So schmeckt die Südliche Weinstrasse
Die Südliche Weinstrasse galt in der Weinwelt lange als Lieferant einfacher Schoppenweine und deshalb als wenig salonfähig. Das hat sich gründlich gewandelt. In vielen Betrieben ergaben sich durch den Generationswechsel von klassisch-traditionell gelernten Winzern auf umfassend ausgebildete Weinbauingenieure und auch Weinbautechnologen Fortschritte in der Qualität des Weinguts. Mit Rieslingen, weißen Burgundersorten, kräftigen Rotweinen und Edelsüßen wollte man an die nationale wie internationale Konkurrenz anschließen. Inzwischen ist die Region in aller Munde und unbestritten Spitze in der Republik. Das ist angekommen bei den Weinschmeckern. Immer mehr kommen her, um sich an Ort und Stelle von Weingut zu Weingut vom Wunder der Südlichen Weinstrasse zu überzeugen.
Die Rebsorten – Kleine Sortenkunde
Riesling
Bei den weißen Sorten sticht der Riesling hervor. Meist verfügt er über fruchtige Aromen, ist spritzig und in der Regel mit einer ordentlichen Säure ausgestattet. Keine andere Rebsorte weltweit hat so viele Facetten wie der Riesling: Die Palette reicht vom süffigen Qualitätswein über gehaltsvolle Spätlesen bis hin zur opulenten Trockenbeerenauslese mit exotischem Fruchtcharakter.
Burgunder
Traditionell ist die Südliche Weinstrasse vom Burgunder geprägt. Weißburgunder, Grau- und Spätburgunder, inzwischen aber auch Chardonnay und Auxerrois finden hier auf kalkigen Böden gute Voraussetzungen, um ihren jeweiligen Charakter zu formen. Der Chardonnay kommt in den letzten Jahren immer stärker auf. Diese international meistverbreitete weiße Rebsorte ist zwar nicht ganz unkompliziert im Anbau, doch sehr beliebt und wird im kleinen Barriquefass zu einem kräftigenWein mit Vanilleton ausgebaut. Das Spektrum des Spätburgunders reicht vom Schoppenwein über einen wunderbaren Essensbegleiter bis zum “Kamin-Wein”, der nach seiner Zeit im Barrique etwa vier bis fünf Jahre benötigt, um seine Qualität zu erreichen.
Schoppen
Die weißen Schoppen- und Qualitätsweine spielen für viele Winzer und Verbraucher allein mengenmäßig eine wesentliche Rolle. Kerner, Silvaner oder Müller-Thurgau punkten als anpassungsfähige Tischweine, Durstlöscher und unkomplizierte Tropfen, bei denen man weiß, was man hat.
Bukettweine
Eine regelrechte “Wiedergeburt” feiern die Bukettsorten. Insbesondere die Scheurebe wird wieder entdeckt. Fristete sie vor Jahren noch eine ziemliche Randexistenz, treten jetzt Spezialisten hervor, die vor allem durch ihr Aroma überzeugen. Natürlich soll auch die Fahne des Gewürztraminers hochgehalten werden – mit Schweigen und Rhodt unter Rietburg wetteifern gleich zwei Weinbaugemeinden um den Titel als pfälzische Traminerhochburg. Eher fruchtig präsentiert sich hingegen der Muskateller. Er ist die einzige Rebsorte, deren Wein nach Trauben riecht und auch schmeckt.
Rotweine
Der Spätburgunder gehört zum Besten, was die Südliche Weinstrasse zu bieten hat. Nicht nur, weil die Winzer drei Wege mit ihm gehen: jung und fruchtig, zart und samtig und, im Holzfass ausgebaut, vollmundig mit feinen Vanille-Zimt-Anklängen. Ein Wein, hoch geschätzt zu den edelsten Wild- und Bratengerichten. Erst Anfang der 80er Jahre für den Anbau frei gegeben, hat sich der Werdegang des Dornfelders zum Positiven entwickelt. Im Geschmack macht sich die Gerbsäure kaum bemerkbar, was ihn für viele Menschen sehr bekömmlich und süffig macht. Mit seinem fruchtigen Charakter und der tiefroten Farbe passt er am besten zu deftigen Speisen und aromatischem Käse.
Nicht unterschlagen darf man die milden Sorten Portugieser und Schwarzriesling. Ein Pfälzer Vesper mit Leber- und Blutwurst versteht sich ausgesprochen gut mit einem dieser beiden Weine. Insbesondere die Weißherbste vom Portugieser sind zudem ideale Weine, die gut gekühlt im Sommer auf der Terrasse zu genießen sind. Fehlen noch die „Exoten“: St. Laurent, Cabernet und Merlot: St. Laurent gibt es nicht viel an der Südlichen Weinstrasse. Aber wenn, dann mit kräftigem Ton bei Farbe und Säure, harmonisch ausgeglichen durch seine Frucht. Die Weine mögen den Ausbau im Eichenfass und schmecken hervorragend zu Wild.
Der Cabernet hingegen ist ein Franzose, der sich hier festgesetzt hat. Die roten Mitglieder der Familie präsentieren sich als südliche Typen, sind kraftvoll beerig im Geschmack und würzig im Duft. Ideal zu dunklem Fleisch und Wild und Käse. Und der Merlot kommt ursprünglich aus dem Bordelais, wo er sich vom Tisch der Bauern auf die Tafeln der Gourmets emporgearbeitet hat. Sein kräftiger Körper geht auf samtweichen Pfoten. Barrique steht ihm gut. Er mag kräftige Fleischspeisen und würzigen Käse.
Chaos im Etiketten-Dschungel – Ein Überblick der Begrifflichkeiten
Das Deutsche Weingesetz gibt mit den unterschiedlichen Qualitätsstufen zunächst einen Anhaltspunkt, was man vor sich hat. Ein Qualitätswein (QbA = Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete) wird meist in der Literflasche angeboten und bildet die Basis der meisten Winzer. Wenn der richtig gut ist, kann man davon ausgehen, dass die nächst höheren Qualitäten auch stimmen. Definiert wird die Qualität über das Mostgewicht, den sogenannten Öchslegrad, der aussagt, wieviel Zucker im Traubensaft ist. Je mehr Zucker, desto mehr Geschmack und desto höhere Qualität.
Die Stufe über QbA heißt Kabinett, hier beginnen die Prädikatsweine. Kabinettweine haben oft bereits mehr Ausdruck, sind aber dennoch frisch und spritzig. Was man wissen sollte: Der Winzer hat das Recht zum Unterstatement. Er darf etwa Spätlesequalität als Kabinett vermarkten, wenn er möchte. An eine tatsächliche Spätlese werden hohe Ansprüche gestellt. Sie soll vollmundig sein, kräftig und sowohl zum Essen als auch “im Alleingang” punkten.
Damit man auch schmeckt, was draufsteht
Auslesen können trocken sein oder auch über eine Restsüße verfügen, ausschlaggebend sind dabei Rebsorte und Jahrgang. Oft trinkt man sie zum Dessert, zu etwas schärferen Speisen, als Aperitif oder auch zu Käse. Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen bilden im Prädikatsweinsystem die Spitze. Das Wasser entweicht aus den Beeren und es entwickelt sich Edelfäule. Die Beeren schrumpeln zusammen und in ihnen verbleiben Geschmacksstoffe, Säure und Zucker – sonst nichts. Dies nennt man auch Extrakt.
Diese Klassifizierungen sind nach Mostgewicht geordnet. Jedoch gibt es Ausnahmen von der Regel, die geschmacklich bedingt sind. Eingeführt beim Verbraucher sind inzwischen die Bezeichnungen Classic und Selection. Bei beiden ist eine strenge Auswahl gebietstypischer Rebsorten vorgeschrieben. Der Restzuckergehalt darf jeweils etwas höher liegen, vom Geschmacksprofil her sind die Weine jedoch trocken. Höher sind auch die Ansprüche an das Lesegut. Bei Selection muss sogar mit der Hand gelesen werden. Als Faustregel könnte man sagen, dass man bei Classic einen gebietstypischen Qualitätswein gehobenen Standards vor sich hat und bei Selection einen Spitzenwein aus einer Einzellage.
Seit 2005 gibt es in der Pfalz eine Banderole mit der Aufschrift „Districtus Controllatus Pfalz“. Damit werden Rieslinge, Weiß-, Grau- und Spätburgunder sowie Dornfelder ausgezeichnet, die ein besonders gebietstypisches Geschmacksprofil aufweisen.
Gastronomen der Region kochen nach einem Schmackhaften Jahreskalender
Die Gastronomen der Region richten sich nach einem „kulinarischen Jahreskalender“, so dass stets frische, saisonale und regionale Produkte verwendet werden können. Restaurants, Weinstuben und Gastwirtschaften offerieren zu jeder der vier Jahreszeiten besondere Gerichte und Menüs. Ein Plakat mit der Aufschrift „So schmeckt die Südliche Weinstrasse“ weist den Weg zu diesen Häusern.
Der Jahreskalender beginnt mit dem Frühling, wenn Salate, Löwenzahn, Frühlingszwiebeln und die ersten Erdbeeren zusammen mit Rhabarber auf der Speisekarte stehen. Anfang Mai kommt dann der Pfälzer Spargel dazu. Beim „Lukullischen Sommer“ werden Sommerfrüchte aus heimischer Ernte wie Kirschen, Melonen und Feigen aufgetischt – dann kommen wahrlich südländische Gefühle auf. Der Herbst mit seinen Kastanien, Kürbissen, Pilzen und Wildgerichten in Begleitung von Federweißem oder Spätburgunder ist für Genießer meist der kulinarische Höhepunkt des Jahres. Die Gans ist spätestens zum Martinstag auf der Speisekarte präsent – und das nicht nur im Weinort St. Martin. Im Winter gibt es dann Desserts aus Mandeln, Walnüsse und die ersten reifen Pfälzer Kiwis zu probieren.
Wer jetzt Appetit bekommen hat, dem wünscht outdooractive.com gute Reise!
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