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Straußen, Besen, Buschen und Heurigen – Treffs beim Winzer

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Der Eingang zu einer gemütlichen Straußwirtschaft im Innenhof eines Winzerguts. Quelle: Kathinka WenzRotgoldene Blätter färben die Weinberge bunt und saftige Trauben warten darauf, vom Winzer zu einem guten Tropfen verarbeitet zu werden. Mit der Weinlese beginnt auch wieder die Zeit der Straußwirtschaften, in denen zu einem guten Glas Wein auch selbst gemachte, regionale Köstlichkeiten serviert werden.
Im Rahmen unserer Themenwoche haben wir Euch schon vorgestellt, wo die
besten Trauben wachsen und sich die schönsten Touren im Auf und Ab der Weinberge befinden. Nun fehlt aber noch eine Kleinigkeit: Genau – die richtige Einkehrmöglichkeit. Und wo kann man schöner ein gutes Glas Wein genießen als direkt im Weingut? Dort findet ihr die so genannten Strauß-, Hecken- oder Besenwirtschaften. Das sind saisonal geöffnete Gastbetriebe, in denen die Winzer ihre eigenen Erzeugnisse verkaufen.

So unterschiedlich wie die Regionen, in denen verschiedene Traubensorten gedeihen, sind auch die Begriffe, die für diese gemütlichen Einkehrmöglichkeiten verwendet werden.
Die „Straußwirtschaft“ wird vor allem an der Ahr, in Baden, im Rheingau, in Rheinhessen, in der Saale-Unstrut-Region, in Sachsen, in der Pfalz, an der Mosel, der Saar, der Ruwer und an der Nahe besucht. Der Name leitet sich von der Tradition der Wirte ab, früher einen Strauß mit bunten  Bändern an den Eingang zu hängen. So konnte jeder gleich sehen, dass die Gaststätte geöffnet war.
In Württemberg dagegen nennen sich derartige Einrichtungen „Besen“ oder, auf schwäbisch, „Besa“. Anstatt eines Straußes hingen hier Reisigbesen an der Tür. Häufig übrigens in Kombination mit einer meist roten Glühlampe. Besen sind vor allem in den Großräumen Stuttgart und Heilbronn verbreitet. In der Bodenseeregion hingegen ist eher der Name „Rädle“ oder „Rädlewirtschaft“ geläufig. Besen mit Mostausschank heißen im Schwäbischen übrigens „Mostbesen“.
Im Weingut Thurnhof herrscht eine gemütliche Atmosphäre im Weinkeller. Quelle: Stefan SchmatzIn Franken sagt man zu derartigen Gaststätten „Häckerwirtschaft“ (von Häcker = fränkisch für Winzer) oder Heckenwirtschaft.
Bei unseren österreichischen Nachbar gibt es im „Heurigen“ oder im „Buschenschank“, kenntlich durch einen grünen “Buschen” in Wien oder einem geflochtenen Strohkranz in Niederösterreich, die Winzer-Erzeugnisse.

Historisches
Der charakteristische Kranz, der kenntlich macht, dass die Straußenwirtschaft geöffnet ist, hat seinen Entstehung in dem Erlaß von 812 von Karl dem Großen. In diesem wurde angeblich den Winzern der Betrieb von “Kranzwirtschaften” erlaubt, die durch einen ausgehängten Kranz aus Reben oder Efeu kenntlich gemacht wurden. Dabei handelt es sich um “Büglinge”, die Triebe einer Rebe, die wenn sie lang genug sind, nach unten gebogen und am Stamm festgebunden werden.
Beim „Buschenschank“ oder „Heurigen“ wird eine Stange mit einem Föhrenbusch oder einem Reisigbesen an den Eingang gesteckt. Damit gilt: “Ausg’steckt is”. In früheren Zeiten wurde so dem Steuereintreiber die Steuerpflicht kundgetan. Der “Buschenschank” und das “Ausg’steckt is” gehen auf eine Verordnung Kaiserin Maria Theresias zurück.

Räumlichkeiten

Dort, wo der Wein hergestellt wird, wird er auch ausgeschenkt. Meistens stellen die Wirte Tische und Stühle in ihren Innenhof, den Weinkeller oder einen benachbarten Raum. Dieser darf allerdings nicht mehr als 40 Sitzplätze enthalten. Wie viele Personen aber noch stehend Platz finden, ist nicht geregelt. Die Bandbreite der Innenausstattung reicht von  gaststättenartigen Räumlichkeiten zu improvisierten Sitzgelegenheiten. In früheren Jahrzehnten sollen die Winzer auch schon mal ihre Wohnung oder den Viehstall ausgeräumt haben, um mit ihren Gästen gemütliche Abende abzuhalten.

Kulinarisches
Zu den guten Tropfen werden deftige Spezialitäten wie die Hauerjause gereicht. Quelle: Stephan KoesslerEine Straußwirtschaft ist kein Sterne-Restaurant und dementsprechend stehen meist einfache, deftige Gerichte auf der Speisekarte.
Dabei gibt es natürlich auch regionale Unterschiede. Oft stehen Schlacht-, Käse- und Wurstplatten, hausgemachter Kartoffelsalat mit Würstchen, Sülze oder Fleischkäs mit Bratkartoffeln und Winzervesper auf der Karte. Wer es gerne richtig deftig mag, der kann eine Schlachtplatte mit Blut-, Leberwurst und Sauerkraut genießen.
In Rheinhessen und im Rheingau kommt der „Spundekäs“ auf den Tisch. Die Mischung aus Frischkäse und Sahnequark reichern die Wirte meist mit Kräutern und Gewürzen an, in die Cracker oder kleine Salzbrezen gedippt werden. In dieser Region ist auch „Weck, Worscht un Woi“ eine gebräuchliche Mahlzeit. Vor allem während der Weinlese ist diese Kombination aus einem hellen Brötchen, Fleischwurst und Weiswein das typische Essen. Die Weinlesehelfer benötigen kein Besteck zum Essen und werden satt. In der Pfalz darf der „Saumagen“ auf keiner Karte fehlen. In Württemberg kommen oft Maultaschen mit Kartoffelsalat, Wurstsalat und Bratwurst mit Kraut auf den Tisch. Vor allem im Herbst ist der Zwiebelkuchen sehr beliebt. Der Flammkuchen, eine elsässische Spezialität, ist mittlerweile in ganz Deutschland beliebt. Blaue Zipfel, angemachter Camenbert und Kuhkäs hingegen lassen sich die Franken zu ihrem Viertele schmecken.
Diese deftigen Leckereien, die sich in den Straußwirtschaften auf der Speisekarte finden, machen nicht nur satt, sondern helfen auch, noch ein weiteres Glas Wein zu vertragen.

Links zu Straußwirtschaften

In St. Martin in der Pfalz treffen sich Jung und Alt in der Straußwirtschaft von Mechthild und Fritz. Quelle: Rainer MuchaStraußwirtschaften sind nur vier Monate im Jahr geöffnet. Deshalb solltet Ihr Euch vorher informieren, wenn Ihr nach einer ausgiebigen Tour durch die Weinberge einkehren wollt. Hier findet Ihr einige Links, die Euch alles Wissenswerte über Straußwirtschaften und deren Öffnungszeiten verraten:

http://www.besentermine.de/
http://www.frohe-einkehr.de/
http://www.straussen.info/
http://www.besenheftle.de/
http://www.deutscherwein.de/

http://www.franken-weinland.de/
http://www.rheinhessen-service.de/
http://www.kaiserstuhl.eu
http://www.heurigenkalender.at/
http://www.einkaufenaufdembauernhof.at/
http://www.rebenland.com/

Viel Spaß beim Wandern und Genießen in der rotgoldenen Weinberg-Pracht!

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Kommentare

  1. Haschke
    07.06.2010 09:15

    Ab sofort können sich Most-Ausschankbetriebe im http://www.mostfuehrer.de kostenlos bis Oktober eintragen!

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