Fünf outdooractive-Redakteure suchen und finden – nichts
Um es gleich vorweg zu nehmen: Geocaching wird wohl eher nicht mein Hobby werden. Der Weg war anstrengend, der Schnee zu tief und gefunden haben wir nichts. Dies ist nicht eine Geschichte von fünf tapferen outdooractive.com-Redakteuren, die triumphierend und lorbeerbekränzt von einem Abenteuer zurückkehrten. Nein. Dies ist die Geschichte einer erfolglosen Suche, die Geschichte unseres Scheiterns. Aber wir wollen von vorne beginnen:
Der Himmel war wolkenverhangen und eine klirrende Kälte schnitt uns ins Gesicht, als wir uns an einem winterlichen Freitag Nachmittag auf die Suche nach unserem ersten Cache machten. Malin, Kilian, Jana, Julia und ich wollten wissen, was die Faszination hinter diesem verrückten Hobby „Geocaching“ ist. Wir wollten herausfinden, was so viele Menschen in die Wälder treibt und sie dort nach kleinen Tupperdosen suchen lässt.
Beim Geocaching werden kleine, versteckte Schätze gesucht. So ein Schatz ist meist tatsächlich nichts anderes als eine Tupperdose, in der sich oft nur ein Stift und ein Zettel befinden. Man kann so seinen Namen, eine Nachricht oder Beschimpfungen ob der grässlichen Suche dem Verstecker hinterlassen. Die GPS-Koordinaten der Dose (des Schatzes/Caches) werden erfasst und in öffentlich zugänglichen Internetforen hinterlegt. Garniert mit einem oder mehreren Rätseln, die dann zu dem Schatz führen sollen, kann man sich die Informationen herunterladen.
„So schwer kann das eigentlich nicht sein“.
Nachdem wir schon öfter über das Thema „Geocaching“ geschrieben hatten und allerlei darüber wussten oder zumindest zu wissen glaubten, dachten wir uns: „So schwer kann das eigentlich nicht sein“. Da das Cachen für uns dennoch zu einer Herausforderung werden sollte, entschieden wir uns, einen etwas komplizierteren Cache zu jagen – einen so genannten „Multi“. Bei einem solchen Cache geht es darum, an mehreren aufeinander folgenden Stationen die jeweils nächsten Koordinaten oder aber Teile der Zielkoordinate zu enträtseln. Diese Rätsel schauen auf dem Papier teils recht simpel aus. Nun aber ist Papier wie man weiß sehr geduldig – wir hingegen waren es nicht.
Zuerst ging es zur Anfangskoordinate, dem Parkplatz der Alpsee-Bergwelt in der Nähe von Immenstadt im Allgäu. Hier wurde uns ziemlich schnell klar, dass sich der Cache zwar nur wenige hundert Meter von uns entfernt befand, dies aber vor allem hunderte von Höhenmetern waren. Gut, kein Problem, wir sind die outdooractive.com-Redaktion – kein Berg ist uns zu hoch, kein Weg zu lang und keine Abfahrt zu steil. Also liefen wir beschwingt von der eiskalten Luft los, bis sich nach ungefähr zehn zurückgelegten Metern der Weg in eine spiegelglatte Eisbahn verwandelt hatte. Sicher: Wir hätten einfach mit dem Lift hinauf fahren können, aber dies erlaubte unser Stolz nicht. Also liefen wir über eine Stunde lang auf dem eisglatten Weg hinauf zur Alpe Bärenfalle, wo dann das Eis zu Schnee wurde. Dieser allerdings war knie- bis hüfttief und natürlich hatte keiner von uns Schneeschuhe oder Gamaschen dabei.
Gelernt bei Jauch: Telefonjoker solls richten.
Noch bevor sich der Unmut in unserer Gruppe ins Unermessliche steigerte, lösten wir aber unser erstes Rätsel – erfolgreich. Das war wichtig vor allem für unsere Moral. Zur Feier gab es dann auch noch einen Schluck heißen Tees aus Malins Thermoskanne. Herrlich.
Gleich liefen wir mit Wärme im Bauch und Sonne im Herzen weiter zum nächsten Rätsel, doch entweder, weil wir blind waren, oder, weil der Schnee den entscheidenden Hinweis verdeckte, blieb uns die Lösung verborgen. Der Telefonjoker Kilians – seine Freundin – mit Unterstützung des Internet half aus und wir konnten weiter suchen und cachen.
Zu diesem Zeitpunkt waren meine Hosen übrigens schon vom dauernden Tiefschneelaufen durchnässt und meine Beine nur noch bis zu den Kniekehlen zu spüren – doch es ging weiter. An einem Wasserfall sollten wir herausfinden, wie hoch die niederste Fallstufe sei. Es war gar nicht so leicht, unter dem ganzen Eis überhaupt Fallstufen zu erkennen. Aber wir waren uns nach einigem Hin und Her einig, dass es ungefähr zehn Meter sein mussten. Und die errechneten Koordinaten schickten uns auch nicht in die Mitte des Atlantiks – also musste das, unserer Meinung nach, einigermaßen stimmen.
Wieder zurück durch die Schneemassen – Beine jetzt komplett ohne Gefühl.
Die Koordinaten sollten uns nun eigentlich zu unserem Zielpunkt und der ersehnten Tupperdose führen. Doch auf dem abgeholzten Stück Wald, zu dem wir kamen, lag der Schnee hoch und der Boden war steinhart gefroren. Nach kurzer Suche gaben Jana, Julia und ich auf und wärmten uns in der Bärenfalle an Apelstrudel, Suppe und Bier. Zugegeben: Bier wärmt nicht wirklich, musste jetzt aber trotzdem sein. Irgendwann wagten wir uns wieder nach draußen und fuhren mit dem Alpsee-Coaster zurück zu unseren Autos.
Malin und Kilian suchten noch länger, fanden aber auch nix. Zum Glück. Hätten die beiden den Cache ohne uns drei gefunden, hätten sie sonst noch bewiesen, dass sich Beharrlichkeit und Fleiß auszahlen. In so einer Welt will ich nicht leben.
Mit einer Welt, in der ich alle Schuld an meinem Versagen dem Verstecker des Caches geben kann, habe ich keine Probleme.
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02.03.2009 09:33
[...] Erfahrungen berichten. Es bleibt spannend für alle Geocaching-Fans, inwieweit Smartphone und die outdoor-Schatzsuche miteinander [...]