“Auf den Kilimandscharo wandern, ist zu leicht.”
Dass eine mehrtägige, 70 Kilometer lange Wanderung auf den höchsten Berg Afrikas für ihn keine Herausforderung mehr sei, das sagt zumindest Thomas Wenning. Deshalb wollen er und Claudia Weber im kommenden Dezember auf den Kilimanjaro rennen. Und das in Rekordzeit.
Skyrunning nennen die Fans diesen Sport, bei dem man so schnell wie möglich, so hoch wie möglich kommen soll. Derzeit liegt der Männerrekord im Skyrunning auf den Kilimanjaro bei fünf Stunden und 36 Minuten und wurde vom Österreicher Christian Stangl 2004 aufgestellt – eine Redkordzeit für Frauen gibt es noch nicht. Dies liegt wohl auch am Exoten-Dasein einer Sportart wie Skyrunning. Dieser Sport bietet jenen Menschen eine letzte Zuflucht, die im Marathon keine Herausforderung mehr sehen und denen das BergWANDERN einfach zu langweilig ist.
Thomas Wenning, 41, aus Bocholt und Claudia Weber, 45, aus Waltrop sind solche Menschen. Obwohl Thomas Wenning erst mit dem Laufen anfing, als er schon 33 Jahre alt war, hat er bereits 26 Podiumsplätze bei Laufveranstaltungen über die magischen 42,195 Kilometer gewonnen. Außerdem ist er Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft im 24-Stundenlauf.
Sein nächstes Ziel ist der Rekordlauf auf den Kilimanjaro – das Dach Afrikas. Den Sinn hinter dem Rekordversuch, beschreibt Wenning ganz pragmatisch: “Der Berg ist da, das ist Grund genug.” Vor allem aber üben die Natur und Stimmung des Berges einen ganz besonderen Reiz auf Wenning aus. Der Sonnenaufgang am Äquator zwischen Eis und Schnee sei das schönste auf der Welt. So etwas könne man mit Worten nicht beschreiben.
Der Kilimanjaro – ein Berg so geheimnisvoll wie seine Geschichte und die des schwarzen Kontinents. Der von manchen verehrt und anderen gefürchtet wird. So bedeutet das Wort Kilimanjaro in Swahili „Berg des bösen Geistes“ (“kilima njaro”), in der Sprache der Massai jedoch trägt der Berg den Namen „Nga-ja Ngai“, was soviel bedeutet wie „Haus Gottes“.
Auch seinen Entdeckern, derer es viele gab, brachte der Berg nicht immer Glück. So dachten viele Bewohner und Besucher des Berges über lange Zeit hinweg, dass die schnee- und eisbedeckte Spitze des Berges, komplett mit Silber bedeckt sei. Im Schein der afrikanischen Sonne kann der Berg auch heute noch manchen Betrachter silbrig täuschen. Die vielen Versuche, das imaginierte Edelmetall von der Spitze zu holen, mussten scheitern und als einmal eine Gruppe von Trägern auf den Berg geschickt wurde, um dessen Schätze zu bergen, traf sie ein anderer Fluch des Berges und so kehrten sie mit nichts als Wasser zurück.
Geschichten und Anekdoten wie diese verstärkten in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Interesse der europäischen Öffentlichkeit an diesem Berg inmitten der afrikanischen Steppe. Vor allem den Entdeckergeist deutscher Forscher regten Geschichte wie diese an. Mehrere Expeditionen machten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf den Weg nach Afrika, um diesen gewaltigen Berg zu bezwingen. Am 5. Oktober 1889 erreichten der Leipziger Hans Meyer und der Österreicher Ludwig Purtscheller den Gipfel. Der höchste Punkt wurde im damals unter deutscher Herrschaft stehenden Tansania deshalb „Kaiser-Wilhelm-Spitze“ genannt. Heute spricht man vom Uhuru Peak.
Was die beiden Männer an jenem 5. Oktober aber neben ihrem Erfolg realisierten, war die Tatsache, dass der Berg kein Berg war, sondern ein Vulkan. Sie standen am Rande eines Kraters, der eine Ausdehnung von 2.500 Metern hat. Dieser Krater, so weiß man heute, ist ein Einbruchskrater, der durch die Zerstörung eines großen Teiles des Berges entstand. Dieser Teil war so groß, dass die Gipfelhöhe des urzeitlichen Kilimanjaro auf ca. 11.000 Meter geschätzt wird. Der suizidale Ausbruch war so gewaltig, dass nicht nur die Hälfte des Berges abgesprengt wurde, sondern der Staub der Explosion auch auf Jahre hin die Erde verdunkelt haben muss. Lavagestein des Kilimanjaro findet man noch heute tausende von Kilometern vom Ausbruchsort entfernt.
Thomas Wenning wäre von den zusätzlichen 5.000 Metern vermutlich wenig begeistert. Er muss “nur” auf 5.895 Meter, aber auch hier wird die Luft schon dünn. Die Jagga, ein um den Kilimanjaro in Tansania verteilt lebendes Volk, erzählen in verschiedenen Sagen von Geistern, die dem Besteiger des Berges die Kräfte rauben und ihn vom Gipfel abhalten – von der Höhenkrankheit.
Thomas Wenning und Claudia Weber bereiten sich auf dieses Problem mit Hilfe der Höhenbalance AG in Köln vor. In Höhenkammern mit Laufband kann hier die sauerstoffarme Bergluft simuliert werden. Auf einem weiteren Laufband, dessen Computer mit den GPS-Daten der Tour gespeist wurde, können die beiden den kompletten Lauf zu Hause im Wohnzimmer absolvieren. An den entsprechenden Stellen neigt oder senkt sich das Laufband gemäß den Tourvorgaben. Außerdem werden Wenning und Weber bis zum kommenden Dezember noch zweimal auf den Kilimanjaro steigen und dabei bereits kleine Strecken laufen. Hinzu kommt ein mentales Training. Thomas Wenning läuft die Strecke fast jeden Tag im Kopf. Der Kopf sei somit schon lange auf dem Gipfel und müsse nur noch den Körper mit hochziehen, sagt Wenning. Er träumt die Strecke, läuft sie in Höhenkammern und auf dem GPS-Laufband. Und im kommenden Dezember soll es dann soweit sein und der Rekord gebrochen werden. Ein Mann, eine Frau, 5.895 Meter, in unter fünf Stunden und 36 Minuten.
Skyrunning – das internationale Portal
INSERT_MAP
Verwandte Artikel
Kommentare
Ihr Kommentar
Alle Felder mit Sternchen (*) sind Pflichtfelder. Ihre E-Mail wird nicht veröffentlicht.

- Bewertungen: 40
16.02.2009 12:59
[...] 1885 bis 1918 war Tansania Teil von Deutsch-Ost-Afrika und damit der Kilimandscharo als Teil des deutschen Kolonialgebietes der höchste Gipfel des Deutschen Reiches. Bis zu 25.000 [...]