie viel Zeit einem zur Verfügung steht, sind verschiedene Ausgangspunkte für den Caminho Português möglich. Wer die komplette Strecke von Lissabon bis Santiago de Compostela zurücklegen möchte, sollte drei bis vier Wochen einplanen. Kürzer ist die Strecke ab Porto, die problemlos in zehn bis zwölf Tagen zu meistern ist. Wer es nicht allzu eilig hat, kann sich für Porto auch ruhig etwas mehr Zeit nehmen. Denn auch wenn ein portugiesisches Sprichwort besagt, in Porto werde gearbeitet und in Lissabon gefeiert, ist die Stadt alles andere als eine graue Industriestadt. Vor allem die 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannte Altstadt mit ihren engen Gassen, die sich teils sehr steil bis hinunter zum Ufer des Douro erstrecken, ist sehr sehenswert.

Start an der Kathedrale von Porto

Alte Brücke über den Rio Ave. Foto: Patrick KüpperTraditioneller Ausgangspunkt der Pilgerreise ab Porto ist die Kathedrale () im Herzen der Altstadt. Der gelbe Pfeil, mit Farbe auf den Asphalt, auf Steine am Wegesrand oder auf Hauswände gemalt, ist das Symbol, das dem Pilger den Weg in Richtung Santiago weist. Wer den Pfeilen folgt, wird durch den Speckgürtel Portos geführt und erlebt dabei den fließenden Übergang von der dynamischen Großstadt in die friedliche Idylle der Provinz. Diese zeichnet sich nördlich von Porto vor allem durch sanft geschwungene Maisfelder, uralte Steinbrücken, träge Flüsse und kleine Dörfer mit barocken Kirchen aus. Rates, der erste von drei portugiesischen Orten mit offizieller Pilgerherberge, liegt 36 Kilometer von Porto entfernt – eine Distanz, die gerade auf der ersten Etappe vielen Pilgern die Bereitschaft und den Willen, sich selbst ein wenig zu quälen, abverlangt. Alternativ wählen deshalb viele eine private Unterkunft in einem der Dörfer zwischen Porto und Rates.

Über Hügel und Täler zur Grenze

Die Altstadt von Valença ist von einer mächtigen Festungsmauer umgeben. Foto: Patrick KüpperVon den insgesamt 240 Kilometern bis Santiago liegt gut die Hälfte auf portugiesischem Staatsgebiet. Je weiter man nach Norden gelangt, desto hügeliger und waldiger wird die Landschaft. Malerische Städtchen wie Barcelos oder Ponte de Lima, die sich in die Flusstäler des Rio Cávado und des Rio Lima schmiegen, lassen den Pilger jedoch nie vergessen, dass er sich in einer Jahrtausende alten Kulturlandschaft befindet. Die alte Festungsstadt Valença, deren Altstadt auch heute noch von gewaltigen Steinmauern umschlossen ist, thront als Zeichen alter Rivalitäten zwischen den Königen Portugals und Spaniens hoch über dem Rio Minho, der die Grenze zu Galicien markiert.

Pilgerandrang in Galicien

Blick von der Festungsmauer von Valença auf Tui. Foto: Patrick KüpperDass bewaffnete Auseinandersetzungen längst kein Thema mehr sind, beweist die Europabrücke, die die beiden Ufer des Flusses, der auf Spanisch „Miño“ geschrieben wird, miteinander verbindet. Auf der anderen Seite liegt mit Tui die erste Stadt auf spanischem Boden. Auffällig ist hier nicht nur der andersartige Baustil der Kirchen – die für Portugal typischen verputzten und weiß gestrichenen Barockkirchen werden in Galicien von rustikal und trutzig wirkenden unverputzten Granitbauten abgelöst – sondern vor allem die schlagartig um ein Vielfaches angewachsene Zahl der Pilger. Um im Pilgerbüro von Santiago Anspruch auf die Pilgerurkunde „Compostela“ anmelden zu können, müssen „nur“ die letzten 100 Kilometer zu Fuß zurückgelegt worden sein, weshalb viele Spanier ihre Pilgerreise erst in Tui beginnen. Hinzu kommt, dass das Netz an öffentlichen Herbergen, in denen man umsonst übernachten kann, in Spanien weitaus dichter ist als in Portugal. Während der Pilgerandrang im Sommer tatsächlich zu Kapazitätsengpässen in den Herbergen führen kann, sollte dies im Winter jedoch kein Problem darstellen.

Santiago oder der Weg – was ist das Ziel?

Unter der Kathedrale von Santiago de Compostela sollen die sterblichen Überreste des Apostels Jakobus des Älteren liegen. Foto: Patrick KüpperDie Landschaft verändert sich in Galicien spürbar. Offene Flächen sind seltener, dafür führt der Jakobsweg nun durch lange Abschnitte duftenden Eukalyptus-Regenwaldes. Nachdem man in Redondela die Ría de Vigo, eine fjordartige Bucht des Atlantischen Ozeans erreicht hat, folgt mit Pontevedra die neben Porto und Santiago größte Stadt auf dem Weg. Von Padrón schließlich, wo der Legende nach der enthauptete Leichnam des Apostels Jakobus des Älteren nach seiner Überführung aus Palästina an Land gebracht wurde, ist es nur noch eine Tagesetappe bis zum Ziel. Dabei ruft die Ankunft in Santiago de Compostela bei den Pilgern stets verschiedene Gefühle hervor: Während die einen sich darüber freuen, endlich die Strapazen des langen Fußwegs mit Blasen an den Füßen und anderen körperlichen Leiden hinter sich gebracht zu haben, bedauern die anderen, am nächsten Morgen nicht wieder aufstehen und weiterwandern zu können. Für sie ist der Weg das eigentliche Ziel und in Gedanken planen sie bereits ihre nächste Pilgerreise auf dem Jakobsweg.

Weitere schöne (Sommer-)Fotos vom Portugiesischen Jakobsweg:

Die Asociación Galega de Amigos do Camiño de Santiago bietet im Netz einen Wanderführer für den gesamten Caminho Português ab Lissabon in portugiesischer oder spanischer Sprache zum kostelosen Download an.

Die wichtigsten Stationen des Portugiesischen Jakobswegs zwischen Porto und Santiago de Compostela könnt Ihr auf dieser Satellitenkarte von Google sehen:

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