Ein kleines Zeitfenster am großen Berg – „8850 mt. Gesichter einer Leidenschaft“ von Jozef Kubica
“Eine Besteigung des Mount Everest ist das höchste Symbol des Menschen für den Kampf um ein bestimmtes Ziel. Hunderte von Bergsteigern und Sherpas versuchen dies jedes Jahr. Ich will diese persönlichen Geschichten durch Fotografie erzählen.”
Soweit der Anspruch des 29-jährigen Fotografen Jozef Kubica. Im Sommer 2007 verbringt er einige Wochen im Basislager am Fuße des Everest und begegnet den Bergsteigern, die vom Gipfel zurückkamen. Dabei entstanden bewegende und auch erschütternde Portraits von Menschen, die das Ziel – den Gipfel des Everest – erreicht haben. Aber nicht nur das: Sie sind lebend und gesund wieder ins Basislager zurückgekehrt. Die vorangegangenen Strapazen sind überstanden, ein Gefühl von Sicherheit breitet sich aus. Die Gesichter lassen sich lesen wie Karten. Aus ihnen sprechen Erschöpfung, Zorn, Verwirrung, Glück oder einfach nur Müdigkeit. Apathie und Willensschwäche sind überwunden. Die „Todeszone“ liegt hinter ihnen.
„Im Gegensatz zum Film, der beliebig lange Kontinuität aufzeichnen kann, ist die Fotografie auf Zeitfenster angewiesen, die denkbar klein sind. Diese Momente sind im Idealfall die stärksten, stärker als eine Filmsequenz. Sie gilt es festzuhalten.“ (Kubica)
Wir zeigen Euch die beeindruckenden Dokumente einer außergewöhnlichen Leistung.
Jozef Kubica ist Slowake und studierte in Prag sowie an der Kieler Muthesius-Kunsthochschule Fotografie. Er ist selbst begeisteter Kletterer und wählte für seine Diplomarbeit ein Thema, das die beiden Leidenschaften seines Lebens miteinander verbindet.
outdooractive.com konnte ihm für Euch einige Fragen stellen:
Wie kam Ihnen die Idee zu diesem Projekt?
Der Entstehungsprozess war relativ lang. Zuerst war da die Idee, die Gesichter von Menschen nach einer Grenzerfahrung festzuhalten. Und da der Everest das „letzte große Abenteuer der Menschheit“ darstellt, war es schnell klar, dass dies am Everest stattfinden sollte. Da mir an diesem Projekt persönlich sehr viel lag, wollte ich es zu meiner Abschlussarbeit machen.
Wann und wo sind die Aufnahmen entstanden?
Die Portraits sind im Mai 2007 entstanden. Ich war auch 2008 dort, wurde aber daran gehindert, Aufnahmen machen zu können. Die Situation war wegen der Chinesen und der olympischen Fackel auch auf nepalesischer Seite sehr angespannt.
Die Portraitierten waren nur noch ein paar hundert Meter vom Basislager entfernt, so dass sich die objektiven Gefahren hinter ihnen befanden, der Khumbu-Icefall war so gut wie überwunden. Die Bilder entstanden sozusagen am Platz des Aufatmens.
Haben sich einige der Bergsteiger geweigert, fotografiert zu werden?
Von den ca. 100 Abgelichteten haben es nur zwei verweigert. Einer hatte einfach kein Interesse und der andere hat am Berg seine Frau verloren und ihm war nicht nach „Heldenfotografie“ zumute.
Wie muss man sich eine solche Begegnung vorstellen?
Da ich mit den meisten Bergsteigern vor Ort und vor ihrem Gipfelsturm gesprochen habe, wussten sie schon, was auf sie zukommt, als sie mich am Gletscher gesehen haben – also dass sie fotografiert werden. Ich habe ihnen kurz gratuliert, Smalltalk gehalten, kurze Anweisungen gegeben, wo und wie sie sich hinstellen sollen, und meine paar Bilder gemacht. Und das war’s auch. Ich konnte sie da ja nicht lange festhalten. Unten warteten schon ihre Teammitglieder in Partylaune mit Getränken. Viele waren mehr oder weniger erschöpft, dehydriert und ziemlich am Ende ihrer Kräfte.
Welcher war der bewegendste Moment während Ihrer Arbeit?
Davon gab es viele. Zum einen den, als man den Funkspruch vom Gipfel gehört hatte. Das Gefühl war eine Mischung aus Freude über das von ihnen erreichte Ziel, aber nur bedingt, weil der Abstieg vor ihnen lag, der – wie man weiss – die meisten Opfer fordert. Der andere war, als mir der Sherpa, der seine Frau am Lhotse verloren hat, entgegen kam und seinen Grund äußerte, warum er sich nicht fotografieren lassen wollte. Da war ich einfach nur sprachlos und etwas beschämt.
Mehr zu Jozef Kubica und „8850 mt. Gesichter einer Leidenschaft“ findet Ihr unter
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28.09.2009 09:41
[...] zum Jahr 2008 wurden 4020 Besteigungen durchgeführt. 208 Menschen kamen vom höchsten Berg der Erde nicht zurück. Beide Zahlen werden weiter steigen, [...]