outdooractive Magazin

Alpenpassagen – die fünf schönsten Pässe in den Alpen

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne - Bewertungen: 8
Loading ... Loading ...

Zur Ferienzeit herrscht Staugefahr auf der vierspurigen Brennerautobahn. Foto: Ralf Pfeifer (Creative Commons Attribution ShareAlike)Wie in einer Karawane ziehen jedes Jahr Millionen von Autos und Lkws den Brenner hinauf und wieder hinunter – von Österreich nach Italien und umgekehrt. Schon die Römer nutzten den niedrigsten Pass des Alpenhauptkamms in den Österreichischen Zentralalpen als wichtige Verkehrs- und Handelsroute. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Vor allem zur Ferienzeit kriecht und windet sich die nicht enden wollende Autoschlange auf der vierspurigen Brennerautobahn durch die Idylle der Ostalpen.

Ganz anders präsentieren sich die fünf Alpenpässe, die wir Euch im Rahmen der Transalp-Themenwoche bei outdooractive.com vorstellen möchten und die zu den schönsten Gebirgspässen der Alpen zählen. Hier führt keine Autobahn hoch – wer sie bezwingen möchte, muss die Höhenmeter meist zu Fuß oder mit dem Mountainbike zurücklegen. Belohnt wird man für die Mühen durch herrliche Naturerlebnisse und großartige Ausblicke fernab von Verkehr und Zivilisation. Und durch das befriedigende Gefühl, es aus eigener Kraft über die Alpen geschafft zu haben.

Der Schrofenpass – nichts für Menschen mit Höhenangst

Vorsicht Abgrund: der schmale Pfad am Schrofenpass.Der Schrofenpass liegt auf 1688 m in den Allgäuer Alpen zwischen dem Haldenwanger Eck (am Dreilandereck Bayern-Tirol-Vorarlberg) und dem Biberkopf. Er verbindet das zu Oberstdorf gehörende Einödsbach auf deutscher Seite mit dem österreichischen Warth in Tirol. Von dem breiten Weg, der einst über den Schrofenpass verlief und die einzige Verbindung zwischen dem Allgäu und dem Lechtal darstellte, ist heute nur noch ein schmaler Pfad geblieben. Im Zweiten Weltkrieg sprengte die SS den Weg, um die anrückenden alliierten Truppen zu stoppen. Der Pfad in dem fast senkrechten Gelände ist so eng und ausgesetzt, dass man ihn auch als Mountainbiker nur zu Fuß zurücklegen kann und das Fahrrad auf der Talseite schultern muss, um überhaupt Platz zum Gehen zu finden. Highlight der Passüberquerung ist eine Metallleiter, die einen Abgrund überspannt.

Das Schlappiner Joch – auf den Spuren der Weinsäumer

Die Hütte unterhalb des Schlappiner Jochs bietet Schutz bei schlechtem Wetter.An der Grenze zwischen dem österreichischen Bundesland Vorarlberg und dem Schweizerischen Kanton Graubünden (oder Grischun) liegt das Schlappiner Joch. Ebenso wie Pass, Scheid, Scharte, Sattel oder Pforte bezeichnet ein Joch einen Grateinschnitt, also die tiefste Stelle eines Gebirgszugs und damit die einfachste Möglichkeit diesen zu überqueren.  Aus diesem Grund waren Pässe oder Joche von jeher begünstigte Handels- und Verkehrsrouten, so auch das Schlappiner Joch. Jahrhunderte lang transportierten die Händler ihre Waren mit schwer beladenen Packtieren auf den schmalen Saumpfaden über das 2202 m hohe Schlappiner Joch von einem Tal ins andere: vom österreichischen Montafon in den schweizerischen Prättigau und umgekehrt. Doch nicht nur regionaler Handel blühte hier. Der kürzeste Weg vom Bodensee über den Comersee nach Mailand führte über das Joch, was ihm bis Mitte des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle im grenzüberschreitenden Handel einbrachte. Sogar Wein aus dem norditalienischen Veltlin wurde von den so genannten Weinsäumern über das Schlappiner Joch in Richtung Norden transportiert. Aber die Grenzlage brachte dem Schlappiner Joch nicht nur regen Handel, sondern auch einige kriegerische Auseinandersetzungen ein. So fanden hier nicht nur im Dreißigjährigen Krieg sowie im Ersten und Zweiten Koalitionskrieg Kampfhandlungen statt. Funde von bronzezeitlichen Lanzenspitzen und axtähnlichen Werkzeugen deuten daraufhin, dass das Gebiet schon in vorgeschichtlicher Zeit umkämpft war.

Der Septimer Pass – wo Könige und Kaiser die Alpen überschritten

Zeugnis einer langen Geschichte - die Römerbrücke unterhalb des Septimerpasses.Der 2310 m hohe Septimerpass (rätorom. Pass da Sett, ital. Passo del Settimo) in Graubünden verbindet die Täler Oberhalbstein und Bergell und die darin liegenden Orte Bivio und Casaccia miteinander. Wie das Schlappiner Joch war auch der Septimerpass schon in römischer Zeit viel begangen, wie Funde von Schleuderbeilen, Münzen und Keramikfragmenten zeigen. Ab dem Jahr 970 diente der Pass mit den dort erhobenen Zöllen den Bischöfen von Chur, zu deren Besitz die gesamte Route von Chur bis Chiavenna gehörte, als ertragsreiche Einnahmequelle. Im Jahr 1100 wurde hier das Hospiz Tgesa da Sett mit Kapelle auf der Passhöhe errichtet. Als wichtigster Alpenübergang neben Brenner und Großem St. Gotthard überschritten auch Könige und Kaiser im Hochmittelalter den Septimerpass wie Otto der Grosse 961 und Friedrich Barbarossa 1164. Im Gegensatz zum schon erwähnten Brenner nahm der Septimer Pass, der im Jahr 1387 sogar als befahrbare Strasse ausgebaut wurde, allerdings eine ganz andere Entwicklung. Mit der Öffnung der Via Mala-Schlucht im 15. Jahrhundert gewann die so genannte Untere Straße über den Splügenpass an Bedeutung und die über den Septimer führende Obere Straße entwickelte sich wieder zurück zum Saumpfad, das 1646 errichtete neue Hospital verfiel. Schließlich war es die parallel verlaufende, 1820 als Fahrstraße ausgebaute Variante über Julier- und Malojapass, die sich als Route durchsetzte und den Septimerpass vollends ins Abseits rückte. Zum Glück: So können wir dort heute die ungestörte Natur genießen – zu Fuß oder mit dem Bike. Wer jedoch genau hinschaut, kann noch Reste der gepflasterten Straße von 1387 entdecken.

Der Fimberpass und die Alpe Fimba – eine Schweizerische Exklave

Überragt vom 3399 m hohen Fluchthorn liegen der Fimberpass und darunter die Alpe Fimba. Schon um 900 n. Chr. – gut 200 Jahre bevor der heute als Aprés-Ski-Paradies bekannte österreichische Talort Ischgl besiedelt wurde – trieben die Rätoromanen aus dem Schweizer Engadin ihr Vieh über den 2608 m hohen Pass „Cuolmen Fenga“ auf die grünen Hänge der Alpis Fenna, wie die Fimba-Alpe früher hieß. Auch heute noch gehört der hintere Teil des Fimbatals zum Schweizer Kanton Graubünden, wohingegen der vordere Teil österreichisches Staatsgebiet ist. Die Grenze zwischen den beiden Ländern verläuft quer durch das Tal. So entstand im hinteren Teil des Tals eine Schweizer Exklave, die nur von österreichischer Seite aus oder über den unbefestigten Fimberpass zugänglich ist. Ausgebaut ist der Weg nur zwischen Ischgl und der Heidelberger Hütte, einer Hütte des Deutschen Alpenvereins, die vielen Wanderern, Mountainbikern und Skifahrern als Ausgangspunkt für ihre Touren um den Fimberpass dient.

Tremalzo – der Klassiker am Gardasee

Geschafft: Der großartige Ausblick vom Tremalzopass entschädigt für die Mühen.Er ist wohl einer der beliebtesten Alpenpässe bei Wanderern und Mountainbikern: der Tremalzopass oder Passo di Tremalzo in der Provinz Trient. Ob als Teil eines Alpencross oder als Ausflug vom Gardasee, die Überquerung des Tremalzo ist immer ein besonderes Erlebnis. Die ehemals von der österreichisch-ungarischen Armee während des ersten Weltkrieges angelegte Bergstraße, die von der südlichen Seite bis zum Rifugio Garda auf 1702 m führt, liegt heute inmitten eines Naturschutzgebietes. Während der Eiszeiten bleib die Gegend um den Monte Tremalzo eisfrei, wodurch sich hier eine ganz besondere, auf ein enges Gebiet begrenzte Flora entwickeln konnte. Spätestens an der Jausenstation des Refugio Garda müssen wir also unser motorisiertes Gefährt stehen lassen und auf’s Bike umsteigen oder Laufen, um die herrliche Landschaft und Pflanzenwelt um den Tremalzopass zu erkunden.

Verwandte Artikel

Kommentare

  1. Highlights auf dem Weg über die Alpen | outdooractive Magazin
    20.06.2009 10:07

    [...] wofür man diese Strapazen eigentlich auf sich nimmt. Dann quält man sich die nicht enden wollende Passstraße hinauf und plötzlich besinnt man sich seiner Motive und Anreize. Vor einem liegt eine [...]

Ihr Kommentar

Alle Felder mit Sternchen (*) sind Pflichtfelder. Ihre E-Mail wird nicht veröffentlicht.

Feedback für diesen Artikel