Industriekultur im Saarland
Joseph Roth, ein Reisejournalist aus der Weimarer Republik, ließ es sich nicht nehmen, bei seinem Besuch im Saarland auch in eine Kohlegrube hinabzufahren. Er unternahm diese Fahrt – oder besser gesagt einen Fall – in die saarländische Unterwelt: „Wir sausen hinab. Hinab! Welch ein kurzes Wort! Und wieviel enthält es! […] Den ganzen Raum erfüllen unerklärliche Stimmen. Es rauscht und murmelt, summt und braust, es knattert und heult, es tropft und klingt, es weht und pfeift.“ Heute ist die aktive Zeit des Bergbaus vergangen, aber an zahlreichen Denkmälern können wir noch die Reste dieser Arbeitskultur besichtigen und auch selbt, wie Roth, eine „Fahrt in die Unterwelt“ antreten.
Eine vergangene Zeit
Kaum eine Epoche prägte das Profil des Saarlandes so stark wie das Industriezeitalter. In der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte die Industrialisierung an der Saar ein, ab 1840 verlagerten sich die Hütten- und Eisenindustriestandorte von den Hochwäldern in die Täler der Saar und ihrer Nebenflüsse. Die Kohleförderung wurde weiter gesteigert und es entstand eine Industrieagglomeration auf engstem Raum. Wirtschaftlich ging es dem Saar-Lor-Lux-Raum gut. Die erste große Krise traf den regionalen Kohlebergbau gegen Ende der 1950er Jahre, der Niedergang der Eisen- und Stahlindustrie begann 1975 im gesamten Saar-Lor-Lux-Raum. Daraufhin verloren viele im Bergbau und Hüttenwesen tätige Menschen ihre Arbeitsplätze.
Die Nachfolgenutzung der Industriestandorte ist heute ein wichtiges Anliegen der Region, neben der gewerblichen Nutzung ist es vor allem die kulturlandschaftliche Orientierung, die die Region für uns heute so reizvoll macht.
Kulturort Völklinger Hütte
Ein Muss ist ein Besuch des Weltkulturerbes Völklinger Hütte – hier war zu Anfang des 20. Jahrhunderts die Hochtechnologie der Eisen- und Stahlherstellung zuhause. Heute ist es das weltweit einzige erhaltene Eisenwerk aus der Blütezeit dieses Industriezweiges. Tief hinein gehen wir in die dunklen Gänge der Möllerhalle, hoch hinauf führt der Anstieg auf die Aussichtsplattform am Hochofen oder aufs Dach der Erzhalle. Für einen Rundgang durch die Völklinger Hütte solltet Ihr etwa zwei bis drei Stunden einplanen.
In Neunkirchen reihen sich heute Geschäfte und Dienstleistungsunternehmen aneinander, das Kulturleben pulsiert. Einst war auch hier die Schwerindustrie dominant. An kaum einer anderen Stadt der Region lässt sich dieser Strukturwandel so gut ablesen. Das „Alte HüttenAreal“ bietet vor allem nachts eine einzigartige Kulisse für Open-Air-Veranstaltungen und Kulturtreffs; an gastronomischen Angeboten ist für jeden etwas dabei.
Wenn Ihr eine Fahrt im historischen Kupferbergwerk Düppenweiler unternehmt, begleitet Euch auf dem Weg nach Untertage eine Licht- und Toninstallation, die mit Beleuchtung, Musik, Geräuschen und gesprochenen Texten die Kernelemente des Bergwerks zum Leben erweckt. Ihr könnt sehen, wir Erze abgebaut wurden und einen Blick in den komplett unter Wasser stehenden alten Tiefbau werfen.
Glück auf!
Wer sich für das Alltagsleben eines Bergmanns interessiert, ist im Grubenmuseum Bexbach gut aufgehoben. Hier gibt es auch einen Lehrstollen, wo für eine kurze Zeit das Kumpelleben von einst nacherlebt werden kann.
Eine standesgemäße Einkleidung sollte schon sein, bevor Ihr in den Rischbachstollen St. Ingbert einfahrt. Im einzigen Steinkohlebesucherbergwerk Europas ist derjenige fehl am Platze, der sich nicht die Hände schmutzig machen will. Termine für die zweistündigen Führungen können individuell vereinbart werden. Also: „Glück auf!“
Ein beeindruckendes Naturschauspiel ist der „Brennende Berg“ bei Neuweiler. Schon Goethe war beeindruckt von dem in Brand geratenen Kohleflöz im Inneren des Berges. Bis heute steigen einem die schweflig-modrig riechenden Rauchfahnen von dem Brandherd in die Nase. Weitere Infos gibt es hier.
Es sind noch viele weitere ehemalige Industriestätten zu besichtigen, die heute für eine spannende Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Saarland stehen. Die Region wurde erfolgreich „wiederbelebt“ und wir laden Euch dazu ein, sie zu erkunden.
Viel Spaß!
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