Das „Gesicht der Armut“ – die Krankheit Noma
Im Rahmen unserer Themenwoche zum Lauf der guten Hoffnung haben wir schon den Initiator Peter Melchin und den Tourverlauf von Pfronten nach München vorgestellt. Doch um was geht es bei dem Lauf eigentlich? Vielen ist die Krankheit Noma unbekannt und darum möchten wir sie kurz vorstellen. Die Armut in den ärmsten Ländern der Welt hat oft viele Gesichter – das schlimmste davon ist die Krankheit Noma. Diese bakterielle Infektion der Mundschleimhaut kennt man in der westlichen Welt kaum. Wer allerdings einmal die verstümmelten Kindergesichter als schreckliche Folge der Krankheit, gesehen hat, vergisst sie nicht mehr.
Noma ist eine von Mangelernährung verursachte Infektionskrankheit, die vor allem Kinder zwischen zwei und sechs Jahren befällt. Vor allem in den ärmsten Regionen in Afrika, Asien und Südamerika erkranken jährlich rund 100.000 Kinder.
Ihr Immunsystem ist oft schon von Vorerkrankungen wie Masern, Typhus, Scharlach usw. geschwächt. Eigentlich ganz alltägliche Kinderkrankheiten, die in der westlichen Welt schnell behandelt werden können. Für die Kleinen dort enden sie in Kombination mit Mangel- und Unterernährung sowie fehlendem medizinischem Wissen meist tödlich.
Die Krankheit beginnt harmlos mit einer Entzündung des Zahnfleisches, die schnell auf das umliegende Gewebe, die Weichteile und den Knochen übergreift. In diesem Stadium könnte Noma noch relativ einfach mit Antibiotika und Mundspülungen behandelt werden. Doch die großen Entfernungen zu Krankenhäusern, das fehlende Geld für die Behandlung und das nicht-vorhandene medizinische Wissen lassen viele Eltern untätig bleiben.
Der Krankheitsverlauf
Anschließend beginnen die entzündeten Teile anzuschwellen. Die Patienten leiden an hohem Fieber und Schmerzen. Danach entwickelt sich die Schwellung zur Gewebezersetzung. Der betroffene Teil ist durch eine „schwarze Zone“ gekennzeichnet, die mit einer weißen Linie umrandet ist, die den nächsten Gewebeverlust markiert. Dies ist die Hauptphase und das Gesicht ist vor allem im Bereich der Lippe, Wange und der Augenhöhle befallen. Nach etwa einer Woche löst sich das Gewebe vom Gesicht. Der Körper versucht, die offenen Wunden mittels Narbenbildung zu schließen. Diese wiederum führt zu einer Kiefersperre, die die Nahrungsaufnahme beeinträchtigt.
80 Prozent aller Erkrankten sterben an Noma oder ihren Folgen. Zählen die Kinder zu den Überlebenden, leiden sie ihr Leben lang an den Verstümmelungen ihres Gesichtes. Oft können sie weder feste Nahrung noch Getränke zu sich nehmen und verhungern oder verdursten. Meist wird auch der Geschmacks- und Geruchssinn sowie das Hören beeinträchtigt. Ist das Gewebe zersetzt, hilft nur eine Hauttransplantation. Weit schlimmer als die körperlichen sind die seelischen Folgen für die Überlebenden, die mit sozialer Ausgrenzung und Spott zu kämpfen haben. Nicht selten werden sie auch von ihren Familien verstoßen.
Bevor übrigens Antibiotika entdeckt wurden, gab es auch viele Fälle in Europa. Vor allem in den Konzentrationslagern des Dritten Reiches trat Noma auf.
Einfache Hilfe
Dabei ist es so einfach, das Ausbrechen der Krankheit zu verhindern. Wird sie frühzeitig entdeckt, bestehen gute Heilungschancen durch eine Therapie mit Mundspülungen und Antibiotika. Der Lauf der guten Hoffnung möchte auf Noma aufmerksam machen und mit Spendengeldern helfen, in den betroffenen Ländern ein Informations- und Ausbildungsprogramm zu schaffen, um elementares Präventionswissen zu vermitteln. Die Startgelder gehen in voller Höhe an den Verein Gegen Noma e.V..
In jedem Dorf soll ein Gesundheitsagent oder ein traditioneller Heiler in der Lage sein, die ersten Anzeichen von Noma frühzeitig zu erkennen, den Zustand des Kindes einzustufen, es zu behandeln oder in ein Krankenhaus zu bringen, um so das „Gesicht der Armut“ zu verhindern.
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