Blind auf den höchsten Berg Afrikas
Der Blinde Jörg von de Fenn startet auf den Kilimandscharo. Nachdem der lange gehegte Traum im Oktober 2008 wegen einer Erkrankung seines Bergführers und Begleiters kurzfristig abgesagt werden musste, freut sich der seit seinem 21. Lebensjahr blinde Jörg von de Fenn nun auf seine bislang ehrgeizigste Unternehmung: die Besteigung des 5895 m hohen Kilimandscharo in Afrika.
Am 24. Januar will der heute 39-Jährige, in Amendingen bei Memmingen lebende, Outdoorbegeisterte zusammen mit seinem Bergführer Alexander Römer aus Holzkirchen den Flieger zum Kilimandscharo Airport nehmen, um über die Machame-Route den höchsten Gipfel Afrikas zu besteigen. Die Tour findet im Rahmen einer Unternehmung des Pasinger Reiseanbieters Hauser Exkursionen statt.
Ein – wie er selbst sagt – „kleiner Gendefekt“ hat Jörgs Leben radikal verändert. Binnen kürzester Zeit verlor er sein Augenlicht und war nach dem Schock darüber gezwungen, sein Leben komplett neu auszurichten. Es folgten nervenaufreibende Jahre, in denen sich der drahtig und sportlich wirkende von de Fenn im Mobilitätstraining mit Stock und mit dem Erlernen der Punktschrift an sein neues Leben gewöhnen musste. „Manchmal hätte ich am liebsten alles hingeschmissen“, sagt er, zu mühsam sei die Umstellung oft genug gewesen. Wenn man ihm heute gegenübersitzt, kann man sich das gar nicht vorstellen, wirkt er doch voller Tatendrang und Ehrgeiz und kann es kaum erwarten, dass es endlich losgeht mit seinem neuesten Abenteuer.
Sportliche Höchstleistungen trotz Handicap
Konditionell wird er kaum an seine Grenzen stoßen: Er bringt die körperlichen Voraussetzungen für eine solche Besteigung mit. Überhaupt gibt es kaum eine Sportart, an die er sich trotz oder gerade wegen seines Handicaps nicht wagt: Speedscating, Tauchen, Nordic-Walking (auch im Marathon) und eben auch Bergsteigen.
1999 bestieg er als erster Blinder in Begleitung eines Bergführers den Großglockner (3798 m) und bewies bei dieser Unternehmung auch seine bergsteigerische Leistungsfähigkeit.
Er sei „zwar etwas langsamer als Normalos“, aber man müsse ihn „nicht hochtragen“, nimmt er möglichen Kritikern gleich allen Wind aus den Segeln. Und langsamer ist Jörg auch nur in technisch anspruchsvollem Gelände. Auf gut ausgebauten Wegen wird er vielen davonlaufen. Auch am Dachstein hat er gezeigt, dass fast nichts unmöglich ist: Er meisterte den Randkluftsteig und hat sich selbst und der Welt gezeigt, dass man trotz Blindheit Dinge vollbringen kann, die auch den meisten Sehenden nicht einmal im Traum einfallen würden.
Vertrauen ist alles
Üblicherweise ist Jörg mittels einer Schlaufe aus Reepschnur mit seinem Begleiter verbunden: „Wenn’s enger wird, gehe ich halt hinter meinem Begleiter und halte mich einfach an dessen Rucksack fest“. Vertrauen ist bei solchen Unternehmungen das Wichtigste. Er sei auf „seinen Begleiter und dessen Anweisungen angewiesen“, insofern bliebe ihm „nichts anderes übrig, als ihm zu vertrauen“. Angst kennt er nicht. Auf die Frage, was er bei der anstehenden Unternehmung am meisten fürchte, antwortet er mit einem Lachen: „den Flieger“! Dort habe er keinen Einfluss auf den Fortgang der Dinge, in den Bergen hat er alles selbst unter Kontrolle, obwohl seine Wahrnehmungen auf Tasten, Fühlen oder Riechen beschränkt sind. Und selbst Gerüche tragen zum Erfolg seines Unternehmens bei: „Die haben einen hohen Wiedererkennungswert“.
Auf der Machame Route zum Gipfel des Kilimandscharo
Uhuru-Peak – so heißt der geographisch höchste Punkt am Kilimandscharo oder „Kili“, wie ihn viele Bergsteiger einfach nennen. Die Machame-Route gilt zwar als technisch eher einfach, unterschätzen wird man diese Besteigung aber keinesfalls, sie ist auch alles andere als der leichteste Anstieg auf den Berg. Die große Höhe, die langen Etappen – immerhin dauert die Besteigung über mehrere Lager gut vier Tage und der Abstieg fordert noch einmal eineinhalb Tage – ergeben ein Anforderungsprofil, das hervorragende Kondition und alpine Erfahrung voraussetzt – Schlafen in Hochlagerzelten inklusive.
Hochmotiviert am Start
Jörg von de Fenn erklärt seine Motivation für den Kilimandscharo mit der sportlichen Herausforderung. „Ich will da oben an die Holztafel“ und „ich will meine Urkunde“ – so der Bergsteiger. Am Gipfel befindet sich nicht wie in Europa üblich ein Kreuz, sondern eine hölzerne Tafel, die jeden Ankommenden willkommen heißt. Auch erhält jeder Gipfelbezwinger bei seiner Rückkehr vom Berg eine Urkunde des Staates Tansania.
Sein größtes Problem bei all seinen Unternehmungen ist die Suche nach einem geeigneten Partner. So ist er meist gezwungen, „alles für zwei Personen zu bezahlen“ und damit professionelle Hilfe zu finanzieren, denn vielen scheint die Verantwortung, mit einem Blinden unterwegs zu sein, viel zu groß. Dass Jörg vorsichtiger als die meisten Sehenden agiert, bedenken dabei die wenigsten.
Wir von outdooractive.com werden die Tour von Jörg und seinem Team begleiten – mehr dazu demnächst hier im Magazin!
Jörg ist immer auf der Suche nach Trainingspartnern. Ihr findet die Kontaktdaten auf seiner Homepage.
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18.02.2009 11:48
[...] des alpenüblichen Kreuzes eine Holztafel, die jeden Bergsteiger willkommen heißt), etwa die „Machame-Route“. In allen Fällen dauert eine Besteigung zwischen drei und sieben Tagen und erfolgt in mehreren [...]
26.02.2009 16:02
[...] hatten im Magazin von Jörg von de Fenn berichtet, der blind den Kilimandscharo bezwingen wollte. Nachdem er zunächst Anfang Februar auf 3800 m Höhe aufgrund sehr ergiebiger [...]
25.03.2009 16:52
[...] haben von seinen Plänen bereits im Magazin und vom Erfolg bereits kurz im Blog berichtet. Mehrere Widrigkeiten konnten den sympathischen [...]
05.05.2010 11:58
[...] haben von seinen Plänen bereits im Magazin und vom Erfolg bereits kurz im Blog berichtet. Mehrere Widrigkeiten konnten den sympathischen [...]