Die Schweiz ist überall – alle Schweizen dieser Erde
Zu den bekanntesten “Schweizen” gehören die Sächsische, die Fränkische, die Mecklenburgische oder die Holsteinische Schweiz. Weltweit kommen nochmals mindestens 124 Schweizen hinzu. Sie verteilen sich mehr oder weniger regelmäßig über den gesamten Erdball – da gibt es beispielsweise die Dänische Schweiz am Öresund, Little Switzerland in Wisconsin, USA, die Argentinische Schweiz östlich der Anden oder sogar die Indische Schweiz.
Man mag es kaum glauben, aber selbst in Afrika gibt es einige Schweizen. Doch warum wurden all diese Gegenden nach dem kleinen Binnenstaat in Mitteleuropa benannt? Und: Verdienen sie diesen Namen?
Was zeichnet die wahre Schweiz aus? Seit dem Wiener Kongress im Jahre 1815 ist die außenpolitische Neutralität der Schweiz völkerrechtlich anerkannt. Das Land gehört zu den wirtschaftlich stärksten Nationen der Welt und glücklich schätzen sich all diejenigen, die ein Schweizer Konto besitzen. Die Schweiz ist die Heimat von Friedrich Dürrenmatt, Willhelm Tell und Heidi. Von dort kommen die roten Taschenmesser und die bunten Uhren. Kulinarisch populär sind Appenzeller, Käsefondue, Rösti und Birchermüsli. Landschaftlich bestechen hohe Berge wie das Matterhorn, der Eiger, der Mönch und das Jungfraujoch sowie der Rest der Schweizer Alpen. Die Schweizer sind bekannt für Tradition und Eigenständigkeit und berüchtigt für eine ausgeprägte Präzision.
Doch was von alldem findet sich beispielsweise in der “Dithmarscher Schweiz” in Schleswig-Holstein? Hohe Berge werden es nicht sein, denn die höchste Erhebung, der Rugebarg, misst lediglich 72 m. Wenn man an Afrika, Indien oder Südamerika denkt, dann erscheint einem der Name Schweiz gänzlich fehl am Platze. Wer also hat’s erfunden? In der Tat waren auch einige Schweizer unter den Namensgebern, die sich in der Ferne an ihre Heimat erinnert fühlten. So wird die Bezeichnung “Sächsische Schweiz” den beiden Schweizern Anton Graf und Adrain Zingg zugesprochen, die 1766 an die Dresdner Akademie berufen wurden. Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Schweizen, wo die Urheberfrage rückwirkend nicht mehr zu klären ist. Vor allem in der Zeit der Romantik (1795-1848) kam es in Mode, Regionen als Schweiz zu betiteln. “Die Schweizen werden jetzt immer kleiner”, spöttelte bereits Theodor Fontane (1819-1898) seinerzeit, da immer mehr hügelige Seenlandschaften mit dem Synonym des Berglandes belegt wurden. Und Friedrich Dürrenmatt (1921-1990) wurde sogar noch deutlicher, in dem er verlauten ließ: “Die Welt wird entweder untergehen oder verschweizern.”
Ein sehr weit verbreiteter Grund für die zunehmende „Verschweizerung“ war der Aspekt der guten Vermarktung. Wer will schon gerne Urlaub im Gebiet um Buckow in Brandenburg machen? Da klingt “Märkische Schweiz” doch eindeutig reizvoller. Den größten Aufwand für ein Stück Schweiz in der Fremde betrieb wohl Fürst Leopold zu Salm-Salm, denn er scheute keine Kosten und Mühen, um 1893 in Erinnerung an seine Hochzeitsreise eine Nachbildung des Vierwaldstätter Sees mit dem Schweizer Haus und Felsenlandschaft zu erbauen. Hierfür ließ er sich sogar extra per Schiff und Pferdekarren Holz und Gestein aus der Schweiz an den Niederrhein liefern. Heute kann man sich diese beeindruckende, wenn auch etwas wahnsinnige Hinterlassenschaft im Biotopwildpark “Anholter Schweiz” anschauen.
Sollte nun der ein oder andere auf den Geschmack gekommen sein, dann googlen Sie doch einfach mal die „Schweizen“. Vielleicht liegt sogar eine in Ihrer unmittelbaren Umgebung – bei 191 Schweizen weltweit eine gar nicht so abwegige Vorstellung.
Eindrücke aus der richtigen Schweiz und einigen weiteren “Schweizen”:
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23.01.2009 10:24
[...] wird das Gebiet, in dem sich Schleswig-Holsteins höchste Erhebung befindet, Holsteinische Schweiz genannt. Der Lift ist 200 m lang, der Hang hat immerhin 17 Prozent Gefälle und die Abfahrt dauert [...]
21.06.2009 21:15
Inmitten der Mecklenburgischen Schweiz in 17166 Dahmen OT Ziddorf findet bis 30.09.2009 in der Wassermühle eine Ausstellung über “Die Mecklenburger und andere Schweizen” statt. Darunter Ansichtskarten von 120 Schweizen Weltweit.