Hurtigruten – Eine Reise entlang Norwegens Küste
Das Landschaftsbild ist fast noch lieblich zu nennen, als wir in Bergen die Seefahrt beginnen. Je weiter wir durch die Fjorde hindurch nach Norden kommen, umso karger und unwirtlicher wird die Umgebung. Die Berge werden höher, die Felsen schroffer, die Pflanzen spärlicher. Bald schon befinden wir uns in der arktischen Klimazone, die Gegend gleicht einer Mondlandschaft. Gäbe es den Golfstrom nicht, könnten wir es hier draußen kaum aushalten.
Aber zum Glück versorgt er die gesamte Küste Norwegens mit einem stetigen Wärmezufluss, so dass Menschen, Tiere und Pflanzen hier auch im Winter eisfrei leben können. Wir stehen an der Reling, der Wind zerrt an der Kleidung und wir nehmen Kurs auf Kirkenes, Ziel- und Wendepunkt der klassischen Hurtigrute. Die Natureindrücke sind sagenhaft. Wer Norwegen nicht zu Fuß erkunden möchte oder sich die quälend langen Autofahrten im Landesinneren ersparen will, besteigt am besten ein Schiff und fährt in zehn Tagen die norwegische Küste rauf und runter. Wir haben das getan.
Zugegeben: Ein Outdoor-Urlaub ist das nicht im klassischen Sinne. Allerdings passieren wir auf unserer „langsamen Reise“ so viele Orte, Landschaften, Gebirgszüge, Gletscher und Inseln, dass die Gedanken schon wieder weiterschweifen und sich im Kopf schon neue Reiseziele, Abenteuer und Tourenmöglichkeiten formieren – Norwegen wartet.
Ein Streifzug durch die Outdoor-Landschaften Norwegens
100 km östlich von Bergen liegt Voss, eine berühmte Wintersportgegend. Weiter nordwestlich befindet sich die Provinz Telemark. Schon von den Straßen aus sehen wir schneebedeckte Gipfel, die zum Greifen nah erscheinen.
Der 16 km lange Geirangerfjord ist ein Höhepunkt norwegischer Landschaftsmajestät. Im Hintergrund türmen sich Gebirge auf, direkt neben uns, fast greifbar, schrauben sich dunkle Felswände senkrecht in die Höhe.
Nach dem Überqueren des Polarkreises erreichen wir das Gebiet des Svartisen-Gletschers, dessen Eisfeld hellblau-weiß in der Ferne schimmert. Wir passieren die aus Fels und Eis bestehende Inselgruppe der Lofoten, deren schartige Gipfel sich zu einer bizarren Silhouette aneinanderreihen. Wir fahren in den Raftsund ein, eine der engsten Wasserstraßen der Welt.
Der 90 km lange Gebirgszug der bis 1800 m hoch aufragenden Lyngen-Alpen ist vor allem erfahrenen Bergsteigern und Extrem-Skifahrern ein Begriff – hier ist Skifahren schon ab der Höhe des Meeresspiegels möglich.
Beim Nordkap erreichen wir mit 71° 10′ 21″ nördlicher Breite den nördlichsten Punkt auf dieser Reise. Die westlich benachbarte Landzunge Knivskjellodden stößt noch 1380 m weiter in Richtung Nordpol vor. Diese kann man bei einer sechsstündigen Wanderung erreichen, die am Parkplatz auf der Strecke zwischen Honningsvag und dem Nordkap beginnt.
Der Ort Molde liegt direkt am Romsdalsfjord und wird auch “Stadt der Rosen” genannt – dem Golfstrom sei Dank. Vom Hausberg Varden sehen wir über 200 Gipfel der mächtigen Romsdals-Alpen, die eine fast unwirkliche Faszination ausüben: oben schneebedeckte, hohe Berggipfel, unten glitzert das Wasser der Fjorde, die sich tief ins Landesinnere ziehen.
Man könnte ewig so weiterschwärmen und träumen von all den Orten, die man auf einer Hurtigruten-Reise zwar „nur“ streift, die aber aufgenommen und verwahrt werden als ganz besondere Fleckchen Erde, zu denen man eines Tages vielleicht sogar zurückkehrt.
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