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Die Bletterbachschlucht – eine Reise in die Erdgeschichte

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Steil ragen die Felswände links und rechts der engen Schlucht in den blauen Südtiroler Himmel. Foto: Silke Hertel

Die vor etwa 15.000 Jahren in der Eiszeit entstandene Bletterbachschlucht in Aldein südlich von Bozen gilt als der Grand Canyon Südtirols. Sie ist die größte und schönste Schlucht des Alto Adige und gewährt Einblicke in Jahrmillionen der Erdgeschichte. Im Jahr 2009 wurde sie in die Liste der UNESCO-Weltnaturerbe aufgenommen.

Steil ragen die gigantischen, eng aneinander gerückten Felswände links und rechts der Schlucht in den Himmel. Tiefgrüne Kiefern und bizarr geformte Lärchen klammern sich in den schmalen Ritzen und Spalten der Schluchtwände fest. Die Farbpalette des verwitterten Gesteins reicht von grau über weiß und orange bis hin zu einem leuchtenden Rot. Der Klammbach bahnt sich in schäumenden Kaskaden seinen Weg in Richtung Tal und die in die Schlucht einfallenden Sonnenstrahlen bringen die feuchtigkeitsbeladene Luft zum Glitzern.

20 Millionen Jahre Erdgeschichte auf einen Blick

Die Bletterbachschlucht schneidet sich in die Westflanke des Eggentaler Weißhorns. Der auffallend weiße Gipfel des Weißhorns besteht aus Sarldolomit. Foto: Silke Hertel

Die acht Kilometer lange Bletterbachschlucht ist weit über die Grenzen Italiens hinaus bekannt. Innerhalb von zigtausenden Jahren hat sich der Bletterbach 400 Meter tief in den Untergrund gefressen und ein imposantes Tal geschaffen, das sich in die Westflanke des zu den Dolomiten gehörenden Eggentaler Weißhorns einschneidet. Dabei wurden in der Eiszeit zehn Millionen Tonnen Felsmaterial abgetragen und ins Etschtal verfrachtet. Die dadurch freigelegten, 200-300 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten aus der Übergangszeit vom Erdaltertum in das Erdmittelalter machen die Schlucht heute zu einem weltbekannten geologischen Aufschluss und Fossilfundpunkt. Fein übereinander gestapelt erzählen die unterschiedlich gefärbten Gesteinslagen vom Wechsel der Klima- und Lebensbedingungen auf der Erde – 20 Millionen Jahre auf einen Blick.

Vulkanschlote, Saurierspuren und ein tropisches Meer

Die unterschiedlich gefärbten Gesteinsschichten lassen Rückschlüsse auf die Klimaentwicklung im Laufe der Erdgeschichte zu. Foto: Silke Hertel

Die Geschichte der Dolomiten beginnt vor rund 250 Millionen Jahren, als im heutigen Südtirol noch Vulkane Lava spuckten. In dieser Zeit entstand der erosionsbeständige vulkanische Quarzporphyr, der die steilen Geländestufen im Talgrund der Schlucht bildet. Der Wasserfall im hinteren Teil des Canyons fällt an einem ehemaligen Vulkanschlot hinab. Das trockene und heiße Klima im ausgehenden Erdaltertum führte zur Verwitterung des Porphyrs und zur Entstehung mächtiger Sandsteine, in denen heute immer wieder Saurierspuren gefunden werden. Auf eine lange Zeitspanne, in der starke Vulkantätigkeit und weite Wüsten das Landschaftsbild prägten, folgten Jahrmillionen, in denen ein tropisches Meer die Oberhand gewann. Gesteinsschichten mit versteinerten Wasserschnecken, Muscheln und Korallen dokumentieren eindrucksvoll die Zeit, als Südtirol von einem seichten tropischen Meer mit Lagunen bedeckt war. Die aus Sarldolomit bestehenden, blendendweißen Gipfel des Weißhorns entstanden in einem solchen Meer durch die kalkbindende Tätigkeit von Kalkalgen.

Geopark Bletterbachschlucht

Seit dem Jahr 2003 können auch geologisch unkundige Besucher die in Stein geschriebenen Geheimnisse der Bletterbachschlucht entdecken. Auf einem etwa vier Kilometer langen Rundweg informieren 20 Tafeln über den Gesteinsaufbau und das erdgeschichtliche Geschehen. Außerdem erläutert das Infozentrum Bletterbach, das auch fossile Funde aus der Schlucht beherbergt, die Vorgänge, die zur Entstehung der Gesteine geführt haben.

Wer den Weg durch die Schlucht erwandern will, findet hier genauere Informationen zum Streckenverlauf:
Auf den Spuren der Erdgeschichte in der Bletterbachschlucht

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