Indoorklettern – mehr als ein Trend
Hallenklettern ist längst keine Trendsportart mehr, sondern hat sich in den letzten Jahren immer mehr zum Breitensport entwickelt. Die aktuellen Zahlen bestätigen dieses Phänomen eindrucksvoll: waren Kletterhallen vor nicht allzu langer Zeit in Deutschland noch wenig verbreitet, so gibt es inzwischen rund 340 Anlagen. Die Mehrzahl der Hallen, nämlich ungefähr ein Drittel, befindet sich in Bayern.
Seit den ersten umgebauten Industrieanlagen für Kletterer in den 1970er Jahren hat sich im Bereich des Hallenkletterns vieles verändert und weiterentwickelt. Sportklettern war damals noch eine Outdoor-Sportart und die künstlichen Kletteranlagen dienten im Winter oder bei schlechtem Wetter als Trainingsersatz für richtige Felsen. Inzwischen hat sich das Hallenklettern jedoch zu einer eigenständigen Disziplin entwickelt. Tagtäglich ziehen sich tausende Sportler im deutschsprachigen Raum die Finger an Kunstgriffen lang und lösen „indoor“ knifflige Bewegungsaufgaben. Immer mehr Hallennutzer erlernen das Klettern bereits in der Halle und besitzen keinen Bezug mehr zum eigentlichen Gelände, dem Felsen. Die enorme Zunahme künstlicher Anlagen in den 1990er Jahren führte dazu, dass sich auch im flachen Norden Deutschlands der Klettervirus rasch ausbreitete, da immer mehr Menschen mit diesem Sport in Kontakt kamen.
Klettern an künstlichen Griffen und in überhängenden Dächern
In einigen Dingen unterscheidet sich Indoorklettern vom Klettern an echten, gewachsenen Felsen. Hier muss man nicht nach dem richtigen Routenverlauf suchen. Dieser ist durch die Farbe der aufgeschraubten Griffe eindeutig vorgegeben. Form, Größe und Anordnung der künstlichen Haltepunkte bestimmen den Schwierigkeitsgrad einer Route mit. Und anders als in so manchem Klettergarten im Freien beträgt der Abstand der Zwischensicherungen nie mehr als ein bis eineinhalb Meter. Die meisten Hallen sind zwischen fünf bis 20 m hoch und ihre Wände in unterschiedlichen Winkeln aufgestellt, so dass zwischen geneigten, senkrechten und überhängenden Routen gewählt werden kann. Jede Anlage hat ihren eigenen Charakter. Manche wirken eher verwinkelt wie eine Höhle, andere Hallen sind hell, offen und großzügig. Drei der größten Kletterhallen Europas sind das „Magic Mountain Center“ in Berlin, das „Gaswerk“ in Schlieren bei Zürich und das “K1″ im österreichischen Dornbirn.
Training „indoor“ während es draußen schneit
Egal ob es draußen stürmt, regnet oder schneit, „indoor“ herrschen immer optimale Trainingsbedingungen. Ungeachtet von Wetter und Tageszeit kann man sich hier nach der Arbeit mit Gleichgesinnten treffen und sich so richtig auspowern. Künstliche Anlagen sind für viele Kletterer außerdem oft deutlich schneller erreichbar als natürliche Klettergebiete und stellen einen willkommenen Ausgleich zu Alltag und Beruf dar. Immer mehr Sportler entdecken das Hallenklettern auch als Alternative zum Fitnessstudio. Klettern macht einfach mehr Spaß als eintöniges Hantelstemmen und trainiert nebenbei auch noch alle wichtigen Muskelgruppen. Außerdem steigert es sowohl die Koordination als auch das Gleichgewichtsgefühl.
Immer größer, immer aufwändiger – die Kletterhallen der Zukunft
Der seit Jahren ungebrochene Zulauf in künstliche Kletteranlagen sorgt dafür, dass in einigen Ballungsräumen sogar mehrere große Kletterzentren erfolgreich nebeneinander bestehen können. Vor allem in den Städten geht die Tendenz immer mehr hin zu großen Hallen mit mehr als 2000 Quadratmetern Kletterfläche und einem attraktiven Rundumangebot, das den gestiegenen Ansprüchen der Nutzer gerecht wird. Der „Wohlfühlcharakter“ gewinnt bei der Gestaltung der neuen Anlagen einen zunehmend höheren Stellenwert. Die Hallen der Zukunft sollen Erlebnisräume sein, die die „Berge in die Stadt“ holen. Dementsprechend orientieren sich neue Kletterwände in ihrem Aussehen immer stärker an natürlichen Felsen. Insgesamt steigt der Anspruch an die Architektur der Anlagen. Durch den zunehmenden Erlebniswert der Bauwerke wird sich Indoorklettern sicherlich weiterhin steigender Beliebtheit erfreuen.
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