Mit 2 PS – Der Pferdelift am Lagazuoi
In Südtirol, genauer gesagt im Skigebiet Alta Badia, erwartet den alpinen Wintersportler eine Kuriosität: Mit – im wahrsten Sinne des Wortes – zwei Pferdestärken werden hier bis zu 60 Ski- und Snowboardfahrer die über 1 km lange Strecke von Sass Dlacia nach Armentarola gezogen. Der Pferdelift steht am Ende der Lagazuoi-Skitour, deren Startpunkt am Falzarego Pass (2105 m) man nur per Skibus oder Taxi von Corvara, Colfosco, La Villa, Badia und La Val erreicht. Von dort geht es mit der Lagazuoi-Seilbahn hinauf zur Bergstation auf 2751 m Höhe, von der man einen wunderbaren Panoramablick auf die faszinierende Bergwelt der Dolomiten hat.
Der Lagazuoi-Gipfel gehörte während des ersten Weltkriegs zur stark umkämpften Front im Gebirgskrieg zwischen der österreichisch-ungarischen Armee mitsamt ihren deutschen Verbündeten und den italienischen Truppen.
Auch heute noch sind die Wunden, die der Krieg hinterlassen hat, am Berg sichtbar wie die zahlreichen Tunnel, die das Felsmassiv durchziehen. Geübte Skifahrer können sich auf der „Skitour des ersten Weltkrieges“ auf die Spuren der Gefechte inmitten dieser herrlichen Gebirgswelt begeben, die entlang der früheren Stellungen verläuft und den Lagazuoi mit seiner Abfahrt einschließt. Aber auch für sich genommen ist die Abfahrt ein Genuss.
Mit dem Pferd mitten durch das Skigebiet
Die 7,5 km lange, mittelschwere Armentarola-Piste, die zu den landschaftlich schönsten Routen in der Skiregion Dolomiti Superski zählt, führt alpine Wintersportler an der Nordseite des Berges über 1130 Hm hinunter ins Tal. Neben herrlichen Ausblicken und schroffen Felswänden erwarten die Ski- und Snowboardfahrer im unteren Pistenabschnitt mehrere, zu bizarren Eisskulpturen erstarrte Wasserfälle. Und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt: Knapp unterhalb 2000 m lädt die Scotoni-Berghütte zur Einkehr ein. Die Abfahrt endet an der Talsohle in Sass Dlacia – bis zum nächsten Skilift, durch den wir wieder in das Alta-Badia-Skikarussel einsteigen können, muss man allerdings mehr als einen Kilometer in ebenem Gelände zurücklegen.
Zum Glück stehen schnaubend schon die beiden vierbeinigen Betreiber des Pferdelifts bereit. Für rund drei Euro ziehen sie die Skifahrer an zwei langen Seilen, die an einer Kutsche befestigt sind, durch das romantische Bachtal bis nach Armentarola, wo der nächste Lift sie wieder hinauf auf die Dolomiten-Gipfel transportiert. Für Snowboarder ist der tierische Lift eher unbequem, weshalb sie in der Kutsche Platz nehmen dürfen. Natürlich lässt sich die Strecke auch aus eigener Kraft im Skating-Schritt bewältigen, aber wer will sich schon die Gaudi einer Fahrt mit Pferdelift entgehen lassen…
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