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Wandern in der Abgeschiedenheit der patagonischen Anden

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Direkt neben dem Fitzroy-Massiv im Naturpark Los Glaciares liegt der Cerro Torre (3133 m). Mit seinem dreizackigen Gipfel gilt er als einer der technisch am schwierigsten zu besteigenden Berge der Welt. Alpinistisch Unerfahrene wie ich können daher “nur” auf einer Wanderung zu ihren Füßen die Aussicht auf die Schönheit der Gipfel genießen. Beide Berge liegen in der Andenkette der argentinischen Provinz Patagonien, die im Süden mit den Fjorden Chiles verschmilzt.

Mit dem Bus einmal quer durch Argentinien, über die Magellan-Straße, bis ans Ende der Welt. Das war mein Reiseplan. Doch dann hatte ich im Reiseführer ein Foto des berühmten Fitzroy-Massivs gesehen. Beeindruckt von dessen Schönheit, hatte ich spontan beschlossen, meine Reise nach Feuerland für einige Tage zu unterbrechen, um selbst vor diesem außergewöhnlichen Gipfel stehen zu können.

Es dämmerte bereits. Nur ein letztes rotgoldenes Glühen war auf den Bergspitzen gerade noch zu erspähen. Sonst hatte die schnell hereinbrechende Dunkelheit den Himmel bereits mit einem dunklen Nachtblau überzogen. Ich drückte die Nase stärker an das beschlagene Busfenster, um einen ersten Blick auf den Fitzroy (3406 m) zu erhaschen, dessen Umrisse sich vom sternklaren Himmel stolz und beinahe drohend abhoben.

Wander-Abenteuer Patagonien

Auf fast einsamen Wegen lässt sich die abwechslungsreiche Natur und Schönheit dieses Wandergebiets entdecken. Die Karten, die man hier bekommt sind – wie alle argentinischen Wegbeschreibungen – nicht besonders genau, aber die Wege gut markiert. So kann man die meisten Touren ohne Führer auf eigene Faust angehen. Ausgangspunkt ist zum Beispiel das kleine Dorf El Chalten, das sich an den Fuß des Fitzroy-Massivs schmiegt. Es liegt mitten in dem Nationalpark, der das Wandergebiet umschließt. Man ist gut beraten, Geld, Medikamente und auch Proviant bereits mitzubringen. Denn einen Geldautomaten sucht man hier vergeblich und das Essen ist deutlich teurer als in den übrigen Regionen. Auch das von allen Rucksackreisenden stark frequentierte Internet funktioniert nur unzuverlässig. Doch wer hierher kommt, der verzichtet gern auf eine gut ausgebaute Infrastruktur, die diese Atmosphäre der Abgeschiedenheit inmitten unberührter Natur ohnehin nur zerstören würde.

Ein bisschen fühlte ich mich an die Schweiz oder Österreich erinnert. Alles ist sehr grün, erst auf den zweiten Blick erkennt man die doch völlig fremden Pflanzen und Bäume. Spätestens aber, wenn man an den ersten Hinweisschildern vorbei ist, die vor Raubkatzen warnen – und wenn man das Glück hatte, einen Condor majästetisch im Auftrieb der Winde gleiten zu sehen – wird einem die Andersartigkeit der Anden bewusst. Alles hier ist ein bisschen rauer und wilder. Ich atmete die glasklare frische Luft, eine Wohltat nach der Hektik und den Autoabgasen in Buneos Aires.

Unterwegs zum Fitzroy

Für die Aussicht auf den Gipfel des Fitzroy muss man etwas arbeiten. Es geht steil bergan und der Weg ist äußerst uneben und abschüssig. Kräftige, eisige Windböen zerren an einem, nicht selten so stark, dass man sich Schutz suchend zwischen die Felsen kauern muss. Auf dieser Höhe liegt oft noch Schnee und es ist empfindlich kalt. Den Bergkamm fest im Blick, kämpft man gegen den Wind und die erlahmenden Muskeln an. Und dann plötzlich, fast überraschend, erhebt sich vor einem majästetisch und stolz das Massiv des Fitzroy in seiner ganzen Schönheit. Steil und schroff ragen die spitzen Zacken des Gipfels, bedeckt mit Eis und Schnee, in den blauen Himmel. Ein gefrorener Bergsee erstreckt sich unterhalb des Massivs und verleiht dem Ganzen eine beinahe mystische Schönheit. Trotz des höchst seltenen klaren Wetters war der Wind zu stark, um lange dort oben zu verweilen. Ohnehin kann man sich bei dieser Tour nicht zu lange mit Pausen aufhalten, denn auch wer zügig geht, sollte sieben bis acht Stunden einplanen.

Zum Cerro Torre geht’s etwas leichter. Bei klarem Wetter sehe ich seine drei Zacken schon von weitem in der Ferne schimmern und bin beinahe sprachlos, als ich schließlich an der Lagune an seinem Fuße stehe, auf der Eisschollen treiben, die regelmäßig von dem Gletscher abbrechen. Dieser erscheint so imposant und ist doch nur ein Ausläufer des dahinter liegenden, gigantischen Continentaleises, dessen Größe sich nur erahnen lässt. Vielleicht ist gerade das so faszinierend an Argentinien. Alles hier erscheint so viel größer, endloser und weiter. Entfernungen bekommen eine ganz neue Bedeutung und  Zeit und Raum verschwimmen, nach drei Tagen ununterbrochener Busfahrt im Angesicht einer immer gleichen Landschaft der Pampa, mit ihren endlosen Weiden und Schafherden.

Als ich abends mit Wanderern aus aller Welt zusammen in der gemütlichen Herberge eines holländischen Ehepaares saß, hatte ich angesichts der rustikalen Eiche fast wieder den Eindruck, mich in einer Berghütte in den Alpen zu befinden. Aber die vielen unterschiedlichen Sprachen, die sich in das fröhliche Stimmengewirr mischten, ließen einen fühlen, dass man weit weg von zu Hause war. Und das Steak zum Abendessen, das war so himmlisch zart und saftig, wie man es in solch abgelegenen Gegenden nur in Argentinien bekommt.

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Kommentare

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