outdooractive Magazin

Neuseeland – Wintersport im „kiwi-style“

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne - Bewertungen: 19
Loading ... Loading ...

snowboarderWer kennt das nicht? In den Hochalpen liegt zwar noch genug Schnee, jedoch zeigt der Winter in den  Alpen bereits erste Auflösungserscheinungen. An den Alpenrändern lassen sich bereits die ersten Schneeglöckchen und Krokusse ausmachen, untrügliche Boten eines nahenden Frühlings.

Wer nicht genug vom Schnee bekommen kann, wer am liebsten einen endlosen Winter hätte und wem der hiesige Sommer zu warm ist, dem sei ein etwas außergewöhnlicher Skitrip an das andere Ende der Welt empfohlen: Neuseeland! Aufgrund der Lage auf der Südhalbkugel und der damit verbundenen Jahreszeitenumkehr kann man es schaffen, vom europäischen Frühling direkt in den neuseeländischen Winter zu reisen.

Originelle Kleinstskigebiete: club-fields

fox peakDie Südinsel bietet neben einigen eher kommerziell anmutenden und durchaus mit hiesigen Skigebieten vergleichbaren, größeren Resorts auch die Möglichkeit, seine Künste auf Ski- oder Snowboard in abgelegenen und kleineren bis kleinsten Skiresorts auszuüben. Wem der hiesige Skitrubel zu stressig ist und wer ähnlichem auch in Neuseeland entgehen will, findet in einer ganzen Reihe so genannter „club-fields“ Wintersportbedingungen der anderen Art. Diese Kleinstskigebiete werden von den örtlichen Skiclubs unterhalten und betrieben. Die meisten verfügen über eine Clubhütte, in der man relativ preiswert übernachten und speisen kann. Wenn auf einem der Parkplätze mal 20 Autos stehen, dann ist dort schon die „Hölle“ los.
Jedoch gilt es einige Besonderheiten zu beachten: Wer autobahnartige, gewalzte Pisten, Sessellifte oder Après Ski-Bars erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Nichts davon ist in den club-fields zu finden. Allerdings wartet eine ganze Reihe von Abenteuern auf die von komfortablen Skigebieten verwöhnten, europäischen Besucher:

Extreme Anfahrt: dirt roads

dirt roadDie Anfahrt erfolgt über so genannte „dirt-roads“. Wer schon einmal versucht hat, diese bei schlechten Verhältnissen in einem Auto ohne Allradantrieb oder ausreichend Bodenfreiheit zu bewältigen, wird schnell feststellen, dass es besser ist, den Daumen nach oben zu strecken und mit einem der Einheimischen zu den Gebieten vorzudringen.  Stellenweise steil, oft kurvig, meist matschig und immer ungeteert – so könnte man die dirt-roads am ehesten beschreiben.
Wer es einmal bis in eines der Skigebiete geschafft hat, wird den nächsten – und wohl entscheidenden Unterschied – zu europäischen Skigebieten feststellen.

Ungewöhnliche Lifte I: serious kiwi engineering

traktorDie einheimischen Skiclubs erschließen sich ihre Berge mit „rope tows“. Oft übernimmt ein stillgelegter Traktor die Funktion des Antriebes. Ein Seil läuft über mehrere Umlenkrollen auf Knie- oder Hüft- oder Achselhöhe zum Teil kilometerweit die Hänge hinauf. Es geht bergauf, stellenweise bergab, über Kurven: so ermöglicht ein einziger rope tow-Lift die Erschließung einer ganzen Gebirgskette.
Wer also ein wenig Willen mitbringt, noch ein paar Meter aus den Gebieten hinauszusteigen, wird auf diese Weise bei ausreichendem Schnee mit schier unerschöpflichen Freeride-Möglichkeiten belohnt. Obligatorisch ist deshalb auch die Mitnahme der üblichen Lawinennotfallausrüstung, schließlich bewegt man sich oft abseits gesicherter Gebiete.

Ungewöhnliche Lifte II: rope tows

rope towNur: die Benutzung der rope-tows will gelernt sein! Voraussetzung ist ein handelsüblicher Kletter-Hüftgurt (die Kiwis verwenden zum Teil bequemere Eigenbauten), in den man mittels eines Karabiners den Nutcracker einhängt, eine in der Tat Nussknacker-ähnliche Stahlkonstruktion.
Mit Hilfe eines dringend notwendigen glove-protectors (zum Schutze der eigenen Skihandschuhe) aus Leder wird das recht schnell laufende Seil des Liftes beherzt gepackt. Sobald der Skifahrer oder Snowboarder die gleiche Geschwindigkeit wie das Seil hat, wirft man den Nutcracker um das Seil. Mit der Hand drückt man ihn zu, sodass er sich am Seil verklemmt. Einziger Haken an dieser Sache ist, dass man diese Aktion (also Seil packen, selbe Geschwindigkeit erreichen, Nutcracker um das Seil werfen, zudrücken, Hände weg vom Seil bringen) geschafft haben muss, bevor die erste Umlenkrolle daherkommt. Sonst kann es passieren, dass die Hand unter dem Seil über die Umlenkrolle gezogen wird. Wer es also nicht rechtzeitig schafft, oben beschriebene Arbeitsschritte rechtzeitig zu vollenden, der lässt das Seil besser los und probiert es noch einmal.

Neugierige Vögel: kurious keas

keaEine weitere Besonderheit neuseeländischer Skigebiete sind die allzeit präsenten Keas. Diese Papageienvögel sind Allesfresser und vor allem Alles-Ausprobierer. Wer seinen Handschuh auch nur für Sekunden unbeaufsichtigt am Tisch in der Sonne vor der Hütte liegen lässt, kann im Anschluss meist hilflos mit ansehen, wie der Handschuh einen kostenlosen Rundflug über das komplette Skigebiet absolviert. Auch das Futter der Skischuh-Innenschuhe ist ein sehr beliebtes Spielzeug. Komplett aus den Fugen gezogene Gummidichtungen an den auf den Parkplätzen geparkten Autos zeugen vom unbändigen Spieltrieb dieser Tiere.

Alles in Einem: license to chill

freerideEine ganze Reihe von club-fields bietet sich an: Das nächstgelegene zu Christchurch ist Porters, hier finden sich normale Schlepplifte und zum Einfahren ist dieses Gebiet hervorragend geeignet. Auf dem Weg zum Arthur’s Pass liegen dann die Club-Fields Mt. Olympus, Mt. Cheeseman, Broken River, Craigieburn und Temple Basin direkt am Arthur’s Pass. Fox Peak und Hanmer Springs finden sich etwas weiter abseits der Westcoast Road Nr. 73.
Stu Waddel hat mit der „license to chill“ einen Multi-Mountain-Ski-Pass im Programm, der alle kultigen Club-Fields mit einschließt.
Wer also halbwegs gut auf den Skiern oder dem Snowboard steht (allein das Liftfahren ist für Anfänger eher schwierig), dem sei diese außergewöhnliche Art des Skifahrens empfohlen. Wo kann man denn sonst während des Skifahrens den Ausblick auf den Pazifik genießen?

Verwandte Artikel

Kommentare

  1. Best of outdooractive - KW 12 | outdooractive Blog
    23.03.2009 09:59

    [...] Meist gelesener Artikel der letzten Woche: Neuseeland – Wintersport im „kiwi-style“ [...]

Ihr Kommentar

Alle Felder mit Sternchen (*) sind Pflichtfelder. Ihre E-Mail wird nicht veröffentlicht.

Feedback für diesen Artikel