Outdoor-Abenteuer in der Großstadt – ein Selbstversuch
Wir wollen’s wissen: Ist es möglich, in der Großstadt Outdoor-Aktivitäten nachzugehen und – ganz wichtig – dabei auch das entsprechende Outdoor-Feeling zu haben? Das „Versuchskaninchen“ stellt Hamburg dar, als „grüne Stadt am Wasser“ scheint sie uns prädestiniert zu sein. Ein Wochenende „draußen“ in Hamburg.
Die erste Verabredung haben wir am Samstag Morgen mit Stefan Rogge, Architekt und Veranstalter von „Fleetfluchten – Wasserspaziergänge in Hamburg und Umgebung“. Die Fleetfluchten sind architektonische Paddeltouren durch Hamburgs unbekannte Gewässer. Wir haben uns angemeldet für die Tour „Hammerbrook – Ein Stadtteil gerät ins Schwimmen“, Kostenpunkt 20 Euro inklusive Ausrüstung. Im Boot werden wir sogleich der ungewöhnlichen Perspektive gewahr: Der Raum erschließt sich vom Wasser auf eine andere Art und Weise, die Gebäude wirken groß, fast bedrohlich, vieles spiegelt sich auf der Wasseroberfläche. Stefan Rogge berichtet aus Hammerbrooks Stadt- und Wassergeschichte. Wir paddeln vorbei an Biotopen und Bürogebäuden, Autobahnzubringern und Anglern, während uns eine frische Brise um die Nase weht.
Auch das zweite Hamburger Outdoor-Vorhaben bleibt in unmittelbarer Wassernähe: Mit Stattreisen e.V. wollen wir eine Radtour durch den Hamburger Industrie- und Gewerbehafen machen. Auf der südlichen Seite des Elbstroms erwarten uns bizarre Industrielandschaften. Ab Samstag Mittag ist der Freihafen fast menschenleer, so dass man als Radfahrer sicher unterwegs sein kann und der Geräuschpegel wieder angenehm ist. Treffpunkt ist am Alten Elbtunnel an den Landungsbrücken. Ihn durchqueren wir zuerst und sind überrascht: Große Holztüren, museumsreife Aufzüge und maritime Zierkacheln machen die Durchfahrt zu einem Erlebnis. Die Aussichtsplattform Steinwerder auf der anderen Seite offenbart einen tollen Blick auf Hamburgs Skyline. Auf Steinwerder, das bis auf den Inselkern fast komplett aus Trümmerschutt des Zweiten Weltkrieges aufgebaut ist, halten wir uns länger auf und erfahren viel über die Firmengeschichte von Blohm & Voss, Deutschlands großer Traditionswerft. Große „Pötte“, insektenartige Verladekräne, Container en masse, Bahngleise und Lagerhallen prägen hier das Bild.
Wir radeln weiter zum Hafenmuseum und dem zum Gelände gehörigen Hansahöft, einer Hafenbeckenspitze. Hier haben wir wieder einen herrlichen Ausblick auf das nördliche Elbufer – das Jahrhundertprojekt „HafenCity“ mit seinem Aushängeschild Elbphilharmonie entwickelt sich rapide. Gerüche aus fernen Ländern, die den Schuppen entströmen, und die Schaustücke im Museumspark versetzen uns in eine andere Welt. Das richtige Outdoor-Feeling stellt sich spätestens am Spreehafen ein – ein kleines, grünes Einod mitten in der Industrielandschaft. Wäre der Zollzaun nicht, könnten wir uns auf die Wiese legen und die Sonne genießen. Hier wird’s auch sonst mit den kleinräumigeren Gewerbeflächen und Kanälen etwas beschaulicher. Zurück werden wir über die Elbbrücken, den Stadtteil Veddel und die HafenCity gelotst. Nach knapp drei Stunden Radeln mit kleiner Brise und viel theoretischem Input sind wir sogar ein bisschen ausgelaugt. Die Bettruhe darf kommen, Tag eins unseres Hamburg-Outdoor-Projektes ist erfolgreich beendet.
Unsere dritte Aktion soll am Sonntag die Besteigung des Kilimanschanzo sein – der etwas anderen Kletterwand Hamburgs. Diese Wand ist kein Berg oder gar indoor anzutreffen, sondern wurde aus zwei Fassaden eines Bunkers geschaffen, der im berühmten Schanzenviertel zu finden ist. Wir sind sonntags hier, denn dann wird zwischen 15.00 und 17.30 Uhr das „offene Klettern“ angeboten, bei dem wir uns unter fachlicher Anleitung ausprobieren können. Sonst gilt: Ausrüstung selbst mitbringen und Freunde im Kilimanschanzo e.V. haben, dann kann man für fünf Euro als Gast loslegen, oder für 80 Euro Jahresbeitrag Mitglied im Verein werden. Die hübsch mit Graffiti besprühte Wand weckt den Ehrgeiz in uns. In einer gewissen Höhe richten wir den Blick auf die umliegenden Dächer und die Straße und haben auch hier das Gefühl von Outdoor. Prädikat: sehr gut tauglich.
Und sollten Sie jetzt, genauso wie wir, Lust auf Outdoor in der Stadt bekommen haben, probieren Sie eine der folgenden Ideen: Buchen Sie ein GPS-Seminar (bspw. bei Globetrotter GmbH), absolvieren Sie ein Schnuppertauchen im Schwimmbad, gehen sie auf der Alster Segeln oder üben Sie die Kenterrolle im Kanu indoor. Extravagant: Schlagen Sie Ihrem Arbeitgeber oder Ihren Angestellten doch ein Outdoor-Teamtraining von Alstertal-Coaching vor. Ob im Hochseilgarten, bei einer Stadtralley oder beim Segeln auf der Elbe – Ihr Team wird bestimmt bei viel Spaß neu eingeschworen.
Fazit: Outdoor fängt auch in der Großstadt vor der Haustür an!
Infos:
Die Termine wollen gut aufeinander abgestimmt sein, denn nicht immer finden alle o.g. Veranstaltungen an einem Wochenende statt!
- www.fleetfluchten.de (Architektonische Wasserspaziergänge mit Stefan Rogge)
- http://www.globetrotter.de/de/filialen/hamburg/media/va_kalender_hamburg.pdf
(Veranstaltungen rund um das Thema Outdoor) - www.stattreisen-hamburg.de (Veranstalter alternativer Stadtrundgänge)
- www.kilimanschanzo.de (Seite des Vereins Outdoor-Kletterwand)
- http://www.alstertal-coaching.de/ (Psychologe Chr. Hemschemeier bietet Seminare für
Führungskräfte und zum Teambuilding an) - http://www.pruesse.de (Segelschule)
- http://www.hsc-hamburg.org/hscindex.htm (Hamburger Segel-Club e.V.)
- http://www.tauchen-hamburg.de/ (Tauchgeschäft, das Ausrüstung verkauft und
verleiht, Kurse anbietet und für den Austausch unter Tauchern sorgt)
Verwandte Artikel
Kommentare
Ihr Kommentar
Alle Felder mit Sternchen (*) sind Pflichtfelder. Ihre E-Mail wird nicht veröffentlicht.

- Bewertungen: 53









21.04.2008 07:50
super, informativ, Hamburg mal von einer ganz neuen Seite genießen
21.04.2008 09:08
Sehr informativer und interessanter Artikel!