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Tour skating – Auf Schlittschuhen über Skandinaviens vereiste Seen

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Klirrende Kälte, glitzerndes Eis – und nur wenige Zentimeter darunter tausende Kubikmeter eisigen Wassers… In dieser scheinbar lebensfeindlichen Umgebung ist keine Menschenseele unterwegs – mit Ausnahme einiger Sportler. Das einzige Geräusch ist ihr Atem und das verzerrte Klirren und Surren, wenn die Kufen und Stöcke auf das Eis treffen. Blitzschnell gleiten sie mit ihren Schlittschuhen über die weite, spiegelglatte Fläche.

Tour skating, long distance ice skating, cross country skating oder nordic skating heißt der in Skandinavien äußerst populäre Wintersport, bei dem man sich mit spezieller Ausrüstung auf stundenlange, manchmal mehrtägige Touren auf den ausgedehnten Seensystemen begibt. Ein geübter Läufer kann so bis zu 100 km am Tag zurücklegen. Oft ist es nur das Tageslicht, das der Tour ein Ende bereitet.

Skandinavischer Volkssport

Während das Schlittschuhlaufen auf natürlichem Eis in Mitteleuropa eher eine Kindheitserinnerung ist, frieren in Norwegen, Finnland und Schweden noch regelmäßig die Gewässer zu und ermöglichen ein reges Treiben auf dem glatten Untergrund. Auf den Seen rund um die größeren Städte und Ortschaften findet dann das öffentliche Leben auf dem Eis statt. Menschen auf Schlittschuhen schieben Kinderwagen vor sich her, führen ihren Hund Gassi oder spielen Eishockey und die örtliche Pfadfindergruppe verkauft an einem auf das Eis gebauten Grillstand Würstchen und heiße Getränke. Wenn man sich jedoch etwas tiefer in die Seenlandschaft begibt, nimmt der Trubel ab und man erlebt ganz ungestört die Natur aus einer ganz neuen Perspektive.

Wer meint, er könnte einfach die alten ledernen Kunstlauf-Schlittschuhe aus dem Keller holen und damit auf große Fahrt gehen, begibt sich im wahrsten Sinne des Wortes aufs Glatteis. Im hohen Norden geht niemand aufs Eis, ohne zumindest so genannte „ice claws“, zwei Griffe mit je einem kleinen Eispickel am Ende, um den Hals zu tragen, die einem helfen, sich nach dem Einbrechen aus dem Wasser wieder auf die rutschige Eisfläche hinaufzuziehen. Aber für eine richtige Tour auf dem Eis reicht auch das nicht aus. Dafür benötigt man eine spezielle Ausrüstung, die im Notfall Leben rettet und sportlicheres Fahren ermöglicht.

Sicher übers Eis

Ein unerlässliches Utensil beim Touren-Skaten ist der „ice pike“ – ein spitzer, langer Metallstab, mit dem man die Stärke des Eises testet. Braucht man drei oder mehr starke Stöße, um das Eis zu durchstoßen, ist es fest genug zum Skaten. Das heißt aber nicht, dass es ein paar Meter entfernt nicht ganz anders aussehen kann. Daher ist es wichtig, die Eisfläche ganz genau zu beobachten, um Unregelmäßigkeiten wie Risse oder dünne Stellen zu erspähen.

Meistens treten diese jedes Jahr immer wieder an derselben Stelle auf, deshalb lohnt es sich, die lokale Bevölkerung zu befragen. Schwachstellen sind üblicherweise Mündungen, Schilfgürtel, Untiefen, Stege und Brücken – dort sollte man vorsichtig sein oder besser einen Bogen darum machen. Das beste Eis zum Skaten ist das so genannte „schwarze Eis“, das erste Eis des Jahres, das sich bei gutem Wetter gebildet hat. Es ist eben und glatt. Bereits drei Zentimeter reichen aus, um einen Menschen zu tragen, zehn Zentimeter sind genug für ein Auto.

Neben den Eiskrallen und der Eispike gehört ein Rucksack mit Bauchgurt oder Beingurten und wasserdicht verpackter Ersatzkleidung zur Ausrüstung eines Touren-Skaters. Nicht in den Rucksack gehört hingegen die Rettungsleine. Das mit einem Ende am Körper befestigte Seil muss jederzeit greifbar sein, um im Notfall einem Retter zugeworfen werden zu können. Am Besten ist es, in einer Gruppe unterwegs zu sein, so ist Hilfe immer in der Nähe – und mehr Spaß macht es auch. Für den Fall, dass niemand direkt bei der Unfallstelle ist, hilft eine Pfeife – aber ohne Kugel, denn die könnte festfrieren.

Unterwegs auf schnellen Kufen

Damit das Eislaufen zum sportlichen Wintervergnügen wird, braucht man nur noch die richtigen Kufen. Die sind länger als bei gewöhnlichen Schlittschuhen, weshalb sie zwar weniger wendig, dafür aber schneller und stabiler sind. Es gibt sie als Komplettschuh oder als einzelne Kufen, die man je nach Modell an die Langlauf- oder Wanderschuhe schnallen kann. Für mehr Komfort sorgt ein zweiter Stock, zum Beispiel ein Skistock, und auch Knieschützer sind keine schlechte Empfehlung.

So ausgerüstet, steht der Erkundung der eisigen Seenwelt nichts mehr im Wege. Und nicht nur Seen, selbst die Schärengärten, die Insellandschaften in der Ostsee vor Stockholm oder Göteborg frieren in kalten Wintern zu und sind ein einzigartiges Tourengebiet. Wer anstelle von ungestörtem Naturerleben aber lieber den sportlichen Wettkampf sucht, kommt bei Läufen wie dem Götakanalrännet oder dem Vikingarrännet auf seine Kosten.

Englischsprachige Internetseiten zum Thema Touren-Skating sind rar gesät. Diese lohnen aber auf jeden Fall einen Klick:

http://xray.bmc.uu.se/markh/skating/skating.html
http://isplanket.com/main/emain.asp

http://www.dermott.ca/ski/skating.html

http://www.sssk.se/english/dictionary.htm

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