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Geht doch einfach mal zelten!

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dsc02633.JPGEine der größten Herausforderungen unserer Zeit: Wie bringen wir unsere Kids raus in die Natur?

Haben Sie Kinder? Dann kennen Sie das Problem, wie schwierig es ist, den Kindern die Natur nahe zu bringen. Man hat ja selber auch die ganzen Erleichterungen und Annehmlichkeiten des modernen Lebens angenommen und lieben gelernt. Unsere Kids bekommen also schon Konsum und Entertainment vorgelebt, und es braucht einen nicht wundern, wenn das Leben unserer Lieben wesentlich durch Mode, Fernsehen, Computer & Co. beeinflusst wird.

Wenn wir in den Urlaub fahren, dann nehmen wir auch gerne das komfortable Angebot der Urlaubsziele in Anspruch. Bei den Diskussionen über die gemeinsamen Aktivitäten am Wochenende schneiden alle anstrengenden Betätigungen immer schlecht ab – vor allem so etwas Langweiliges wie Wandern oder so. Kennen Sie das?

Dann geht einfach mal zelten!

Einfach ausbrechen aus der gewohnten Geborgenheit. Zelt, Isomatte und Schlafsack einpacken und an einen einsamen Ort gehen zum Zelten. Ganz ohne Fernsehen, ohne die Gute Nacht-Rituale, ohne Pizza, ohne Computer, ohne Bett, ohne Geschirr, ohne WC, ohne Spülmaschine, ohne Dusche – einfach nur die Natur und all das, was man im Rucksack hat.

Nachdem ich anfänglich, nach der Präsentation meines Vorschlags, ungläubige Blicke aus der Familienrunde am sonntäglichen Frühstückstisch geerntet hatte, wurde den Mitgliedern meiner Familie schon bald klar, dass es mir damit ernst ist. Ich habe in den höchsten Tönen von meinen vielen Nächten unter freiem Himmel geschwärmt und die Romantik eines Zelt-Abenteuers in den schillerndsten Farben angepriesen. So nach und nach wichen die Bedenken einer exponentiell ansteigenden Begeisterung.

Ich habe – zugegeben ziemlich hinterlistig von mir – einen Ort vorgeschlagen, zu dem man 2 1/2 Stunden 800 Höhenmeter aufsteigen muss. Niemand hat sich darüber beschwert – ich konnte es kaum glauben. Meine Familie konnte auf einmal wandern – und wie. Ohne zu meckern und total motiviert haben alle drei Kinder sogar ihren eigenen Rucksack hoch geschleppt. Erschöpft, aber zufrieden kamen wir am späten Nachmittag am Schrecksee im Hintersteiner Tal an. Wie gut doch ein einfaches Stück Brot und eine Cabanossi schmecken kann – mit Wasser aus dem Bach.

Der Ort ist einfach genial – einer der schönsten Flecken, die man sich vorstellen kann. Ein kleiner (saukalter) Bergsee auf 1800 m Höhe.

Vollkommen abgeschieden liegt er im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen. Die Frage, ob man denn in einem Naturschutzgebiet überhaupt wild zelten darf, haben wir vornehm unbeantwortet gelassen. Wir waren hier ja schon als Kinder beim Zelten. Mit einem kleinen Camping-Gaskocher noch schnell leckere Nudeln gekocht (ganz ohne Diskussion über die Soße) und das Campinggeschirr im See abgewaschen.

Wie die Sonne hier untergeht, ist allein schon ein unvergessliches Erlebnis. Wir haben den Sonnenuntergang von einem oberhalb liegenden Bergrücken aus beobachtet. Als wir im Dunkeln zurück zu unserem Zelt kommen, sind die Schlafsäcke nass vor Tau. Die beiden Männer schlafen unter freiem Himmel. Der Sternenhimmel ist hier oben mindestens zehn Mal so intensiv als unten im Tal. Bis zum Morgengrauen ist der Tau durch den ganzen Schlafsack durch gekrochen. Zeit zum Aufstehen und Aufwärmen in den ersten Sonnenstrahlen.

Nachdem gegen Mittag die Sonne die Feuchtigkeit aus unseren Sachen heraus gesaugt hat, packen wir den Rucksack und machen uns an den Abstieg. Mit weichen Knien, aber überglücklich kommen wir unten an. Da macht es auch nichts aus, dass wir den Bus knapp verpasst haben und eine Stunde warten müssen. Das Erlebnis hat sich in das Gedächtnis aller Kids fest eingebrannt – ja, so etwas können wir natürlich wieder einmal machen.

Jedenfalls eine gute Empfehlung: Geht mal zelten.

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