Gipfelerfolg für blinden Jörg von de Fenn am Kilimandscharo
Endlich hat er es geschafft: Der blinde Bergsteiger Jörg von de Fenn aus Amendingen bei Memmingen hat sich einen großen Traum erfüllt und stand am 26. Februar 2009 am höchsten Punkt Afrikas, dem Uhuru Peak, besser bekannt als Kilimandscharo, auf 5895 m!
Wir haben von seinen Plänen bereits im Magazin und vom Erfolg bereits kurz im Blog berichtet. Mehrere Widrigkeiten konnten den sympathischen 39-jährigen, der seit seinem 21. Lebensjahr blind ist, nicht davon abhalten, mit unglaublichem Willen sein Ziel zu erreichen. Ein erster Versuch konnte wegen einer Erkrankung seiner Begleitperson 2008 erst gar nicht stattfinden, ein zweiter scheiterte an katastrophalen Wetterbedingungen Anfang Februar 2009. „Es hat uns einfach vom Berg gespült“, so der nun glückliche Gipfelsieger. Aber auch dieser Rückschlag konnte ihn nicht davon abhalten, gleich im Anschluss noch einmal nach Tanzania aufzubrechen. Diesmal wieder mit Hauser Exkursionen in einer kleinen Gruppe, jedoch mit seinem Memminger Freund Dietmar Hail, den er spontan von dieser Unternehmung begeistern konnte.
Aufstieg über die Machame Route
Am 21. Februar startet das fünfköpfige Team in München, um dem Kilimandscharo über die Machame-Route zu Leibe zu rücken. Insgesamt 26 Einheimische begleiten das Team als Führer, Träger und Küchenmannschaft. Die erste Nacht am Berg verbringt Jörg in einem Zelt neben der Machame Hut. Eine „aufregende Sache“ sei das zunächst schon gewesen, meint er. Am zweiten Tag steigen Jörg und seine Begleiter auf zum Shira-Plateau, auf dem die Zelte in einer Höhe von 3800 m aufgeschlagen werden.
Die altbewährte Methode, die der blinde Jörg bei all seinen bisherigen Berg-Unternehmungen angewandt hat, wird ihm auch am Kilimandscharo, oder „Kili“, wie er ihn nennt zum Erfolg verhelfen. Ist der Weg breit genug, ist Jörg mittels einer Seilschlinge mit seinem Begleiter verbunden, wenn es enger oder steiler wird, dann fasst Jörg einfach in den Hüftgurt seines Vordermannes. Auf diese Weise gelangt das Team am dritten Tag der Unternehmung bis zum Lava-Tower auf etwa 4600 m.
Keine Probleme mit der Höhe
Der Aufenthalt in dieser Höhe ist nur kurz und dient der Akklimatisierung. Überhaupt hat Jörg mit der Höhe keine Probleme, ihn plagen die lästigen Kopfschmerzen ebenso wenig wie Schlafprobleme, mit denen viele Bergsteiger in dieser Höhe zu kämpfen haben. Am selben Tag steigt die Truppe wieder ab auf 3900 m, um am Barranco Camp auf 3950 m zu nächtigen. Der nächste Tag führt auf der Machame Route zunächst höhenlinienparallel, dann stetig ansteigend zur südöstlichen „Ecke“ des Kilimandscharos. Im Barafu Camp (etwa 4700 m) kann es Jörg kaum erwarten, dass es endlich in Richtung Gipfel geht.
Gipfeltag und Gipfelsieg
Noch am Abend des 25. Februars, gegen 23.00 Uhr, bricht die Gruppe auf. An diesem Tag beziehungsweise noch in der Nacht sind unendlich lange 1300 Höhenmeter im Aufstieg zu bewältigen. Um 5.00 Uhr morgens erreichen Jörg und seine Begleiter den Stella Point. Jetzt kann ihn nichts mehr abhalten. „Meinst Du, da wäre ich stehen geblieben?“ fragt er. Über Nacht verschlechtert sich das Wetter zusehends. Heftiger Wind und Graupelschauer erschweren den Aufstieg. Nach weiteren 50 Minuten steht Jörg am Ziel: Der Uhuru Peak ist erreicht. Eine dicke Daunenjacke samt Kapuze schützten Jörg vor Wind und Kälte. Diese jedoch hat den Nachteil, dass er seine Begleiter „kaum noch hören konnte“. Nach nur 15 Minuten am Gipfel – Jörg hätte dort noch „eine ganze Weile verbringen und einfach genießen“ können – beginnt schon wieder der lange Abstieg.
Langer Abstieg mit Stolperfallen
2800 Höhenmeter liegen nun vor den Bergsteigern, die den Aufstieg und die Höhe schon in den Knochen haben. Einige Male stolpert Jörg im lockeren Lavagestein, doch dann setze er sich „einfach kurz auf seinen Hintern“ und weiter ginge es. „Hier hätten sie ruhig zwischendrin ein wenig aufräumen können, überall Lavabrocken!“ – beschwert er sich mit einem Augenzwinkern.
Eine Stunde Pause gönnt sich das Team im Barafu Camp, anschließend geht es weiter hinab bis zur Mweka Hut. „Runter hat sich’s dann schon ein wenig gezogen“, meint Jörg lachend, aber das habe ihn dann nicht mehr gestört. Insgesamt war Jörg mit seinen Begleitern an diesem Tag 14,5 Stunden unterwegs. Damit war er trotz seines Handicaps sogar ein wenig schneller als die meisten Bergsteiger, die im Mittel 15 Stunden benötigen.
Mit „Kili“-Bier wird in der Mweka Hut auf den Erfolg angestoßen. Am nächsten Tag verlassen die Gipfelsieger den Berg, um sich die von Jörg heiß ersehnte Gipfelurkunde abzuholen. Auch zwei Reporter der Tanzania Daily News warten bereits am Fuße des Berges. Es hat sich schnell herumgesprochen, dass ein Blinder auf dem Gipfel war. Jörg schafft es auf die Titelseite.
„Der Kilimandscharo muss ein Riesenteil sein“
Auf die Frage, wie er sich den Kilimandscharo nun, da er ihn „angefasst“ habe, vorstelle, antwortet Jörg mit einem Lachen: „Der hört einfach nicht auf. Das muss ein Riesenteil sein!“ Verglichen mit dem Großglockner sei das eine ganz andere Dimension gewesen.
Im Juni plant Jörg, den Mont Blanc zu besteigen. Für den Elbrus im August fehlt ihm noch ein geeigneter Partner. Um Kontaktaufnahme über seine Homepage ist der sympathische Bergsteiger dankbar. Auch freut er sich sehr, in VAUDE einen kompetenten Ausrüstungspartner gefunden zu haben, mit dem er noch viele ehrgeizige Ziele verwirklichen will. Denn an Ideen mangelt es ihm gewiss nicht.
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Kommentare
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30.03.2009 11:10
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23.06.2009 16:28
[...] hatten im Magazin von Jörg von de Fenn berichtet, der blind den Kilimandscharo bezwungen hatte. Heute, am 23. Juni 2009 hat es der Memminger Bergsteiger auf den Gipfel des Elbrus [...]
02.07.2009 07:21
[...] Im Februar dieses Jahres war es dem seit seinem 21. Lebensjahr Erblindeten gelungen, den Gipfel des Kilimandscharo, den mit 5895 m höchsten Berg Afrikas zu erreichen. In unserem Blog konntet Ihr bereits vom Erfolg [...]