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Speedbergsteigen – Eine Podiumsdiskussion

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Wenn Benni Böhm auf einen Achttausender will, dann nimmt er nicht viel mit. Nur das Nötigste, keinen Sauerstoff, fast keinen Proviant und keine Träger. Ist er oben angekommen, schaut er sich kurz um, schnallt die Skier an die Füße und schießt wieder hinunter ins Tal.

Benni Böhm ist Speedbergsteiger. Er klettert in Rekordzeit auf Berge und fährt auf Skiern ins Tal zurück. 2006 bestieg er den Gasherbrum II (8.035m) in nur 12,5 Stunden und erreichte nach insgesamt 17 Stunden wieder das vorgeschobene Basislager.

Speedbergsteigen hat den Vorteil, dass sich der Bergsteiger nur relativ kurz in der “Todeszone” aufhält und keine lange Akklimatisierung notwendig ist. Die Regeln des Speedbergsteigens sind recht simpel. Schnell rauf, schnell runter. Allerdings geht es manchmal auch einfach nur hinauf. Zum Beispiel wenn jemand wie Thomas Huber den Rekord an der Nose im Yosemite Park aufstellt.

Beim AlpinTag 2008 in Leverkusen fand sich die Speedbersteiger-Elite zu einer Podiumsdiskussion ein. Luis Stitzinger, Robert Jasper, Thomas Huber und Benni Böhm versuchten herauszufinden, was den Reiz des Sports ausmacht, was Rekorde wert sind und die Frage zu klären: Was ist Speed?

Thomas Huber:
Speed, das ist ein Zusammenspiel aus Erfahrung, Technik, Kraft – wenn das funktioniert, dann ist man schnell. Aber das Wichtigste beim Speedbergsteigen oder Speedklettern ist die Transparenz. Vor allem gegenüber der Öffentlichkeit. Beim Rekord an der Nose war das sehr einfach, da wurde der Rekord von den Medien begleitet. Aber generell ist das eine Sache der Ehre.

Luis Stitzinger:
Ehrlichkeit ist einfach wichtig. Berge sind schließlich keine Tartanbahn. Speedbergsteiger kämpfen nicht gegen die Zeit, sondern gegen sich selbst.

Thomas Huber:
Es geht ja auch um die Reputation. Man kann es sich gar nicht leisten, zu lügen – denn schon der kleinste Zweifel macht alle etwaigen Leistungen, die zuvor erbracht worden sind zu Nichte. Bei einer Erstbesteigung kann ja auch niemand überprüfen, ob man wirklich auf dem Gipfel war.

Robert Jasper:
Als Bergsteiger sollte man ohnehin schwindelfrei sein…(lacht).

Thomas Huber:
Ich bin mein eigener Schiedsrichter. Solche gibt es ja Gott sei Dank am Berg nicht.

Robert Jasper:
Da hast du Recht, aber sobald es um eine bestimmte Zeit geht, um einen Rekord…, also sobald ich die Zeit später mal “verkaufen” will, mit Diavorträgen oder in einem Film, wird es kritisch. Da wäre ein Schiedsrichter manchmal ganz gut.

Luis Stitzinger:
Ich weiß nicht. Bevor ich darüber nachdenken kann, meine Leistungen nach außen zu tragen, muss ich doch vor allem mit mir selbst im Reinen sein. Darum geht es doch. Außerdem herrschen ohnehin nie dieselben Wettkampfbedingungen. Der Weg ist ja fast immer ein ganz anderer, wenn es gerade erst geschneit hat oder der Wind aus der falschen Richtung bläst. Gleiche Bedingungen für alle werden doch erst mit einer voraus fahrenden Pistenraupe machbar, oder?

Benni Böhm:
Und trotzdem übt Speedbergsteigen eine enorme Anziehungskraft auf die Öffentlichkeit aus. Speedklettern passt einfach in unsere Zeit.

Thomas Huber:
Ja schon. Was mich aber stört: Dass man heute nach Rekorden regelrecht sucht und die Grenzen häufig nur noch über die Zeit definiert. Ich hab das Speedklettern lange Zeit belächelt. Ich bin dann erst später auf den Geschmack gekommen. Das schöne am Speedklettern ist der puristische Charakter. Es zählt nur das Team, die Technik und die Koordination.

Robert Jasper:
Meiner Meinung nach wird das Speedbergsteigen in den nächsten Jahren zu einer ganz eigenen Disziplin werden. Schnelles Bergsteigen im Alpinstil. Das kann jeder verstehen. Da geht es nicht um die schwerste Route mit einer Zahl, die ohnehin kein Normalsterblicher verstehen kann, sondern einfach um die Zeit. Die kapiert jeder Laie.

Thomas Huber:
Das ist halt auch für die Medien viel interessanter und griffiger. Wenn ich Leuten von normalen Expeditionen erzähle, dann ist das für mich genauso, wie wenn es ums Speedklettern geht. Aber die Zuhörer sind vom Speed viel mehr begeistert, einfach weil jeder was mit einer kurzen Zeit oder einem Zeitvergleich anfangen kann. Ob eine Route technisch schwierig ist oder nicht, kann nicht jeder gleich erfassen.

Das Fazit der Runde: Speed begeistert.

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Kommentare

  1. Höhenrausch mal anders – mit dem Zipfelbob vom höchsten Berg der Welt - Outdoor Magazin » outdooractive
    25.09.2009 13:45

    [...] einem langjährigen Freund von Viktor und Pavlek Levpist, entstand die Idee bei einem Streit über Sinn und Unsinn alpiner Extremleistungen. Pavlek habe zum Beispiel im Gegensatz zu seinem Bruder kein Verständnis für das “Skiing [...]

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