Was isst man auf der Ski-Hütte?
Während der Wintersaison bevölkern tausende von Ski- und Snowboardbegeisterten die unzähligen Skigebiete der Alpen. Immer wieder lassen sie sich von Liften und Gondeln die Berge hinauf befördern, um mehr oder weniger gekonnt die Pisten hinunter zu sausen. Das tun sie ohne Unterlass, bis sich irgendwann die Zeiger auf der Uhr den Mittagsstunden nähern. Dann hängt bei jedem durchschnittlichen Skifahrer und Snowboarder der Magen in den Kniekehlen. Wie die Heuschrecken fallen die großen und kleinen Schneehasen in den Hütten und Jausenstuben ein und wollen nur noch eines: satt werden. Spätestens dort vergisst auch der Ernährungsbewussteste unter ihnen seine Kalorientabelle.
Bei der Wahl des Essens haben sich im Laufe der Jahre einige „Klassiker“ heraus kristallisiert, die auf keiner Speisekarte fehlen dürfen. Auf diese möchten wir im Folgenden einen Lobgesang anstimmen.
Welche der Speisen bei den hungrigen Mäulern den ersten Platz auf der Beliebtheitsskala einnimmt, spielt dabei keine Rolle. Die einen bevorzugen herzhafte, deftige Magenfüller wie Wienerschnitzel oder Leberkäs mit Pommes, Frittaten- oder Leberknödelsuppe oder Kasspatzen. Die anderen gehören eher zu den Anhängern der Süßspeisen und vergessen sich bei Kaiserschmarrn oder Germknödel.
Kräftig deftig – die herzhaften Favoriten
Für das gute alte Schnitzel mit Pommes steht jeder bereitwillig an der Theke im SB-Restaurant an, wobei es sich meistens um ein Schnitzel „Wiener Art“ handelt, das nicht aus Kalb- sondern aus Schweinefleisch zubereitet wird. Der Leberkäse startete bereits gegen Ende des 18. Jh. in Süddeutschland seinen Siegeszug und ist heute von den Tabletts, die durch die Skihütten balanciert werden, nicht mehr wegzudenken. Die beliebte Brühwurst wird nur deshalb als „Käse“ bezeichnet, weil sie in ihrer Form einem Käselaib ähnelt. Kässpätzle, Kasspatzn, Käsknöpfle: Egal, in welcher Mundart es ausgesprochen wird, diese Mahlzeit gehört seit jeher zu den absoluten Spitzenreitern unter den Hütten-Speisen und eines ist sicher: Nach einer Portion dieser Variation aus Spätzle, Käse und gerösteten Zwiebeln ist auch das hungrigste Maul gestopft.
Nichts für Suppenkasper: Flädle-, Leberknödel- und Backerbsensuppe
In Vorarlberg wird sie Flädlesuppe genannt, in der Schweiz heißt sie Flädlisuppe. In Österreich gehört die Frittatensuppe sogar zu den Nationalgerichten. Dahinter verbirgt sich eine klare Rinderbrühe mit Eierkuchenstreifen. Klingt banal, ist aber für viele der Renner unter den Jausen. Wer auch in Frankreich und Italien nicht auf den Genuss dieser Suppe verzichten will, der bestelle sich auf der Hütte eine Consommé Célestine oder Consomme Celestina. Nicht ganz so viel gibt es über die Leberknödelsuppe zu berichten. Sie besteht meist aus einem großen Fleischknödel, der anteilig Leber enthält, und ebenfalls in einer klaren Rinderbrühe serviert wird. Sie schaffte es nicht, sich gegen ihre Konkurrenten durchzusetzen und dennoch erfreut sie sich einer konstanten Beliebtheit: die Backerbsensuppe. Wer jetzt an grüne Erbsen denkt, die einem Backvorgang unterzogen wurden, der liegt falsch. In der Schweiz nennt man Backerbsen auch „Suppenperlen“. Aus Mehl, Eiern, Milch und Salz stellt man einen flüssigen Teig her, den man durch eine Küchenreibe in siedendes Öl tropfen lässt – die so entstehenden gebackenen Teigkügelchen haben die Größe und Form von Erbsen.
Für die Naschkatzen: Kaiserschmarrn und Germknödel
Bei den Freunden der süßen Leckereien zeichnen sich klar zwei Favoriten ab: der Kaiserschmarrn und der Germknödel – beides reichhaltige Mehlspeisen. Wobei der Kaiserschmarrn eigentlich aus einem gewöhnlichen Eierkuchenteig besteht, der etwas dicker ausgebacken und kurz vor dem Servieren in der Pfanne zerzupft und mit Staubzucker bestreut wird. Dazu wird klassisch Zwetschgenkompott gereicht. In einige Rezeptvariationen gehören noch Rosinen und Mandeln. Was den Ursprung des Kaiserschmarrns betrifft, so gibt es zahlreiche Theorien. Eine Legende besagt, dass Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916) bei einem seiner Jagdausflüge im Salzkammergut einen einfachen Holzfällerschmarrn vorgesetzt bekam, der ihm zu Ehren mit guten Zutaten wie Milch, Rosinen und Eiern verfeinert wurde. Laut einer anderen Geschichte liebte Kaiser Franz Joseph I. Mehlspeisen, besonders Palatschinken (dünne Eierkuchen). Gelangen diese dem Koch nicht, weil sie anbrannten, zu dick gerieten oder zerrissen, durften sie dem Kaiser natürlich nicht serviert werden. Dann bekam das Personal den „Kaiserschmarrn“. Beim Germknödel handelt es sich um eine böhmische und wienerische Mehlspeisespezialität aus Hefeteig, der in Österreich und Bayern auch „Germteig“ genannt wird. Im Kern der dicken Hefekugel befindet sich Pflaumenmus. Ordert man diese wahre Kalorienbombe in der klassischen Wiener Art, so bekommt man den Germknödel mit zerlassener Butter übergossen und einer Mischung aus Mohn und Staubzucker bestreut serviert. Man kann ihn sich aber auch mit Vanillesauce bestellen.
Flüssige Klassiker
Wer viel gutes Essen zu sich nimmt, muss dieses auch mit irgendetwas hinunter spülen. Auch an der Getränkefront haben sich einige Wässerchen mit Geschmack besonders hervorgetan. Dazu gehört die Kräuterlimonade „Almdudler“, das Skiwasser – Mineralwasser mit Himbeer- oder anderem Fruchtsirup oder Lumumba – heißer oder kalter Kakao mit Rum. Damit wären wir nun auch bei den alkoholischen Getränken angelangt. Damit sollte man sich, während man auf der Piste unterwegs ist, zurückhalten, da sich jedes Jahr viele Unfälle ereignen, die auf den Alkoholkonsum in den Hütten zurückzuführen sind. Besser ist es, man kommt nüchtern und heil im Tal an – nicht umsonst heißt es Après Ski.
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