Der lange Weg des Peter Melchin: Woche 6 – Berchtesgaden
Peter Melchin ist vor fast drei Wochen zu seiner Alpenüberquerung aufgebrochen. Keine normale Überquerung im Alpcross-Style von Nord nach Süd – er wandert von Ost nach West über die Alpen. Acht Monate wird er unterwegs sein, dabei 2000 Kilometer zurücklegen und auf mindestens 20 Viertausender klettern.
Nun kann man sich fragen: Warum macht ein Mensch so etwas? Peter Melchin hat zwei gute Gründe. Zum einen liebt er die Berge, die Natur und die Herausforderung, zum anderen will er mit seiner Tour Spendengelder für die Stiftung „Winds of Hope“ sammeln. Die Stiftung hilft an Noma erkrankten Kindern in Afrika.
Outdooractive.com begleitet Peter Melchin auf seinem Weg…
In der vorigen Woche kam Peter Melchin nach Berchtesgaden, um hier zwei beeindruckende Persönlichkeiten der Alpen zu treffen. Der eine von beiden, der Watzmann, hielt sich allerdings bedeckt – mit Schnee – und war daher zu keinem Treffen, bzw. einer Besteigung bereit.
Der andere aber, Thomas Huber, war da und empfing Melchin. Der ältere der beiden Huberbuam wurde vor allem durch den Kinofilm „Am Limit“ bekannt, der ihn und seinen Bruder beim Extremklettern zeigt. Sie prägten das free-solo, freestyle-Klettern ohne Seil zur Sicherung. Melchin und Thomas Huber sprachen bei ihrer „Begegnung in den Alpen“ – dem Titel von Melchins Projekt – über die Berge, die Faszination und die Macht, die von ihnen ausgeht und die Herausforderung. Dabei war es Thomas Huber, der sich zu einer interessanten Metapher hinreißen ließ. Er sei beim Klettern wie ein Krieger, der in die Schlacht ziehe. Die Gipfel seien seine Trophäen, seine Beute, von denen er seine Familie in Form von Diavorträgen ernähre. Thomas Huber ist ein Mann, der die Extreme sucht, der ans Limit geht, ein Seelenverwandter Melchins, jemand der sich am wohlsten allein im Berg fühlt. Und nirgendwo ist ein Mensch so allein wie allein im Berg.
Peter Melchin erhielt also ein neues Autogramm auf seinem Helm und traf darüber hinaus auch noch die Familie Thomas Hubers, seine Frau Marion, die beiden Söhne Elias und Amadeus sowie die Tochter Philomea. Es wurde sogar überlegt, ob sich Melchin doch noch mit der Unterstützung von Thomas Hubers Vater an den Watzmann wagen sollte. Doch dieser riet ab. Die Schneemassen machten es noch immer viel zu gefährlich. So blieb Peter Melchin nur der Jenner, immerhin 1874 Meter hoch.
Solche Berge sind Routine für Peter Melchin und gehören zu seinem Tagesablauf dazu, wie die tägliche Korrespondenz. Outdooractive.com erzählte Melchin, wie sich ein solcher Tag auf seiner Tour gestaltet. Er stehe früh auf, sehr früh, und laufe los. Am Tag will Melchin im Schnitt 20 Kilometer zurücklegen, meist werden es dann aber doch 30 oder mehr. Einmal lief Melchin an nur einem Tag 50 Kilometer durch bergiges Gelände. Seine Knöchel rieben sich an den hohen Schuhen blutig und entzündeten sich, so dass er es am nächsten Tag etwas ruhiger angehen lassen musste.
Nach so einer Tour baut er sein Zelt auf, bzw. sucht sich eine Unterkunft. Ist er in einem Dorf oder einer Stadt, versucht Melchin meist, sich dem Bürgermeister oder einer Schule vorzustellen, um hier am nächsten Tag für „Winds of Hope“ zu werben. Danach folge die Korrespondenz mit der Heimat, wobei sich dies nicht immer so einfach gestalte, wie man es im Europa des 21. Jahrhunderts annehmen würde. „Ich war schon in den hintersten Ecken von Nepal, Afrika und Südostasien“, sagt Melchin, „aber nirgends war es so schwer, ein Internetcafé zu finden wie in den Alpen.“ Nach dem E-mail- und Tagebuchschreiben nimmt er so spät wie möglich ein Abendessen zu sich, da er durch die Anstrengungen des Tages danach sofort ins Bett falle. Das sei dann meist gegen 20 Uhr.
Und so gestaltet sich Tag für Tag auf dem langen Weg des Peter Melchin. Berchtesgaden liegt bereits hinter ihm und nun geht es weiter nach Tirol. Dort will er als nächstes im ca. 100 km entfernten Mayrhofen auf Peter Habeler zu treffen.
Outdooractive.com wird auch hiervon berichten.
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