1100 Höhenmeter in 8 Minuten: Bergbahn sei Dank
Heute ist die Bergbahn als „Verkehrsmittel“ in den Alpen gang und gäbe, zu Tausenden transportieren größere oder kleinere Kabinen Wanderer, Wintersportler oder Ausflügler auf die höchsten Gipfel. Doch allzu lang ist es noch nicht her, da war eine solche Schwebefahrt ein außergewöhnliches Erlebnis, das mit nichts zu vergleichen war. Wir stellen Euch drei Bergbahnen in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland vor, die eine besondere Stellung in der Geschichte der Bergbahnen einnehmen.
Emotionaler Medien-Event auf dem Säntis
Entsetztes Kreischen und erstauntes Rufen war von den verblüfften Passagieren zu hören, die am 1. Juli 1935 die erste Gondelfahrt auf den Säntis (2501 m, Alpstein-Massiv/Appenzeller Alpen, Schweiz) miterleben durften. Nach zwei Jahren Bauzeit konnte die Luftseilbahn eröffnet werden, die in zwei Kabinen je 35 Passiere von der Schwägalp auf den Säntisgipfel befördert.
Hören wir die Radioreportage des legendären Schweizer Reporters Arthur Welti, können wir live miterleben, wie die Passagiere das Auf und Ab an den Masten und die schwindelerregenden Bewegungen erlebten, unter sich den Abgrund wissend. Wir heute können eine solche Begeisterung bei einer Gondelfahrt kaum noch nachvollziehen, sie ist ein Transportmittel geworden wie viele andere auch. Die Luftseilbahn Schwägalp-Säntis gehört sogar zu den bestfrequentierten Bergbahnen der Schweiz überhaupt.
Umso eindringlicher wirkt der Live-Kommentar auf uns, der noch bis 2012 in einer Ausstellung des Österreichischen Alpenvereins in Innsbruck zu hören ist. Ein Besuch lohnt sich unbedingt!
Die Hochfellnbahn im Chiemgau
1971 wurde die Bergener Hochfelln-Seilbahn (Ortsinfo Bergen) auf dem 1671 m hohen Hochfelln fertiggestellt. Ganz nah mit dabei waren bei der Eröffnung die Wirtsleute des Hochfellnhauses, das schon seit 1890 besteht. Es liegt direkt am Gipfel und ist damit das höchstgelegene Gasthaus im Chiemgau (zum Reiseführer). Zu dessen Errichtung wurde der Transport der Baumaterialien noch mit der Hilfe von Pferden und Mulis bewerkstelligt, sogar Träger wurden angeheuert, um sperriges Gut bis zum Kalkgestein-Gipfel zu befördern. Von Seilbahnen, die die Arbeit erleichtern konnten, also keine Spur.
Umso stärker hat sich das Leben auf dem Hochfellnhaus verändert, seit es die Hochfellnbahn gibt. Seit 1921 befindet es sich im Besitz der Familie Maier, die die vielen Gäste rundum versorgt. Natürlich ist jetzt sehr viel mehr zu tun, wo zahlreiche Besucher sich für den Aufstieg per Bahn entscheiden. Heute gilt der Hochfelln als DER Charakterberg des Chiemgaus und ist Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen – ob zu Fuß oder mit der Seilbahn. Da er den Chiemgauer Alpen weit vorgelagert ist, hat man nach einer Wanderung von seiner Aussichtskanzel einen besonders umfassenden Blick auf das Alpenvorland, den Chiemsee und die Alpenkette weiter im Süden.
Die erste Seilbahn Österreichs auf die Rax
Hört man „Österreich“ und „Seilbahn“, denkt man vor allem an die richtig hohen Berge im Westen des Landes. Doch weit gefehlt: Die Raxseilbahn wurde 1925 als erste Seilbahn in Österreich überhaupt erbaut und befindet sich in Niederösterreich. Sie führt von Hirschwang auf die Rax (1547 m). Der Weg zu der auf 2007 m hochgelegenen Raxalpe ist auch eine beliebte Wanderung. Von hier können wir sogar bis nach Ungarn schauen. Nachdem sie ein Jahr lang als Materialseilbahn genutzt wurde, konnten ab Juni 1926 auch Personen befördert werden. Darüber freute sich vor allem die Wiener Bevölkerung, die das Gemeindegebiet Reichenau als Sommerfrische schätzte.
Schon um die Jahrhundertwende war die Rax ein beliebtes Ausflugsziel, auch wenn der Aufstieg meist noch zu Fuß erfolgte. Nach der Inbetriebnahme der Bahn strömten die Besucher dann noch zahlreicher in das Erholungsgebiet. Die Aufstiegshilfe war eine Attraktion und das Wandergebiet auf dem Raxplateau konnte nun mühelos erreicht werden. Bis auf kurze Revisionsunterbrechungen ist die Raxseilbahn ganzjährig in Betrieb. Seit 2002 fährt sie mit neuen Kabinen und ist auf dem letzten Stand der Technik. Auf der Homepage der Rax-Seilbahn könnt Ihr Euch unter dem Reiter „Geschichte“ einen historischen Film aus dem Jahre 1940 anschauen.
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