Indooractive den Hang hinab
Ohne Schnee lässt es sich nur sehr schwer Skifahren. In der Vergangenheit mussten Wintersportfreunde aus den nördlichen deutschen Bundesländern aufgrund dieser Tatsache oft eine weite Anreise auf sich nehmen, wenn sie ihrem Hobby frönen wollten. Für die Skigebiete des Alpenraums sind die „Flachlandtiroler“ aus Hamburg, Berlin, Köln oder Hannover traditionell extrem verlässliche Gäste. Doch seit einigen Jahren ist ihnen eine nicht unattraktive Konkurrenz gewachsen: Skihallen.
Die beiden ersten deutschen Skihallen entstanden 2001 nicht weit voneinander entfernt in Nordrhein-Westfalen. Während das Alpincenter in Bottrop mit 640 Metern Länge bis heute die längste Indoor-Skipiste der Welt bietet, rangiert die Jever-Skihalle in Neuss mit 300 Metern Länge im weltweiten Vergleich eher im Mittelfeld. Dafür verfügt sie neben sanften Hängen mit zehn bis 18 Prozent Gefälle über einen 28 Prozent steilen Oberhang, auf dem auch regelmäßig Nationalmannschaften Trainingseinheiten einlegen. Auch Freestyle-Fans kommen in Bottrop und Neuss auf ihre Kosten: In beiden Skihallen kann man in Funparks an zahlreichen Obstacles Sprünge und Tricks ausprobieren und verbessern.
Im mecklenburg-vorpommerschen Wittenburg befindet sich mit dem Alpincenter Hamburg-Wittenburg seit 2006 die jüngere Schwester der Bottroper Skihalle. Mit einem maximalen Gefälle von 31 Prozent gilt sie als steilste Indoor-Skipiste der Welt. Eine etwas kleinere Skihalle ist das Snowtropolis in Senftenberg. Die Abfahrt der Niederlausitzer Skihalle misst in der Länge 130 Meter und damit nur wenig mehr als die Piste des Snow Dome Bispingen in der Breite. Die Skihalle in Bispingen, einem kleinen Ort in der Lüneburger Heide, ist nach Angaben des Betreibers Europas modernste und mit bis zu 100 Metern Abstand zwischen den beiden Pistenrändern auch seine breiteste Skihalle. Für diejenigen, denen die reine Abfahrt zu langweilig ist, gibt es auch im Alpincenter Hamburg-Wittenberg, im Snowtropolis und im Snow Dome Bispingen Funparks mit herausfordernden Jumps, Kickern, Slidern oder Butterboxes.
Nicht für den alpinen, sondern den nordischen Skisport, wurde die DKB Skisport-Halle im thüringischen Oberhof gebaut. Zwar wurde sie in erster Linie für das Sommertraining von Leistungssportlern errichtet, jedoch ist der Skitunnel, dessen größte Steigung zwölf Prozent misst, seit September dieses Jahres auch für Freizeit-Langläufer geöffnet. In Zukunft werden hier bei schlechtem Wetter wohl auch internationale Wettbewerbe stattfinden können. Als Vorbild dienen dabei die Hallen in Bottrop, Neuss, Wittenburg und Bispingen, in denen schon seit Jahren alpine FIS-Events stattfinden.
Die Idee, in schneearmen Gebieten Skihallen zu errichten, begrenzt sich nicht allein auf Deutschland. Auch in vielen anderen europäischen Ländern gibt es mehrere Hallen – allein die Niederlande kommen auf sechs. Der weltweit exotischste Ort für eine Skihalle ist sicherlich Dubai. Hier kann man bei Außentemperaturen von bis zu 50°C mitten in der Wüste die Piste hinunterfahren. An diesem extremen Beispiel wird jedoch auch die Kehrseite der Skihallen am Besten deutlich: Der Energiebedarf, der notwendig ist, um das Innere der Gebäude auch bei hohen Außentemperaturen konstant unter 0°C zu halten, ist erheblich. Nicht wenige Klimaexperten kritisieren den enormen CO2-Ausstoß der Anlagen. Der künstliche Schnee in den Hallen könnte mittelfristig also auch mitverantwortlich für das Verschwinden des richtigen Schnees in den Alpen sein.
Weitere Fotos aus Neuss und Bottrop:
Wo sich die sechs deutschen Skihallen befinden, zeigt Euch die Satellitenkarte von Google:
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