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Im Allgäu wird zuviel gemurmelt

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Alpenmurmeltier. Foto: Armin Kübelbeck (Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0)

Ein drolliger kleiner Nager, der in seinem flauschigen Pelzkostüm über die Hochwiesen der Alpen hoppelt: So kennen und lieben wir das Murmeltier. Besonders Touristen freuen sich regelmäßig, wenn sie der possierlichen Tierchen ansichtig werden. Doch für die Allgäuer Bergbauern haben sie sich in letzter Zeit zu einer echten Plage entwickelt.

Da es in seinem Lebensraum kaum natürliche Unterschlüpfe wie Baumkronen oder Büsche gibt, muss das Murmeltier sich seine Behausung selbst bauen. Dies geschieht in Form von bis zu einen Meter tiefen Erdlöchern, in denen sie sich vor Angreifern verstecken und ihre Jungen groß ziehen. So kommt es, dass viele Bergwiesen in den Alpen unterirdisch einem Schweizer Käse ähneln.

Gefahren für Vieh und Hütten

Für das Vieh der alpinen Bergbauern bergen diese Löcher jedoch eine letztlich tödliche Gefahr. In einigen Tälern des Allgäus liegt die Dichte der Murmeltierbehausungen in der Nähe vieler Alpen bei ungefähr einem Loch pro fünf Quadratmeter. Unachtsame Rinder können mit den Beinen in eines der Löcher geraten und erleiden so im schlimmsten Fall nur schwer verheilende Beinbrüche. In der Folge muss das verletzte Tier mit dem Helikopter ins Tal gebracht werden, wo das Schicksal ihm keine andere Alternative zur Schlachtung bereithält.
Eine Gefahr bergen die Aktivitäten der Murmeltiere auch für Alpenhütten neuerer Bauart. Auf der Suche nach Schutz vor der extremen Kälte des alpinen Winters dringen die Tiere zu dieser Jahreszeit häufig in die Gebäude ein oder untergraben sie teilweise. Während die eher luftig gebauten älteren Hütten kaum beschädigt werden, zerstören die geselligen Bergnager bei neueren Hütten die Isolierung und vermachen den Besitzern nach Ende der kalten Jahreszeit die übel riechenden Hinterlassenschaften eines ganzen Winters.

Die Angst der Nager vor dem Adler

Der Adler ist der größte Feind des Murmeltiers. Foto: Pharaoh Hound (Creative Commons Namensnennung 2.0 Lizenz)Eigentlich sind Probleme dieser Art nichts Neues im Allgäu. Aber seit sich in den vergangenen Jahren die Bestände der Adler in den Allgäuer Alpen deutlich erholt haben, scheinen die Murmeltiere aus Angst davor als Mahlzeit für Jungadler in einem Adlerhorst zu enden, vermehrt die schützende Nähe von Rindern und Menschen rund um die Alphütten zu suchen. Viele Bergbauern ärgern sich deshalb über die massiver werdenden Probleme und fordern eine Aufhebung des Abschussverbots für Murmeltiere. Während die Tiere auf österreichischem Grund und Boden in Hüttennähe gejagt werden dürfen, besteht in Deutschland eine ganzjährige Schonzeit für die Pelzträger.

Keine Abschusserlaubnis in Deutschland

Eine Änderung dieses Status zeichnet sich für die nähere Zukunft nicht ab. Das Naturschutzreferat des Landratsamtes Oberallgäu weiß nur von Klagen einzelner Älpler und kann bislang nicht erkennen, dass die Schäden durch Murmeltiere die Grenze zur Unzumutbarkeit überschreiten würden. Denn nur in diesem Fall wäre eine Abschusserlaubnis gerechtfertigt. Stattdessen sollten die Bergbauern auf andere Vertreibungsmaßnahmen zurückgreifen, etwa indem sie diesel- oder parfumgetränkte Lappen in die Behausungen der Nager einführen. Was des Einen Leid ist des Anderen Freud: Solange der Menschenandrang nicht zu groß ist, zeigen sich die Tiere auch gerne Wanderern und Bergsteigern.

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