Der sagenhafte Säuling (Ammergauer Alpen)
Mächtig erhebt sich der Säuling (2047 m) über dem bayerischen Voralpenland. Aus dem Norden kommend, erkennen wir das Wahrzeichen der Region zwischen Füssen und Pfronten (Ostallgäu) schon von weitem: Die Silhouette steigt steil empor und setzt sich markant von dem davor liegenden Hügelland ab. Ganz isoliert steht der Säuling da und ist einer der schönsten Aussichtsberge der Gegend.
Der Name „Säuling“ leitet sich von dem althochdeutschen Wort „sul, siule“ ab, was in etwa „Säule“ bedeutet. Seine Form gleicht jedoch auch einer Pyramide. Diese Charakteristika führten dazu, dass die Menschen in seiner Umgebung etwas wahrhaft Mythisches und Geheimnisvolles in ihm zu sehen glaubten. So handelt eine Allgäuer Sage davon, dass sich auf jenem Berg ein sogenannter Hexenboden befindet. Alle Hexen aus der Umgebung führen auf dem Gipfelplateau nachts einen wilden Tanz auf. Sie stürtzten sich einst auf den ungesegneten Bauern Trentini, um ihn zu verwandeln und auf den Gipfel zu entführen.
Muskelkraft statt Hexentanz
Heute können wir nicht mehr wie der „Hexenreiter“ die steilen Hänge hinauffliegen. Vielleicht wollen wir auch gar nicht wissen, was die Hexen dann mit uns gemacht hätten. Wir genießen lieber eine Wanderung hinauf in luftige Höhen. Auf diese Weise erreichen wir den Säuling mit Muskelkraft und Ausdauer statt mit Hexenzauber.
Einer der schönsten Anstiege ist der Normalweg, der uns von Hohenschwangau über Neuschwanstein zunächst zur Wildsulzhütte und den nordöstlichen Schrofenhang führt. Von dort geht es weiter über das Säulinghaus (1693 m) – eine Berghütte der Naturfreunde – direkt zum Gipfel. Einige Stellen im oberen Teil sind etwas knifflig und mit Sicherungen versehen. Wirklich „märchenhaft“ ist der Ausblick von hier oben und entschädigt für die Aufstiegs-Mühen. Unter uns sehen wir den Forggensee glitzern und auch die Königsschlösser blitzen hervor. Nun haben sie jedoch nichts mehr von ihrer Pracht und Monumentalität, vielmehr sehen sie aus wie kleine Spielzeug-Modelle. Auf der anderen Seite erblicken wir die Tannheimer Berge. Schauen wir uns auf dem Gipfelplateau um, können wir uns gut vorstellen, wie es hier die Hexen bunt getrieben haben.
Nach dem Abstieg gönnen wir uns am Säulinghaus natürlich noch eine Erfrischung, bevor es wieder hinab nach Schwangau geht. Den Tag kann man dann herrlich am Forggensee ausklingen lassen oder in einem kleinen, familiären Hotel wie z.B. dem Hotel Maximilian, das unweit des Seeufers gelegen ist. Von dort blicken wir hinauf zum Säuling und freuen uns einfach nur über einen schönen Tag in den Bergen und darüber, die alpine Herausforderung gemeistert zu haben – ganz ohne Hexen.
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