Mystische Orte – die Fortsetzung
Vor einiger Zeit haben wir Euch Schloss Dracula, die Pariser Katakomben und Stonehenge vorgestellt – sie bildeten den ersten Teil einer Reihe, in der sich alles um die mystischen, geheimnisvollen oder sogar schaurigen Orte dieser Erde dreht. Nun folgt der zweite Teil der Serie. Diesmal begeben wir uns von Amerikas berüchtigtstem Gefängnis Alcatraz auf die Suche nach dem „dritten Mann“ in die Wiener Kanalisation, ehe wir am Ufer von Loch Ness nach dem Ungeheuer Ausschau halten.
Aus den unterschiedlichsten Gründen sprechen die Menschen bestimmten Stätten eine mystische Bedeutung zu. Sei es, dass sich seit Jahrhunderten Mythen und Legenden um diesen Platz ranken oder weil sich dort vor geraumer Zeit Grausames, Unheimliches oder Unerklärliches ereignete.
Alcatraz – das ausbruchssichere Gefängnis
Im Jahr 1775 erkundete der spanische Forscher Juan Manuel de Ayala erstmals die Inseln in der Bucht vor San Fransisco. Da auf Alcatraz unzählige Tölpel nisteten, gab de Ayala der Insel den Namen „Isla de los Alcatraces“, zu deutsch „Tölpel-Insel“. Noch heute ist Alcatraz ein Vogelschutzgebiet. Als im Jahr 1848 in Amerika der Goldrausch ausbrach und daraufhin viele Schiffe San Fransisco ansteuerten, wurde die vorgelagerte Insel vielen Seeleuten aufgrund der starken Nebelbildung und des fehlenden Signalfeuers zum Verhängnis. Daher wurde 1852 ein Leuchtturm errichtet, der 1854 in Betrieb genommen wurde und damit als ältestes Leuchtfeuer der US-amerikanischen Westküste gilt.
Im Jahr 1853 begann man mit dem Bau von Fort Alcatraz, das bis 1933 bestand. In dieser Zeit saßen die ersten Gefangenen auf der Insel in Haft. Es handelte sich dabei um konföderierte Soldaten und die Mannschaft eines konföderierten Handelsschiffes, die man hier während des amerikanischen Sezessionskrieges (1861-1865) internierte. Nach Ende der militärischen Nutzung wurde Alcatraz zur Strafvollzugsanstalt umgebaut und ab dem 1. Januar 1934 als Bundesgefängnis genutzt. Aufgrund der niedrigen Wassertemperaturen und der unkalkulierbaren Strömungen, galt die Insel als absolut ausbruchssicher. Bis 1963 wurden insgesamt 1576 Häftlinge nach Alcatraz gebracht, die man als schwere und unverbesserliche Verbrecher einstufte. Zu den bekanntesten unter ihnen gehörten Al Capone und Robert Franklin Stroud. Strouds Haftzeit wurde in „Der Gefangene von Alcatraz“ mit Burt Lancaster leider wenig wahrheitsgetreu verfilmt.
In den 29 Jahren, in denen „The Rock“ (Der Fels) als Gefängnis fungierte, wurden insgesamt 14 Fluchtversuche unternommen, die offiziell allesamt erfolglos oder sogar tragisch verliefen. Im Jahr 1962 geriet Alcatraz gleich wegen zweier Ausbruchversuche in die Schlagzeilen. Im Juni grub sich der Insasse Frank Morris gemeinsam mit den Brüdern John und Clarence Anglin den Weg durch die von der salzhaltigen Luft stark angegriffenen Wände in die Freiheit. In einem Schlauchboot aus Regenmänteln versuchten sie, das Festland zu erreichen. Als man ihre Flucht bemerkte, hatten sie bereits neun Stunden Vorsprung. Ob sie ertrunken oder erfolgreich untergetaucht sind, bleibt ungewiss, da zwar Reste des Bootes an der Küste angespült, ihre Leichname jedoch nie gefunden wurden. Auch diese Geschichte diente später als Vorlage für einen Film: „Die Flucht von Alcatraz“ mit Clint Eastwood. Der zweite Fluchtversuch ereignete sich im Oktober 1962. Mit Hilfe von aufgeblasenen Gummihandschuhen schwamm der Bankräuber John Paul Scott in Richtung Freiheit, man fand ihn völlig unterkühlt an der Küste. Nach der Wiederbelebung brachte man ihn zurück nach Alcatraz. Aufgrund der baulichen Mängel und der gestiegenen Zahl von Ausbrüchen, wurde das Gefängnis im Jahr 1963 aufgegeben. Heute setzen von San Fransisco jährlich über eine Million Besucher in kleinen Booten nach Alcatraz über, um sich dort den Zellenblock, den Speisesaal, die Bibliothek und den Gefängnishof anzuschauen.
Die Wiener Kanalisation – ein rund 2300 km langes Tunnelsystem
Als erste Stadt Europas besaß Wien bereits im Jahr 1739 eine vollständige Kanalisation. Was zunächst fortschrittlich erscheint, konnte jedoch nicht verhindern, dass immer wieder Seuchen ausbrachen, denn die Menschen in den Vorstädten leiteten ihre Abwässer und Abfälle in die Wienerwaldbäche. Da das Wasser dieser Bäche auch zum Wäschewaschen benutzt oder aus Brunnen geschöpft wurde, gelangte es wieder in den Trinkwasserkreislauf. Im Jahr 1830/31 starben aufgrund einer Cholera-Epidemie etwa 2000 Menschen. Daraufhin wurden umfangreiche Umbaumaßnahmen vorgenommen, die sich über einen recht langen Zeitraum hinzogen.
Die Fertigstellung des Kanalsystems fiel mit einer rasanten Expansion Wiens zusammen. Viele Menschen, die sich in Wien eine Arbeitsstelle erhofften, gerieten aufgrund mangelnder sozialer Fürsorge in die Obdachlosigkeit. Da bot die Kanalisation, die man sogar weitgehend ungebückt begehen kann, eine geeignete Möglichkeit, um in den unzähligen Kammern und Gängen Unterschlupf zu finden. Unter dem Schwarzenbergplatz befand sich mit der so genannten „Zwingburg“ die wohl bekannteste dieser Unterschlupfmöglichkeiten. Dabei handelte es sich um eine trockene Kammer, die nur mittels eines Brettes, welches über den Kanal gelegt werden musste, zugänglich war. Dieses konnte man, wenn Gefahr in Form der anrückenden Polizei drohte, einziehen und anschließend über einen der Seitenkanäle flüchten. Ihren Lebensunterhalt verdienten sich die Menschen im Wiener Untergrund mit dem so genannten „Strottern“: Sie fischten alles Brauchbare, was sie finden konnten, aus dem Kanal, um es zu einem möglichst guten Preis zu verkaufen. Anfang des 20. Jh. begaben sich die beiden Journalisten Max Winter und Emil Kläger hinab in die Kanalisation und schufen mit ihren Berichterstattungen über die Strotter und Obdachlosen die journalistische Stilform der Sozialreportage.
Der heutige Bekanntheitsgrad der Wiener Kanalisation ist in erster Linie auf den Film „Der dritte Mann“ zurückzuführen. Einige Szenen dieses britischen Spielfilms aus dem Jahr 1949 wurden im Untergrund Wiens gedreht. Die stimmungsvollen Sequenzen des Schwarz-Weiß-Streifens veranlassten verschiedene Regisseure dazu, ebenfalls an diesen interessanten Orten „unter Tage“ zu drehen. Heute kann man im Rahmen von Führungen auf den Spuren des dritten Mannes wandeln.
Loch Ness und die ewige Suche nach dem Ungeheuer
Man weiß nicht genau, ob derjenige, der erstmals die Gerüchte über ein Ungeheuer im schottischen See Loch Ness verbreitete, nachträglich bestraft oder gefeiert werden sollte. Einen echten Beweis für die Existenz eines Lebewesens, wie es von den zahlreichen Augenzeugen beschrieben wird, gibt es bis heute nicht. Einzig dem Fremdenverkehr kommt es zugute, dass die Gerüchte über das Seeungeheuer in den Umlauf gebracht wurden. Doch im 6. Jh. verfolgte sicher noch niemand das Ziel, den Tourismus am Loch Ness anzukurbeln. So weit zurück liegt nämlich die erste bekannte Erwähnung eines Ungeheuers in dieser Gegend. Bereits im Jahr 565, so steht es in dem Schriftstück „Life of St. Columba“ (lat. „Vita Columbae“) von Abt Adamnan (623/24-704), soll der Heilige Columban von Iona ein Ungeheuer im Fluss Ness gesehen haben. 1527 erblickte Duncan Campbell am Ufer des Loch Ness ein schreckliches Ungeheuer und auch in den folgenden Jahrhunderten kam es immer wieder zu angeblichen Sichtungen.
Den überregionalen „Durchbruch“ schaffte „Nessie“ jedoch erst im Jahr 1933, als die Zeitung Inverness CourierVideokamera einfangen erstmals über das Ungeheuer berichtete. Sogar aus London kamen Journalisten nach Schottland mit der Hoffnung, das „Monster“ zum Inhalt ihrer Reportagen machen zu können. Das erste Foto brachte der Chirurg R. K. Wilson am 19. April 1934 in den Umlauf und entfachte somit erneut das Interesse an diesem Phänomen. Viele Jahre später, im Jahr 1994, behauptete Marmaduke Wetherell jedoch, das Foto gefälscht zu haben. Immer wieder machten Leute von sich reden, die behaupteten, sie hätten ein Ungeheuer gesehen. Am 28. Mai 2007 konnte Gordon Holmes aus Yorkshire ein 15 m langes, aalähnliches Lebewesen mit seiner . Da die Qualität des Filmmaterials sehr gut ist und der sichtbare Uferbereich im Hintergrund tatsächlich Loch Ness zuzuordnen ist, sehen manche darin den ersten echten Beweis für die Existenz von „Nessie“.
Fortsetzung folgt…
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Kommentare
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- Bewertungen: 11
07.07.2009 08:05
[...] Häuser, das Museum of Modern Art, die Cable Cars, das Fisherman’s Wharf-Viertel, die Gefängnisinsel Alcatraz, das Clarion-Alley-Mural-Project mit den Wandbildern, die Golden Gate Bridge selbst und vieles [...]
28.09.2009 10:37
[...] gibt es noch unzählige weitere mystische Orte auf diesem Planeten, doch hiermit soll die kleine Reihe zu diesem Thema vorerst [...]