Die Wiederkehr des Bergfilms: “Nordwand”
Die Kombination von professionellen, packenden Aufnahmen an Originalschauplätzen und einem hohen Unterhaltungswert machte schon in den 20er und 30er Jahren den Bergfilm – teils noch als Stummfilm – zum damals erfolgreichsten Genre in der deutschen Filmgeschichte.
Freilich hing dies zuallererst mit dem nationalsozialistischen Kontext zusammen, in dem der ewige Kampf zwischen Mensch und Natur als Parteipropaganda instrumentalisiert wurde.
Im Mittelpunkt der Werke von Bergfilm-Pionieren wie Arnold Fanck, Leni Riefenstahl und Luis Trenker stand denn auch der Idealismus eines auf den Berg hin ausgerichteten Lebens. Hier knüpft „Nordwand“ an, die mit Spannung erwartete und gefeierte Verfilmung der gescheiterten Nordwand-Erstbesteigung 1936.
Die Bergsteiger Toni Kurz (Benno Fürmann) und Andi Hinterstoisser (Florian Lukas) radelten im Sommer von Berchtesgaden nach Zermatt, schlugen ihr Zelt am Fuße der Eiger Nordwand auf und machten sich auf, ebendiese mit den einfachsten Mitteln zu bezwingen: Einer pionierartigen Ausrüstung, glühendem Ehrgeiz und brennendem Idealismus. Bereits hier wird deutlich, dass die zwei Burschen ihre Heldenrolle nicht ausfüllen können und wohl auch nicht wollen. Auch die Frage, was Idealismus angesichts einer solchen Herausforderung überhaupt leisten kann, scheint entschieden.
Zwar distanziert sich der Film von Philipp Stölzl schon durch seinen neutralen Titel von Filmen wie „Der Berg des Schicksals“ (1924), „Der heilige Berg“ (1926) und „Der Kampf ums Matterhorn“ (1928). Doch so ganz kann er das Gleichgewicht zwischen Sachlichkeit und Pathos nicht halten.
Das gilt nicht für die Optik, die den Zuschauer in jeder Filmminute mit ihrer Authentizität zu packen weiß. „Nordwand“ wird als bildgewaltiges und fesselndes Filmabenteuer auch international erfolgreich sein. Allein die Schlussszene zerrt am Nervenkostüm, wenn Toni Kurz im Schneesturm nur noch wenige Meter über den Köpfen der Bergretter in der Wand am Seil hängt und seine Jugendliebe Luise (Johanna Wokalek) noch einmal sieht… Man muss es sich einfach selbst anschauen.
Die Spannungen, aus denen sich das Genre als solches herausbildet, lassen sich jedoch leider in der Handlung und Darstellungsweise nicht immer wohlwollend übersehen. Dass mit Luise eine Figur hinzuerfunden wurde, um das Bergsteigerschicksal zu einer dramatischen Liebesgeschichte zu erweitern, muss wohl akzeptiert werden – kaum ein massentauglicher Film funktioniert
heute noch ohne. Doch wenn der immer ein wenig steif wirkende Fürmann am letzten Abend vor dem Aufstieg an der Tür Luises steht und ihr sein Tourenbuch übergibt, ist das schon etwas grenzwertig. Zumal dann natürlich auch der unvermeidliche Kuss nicht ausbleibt und die beiden zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt wieder zueinander gefunden haben.
Diese kleinen Schwächen ändern jedoch nichts an dem bleibenden, überwiegend positiven Eindruck, den der Film hinterlassen wird. Kino lebt nun mal durch seine Bilder und die sind – da hat sich gegenüber den Bergfilmen der 30er Jahren nicht viel geändert – für die Zuschauer einfach berauschend.
Zum Filmstart verlost outdooractive mit freundlicher Unterstützung des AS-Verlags zweimal das Buch zum Film:
Schreibt einfach an redaktion@outdooractive.com und beantwortet uns die Frage, welche Rolle von Benno Fürmann gespielt wird. Einsendeschluss ist der 14. November 2008.
Oswald Oelz, Curt Schneider, Dirk von Nayhauß, Nadja Klier
Nordwand
Das Drama des Toni Kurz am Eiger. Reihe Bergdokumente. 176 Seiten. 121 vierfarbige Abb. 24 x 30 cm, Ln. mit SU ISBN 978-3-909111-57-2
EUR 49.80
Teilnahmebedingungen: Die Teilnahme ist erst ab 18 gestattet. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Mitarbeiter der Firma ALPSTEIN und deren Angehörige dürfen nicht an der Verlosung teilnehmen. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt.
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- Bewertungen: 5
22.10.2008 15:09
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